Vorsorge
Achtung Gebührenfalle: Wenn Fonds mehr kosten, als sie einbringen

In einer Welt mit negativen Zinsen wird der Kostenvergleich beim Sparen immer wichtiger. Statt das Geld auf dem Konto zu deponieren oder in Obligation zu stecken, investieren immer mehr in Aktien-Fonds. Doch da lauern oft versteckte Gebühren.

Tommaso Manzin
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Beim Investment in Aktien-Fonds lauern oft versteckte Gebühren. (Symbolbild)

Beim Investment in Aktien-Fonds lauern oft versteckte Gebühren. (Symbolbild)

Keystone

Wohin mit dem lieben Geld? Auf dem Bankkonto liegt es brach, ohne Ertrag. Ja vielleicht werden auf Bankkonti bald Zinsen fällig statt gutgeschrieben, weil die Banken ihren Strafzins für bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) geparktes Bargeld an Kunden weitergeben.

Aktiv verwaltete Fonds sind teurer

Vorsorgefonds unterscheiden sich in ihren Anlageklassen. In der Regel setzen sie sich aus Aktien und Obligationen, manchmal auch aus Geldmarktanlagen, Immobilien und alternativen Anlagen zusammen. Je höher der Aktienanteil, desto höher sind Gebühren (TER) und Verlustrisiko. Aktive Strategien – also Fonds, deren Zusammensetzung an die Entwicklung an den Finanzmärkten angepasst wird - sind immer noch häufiger als passive, die etwa in ETF (Exchange Traded Funds, also börsenkotierte Fonds) investieren. Die Gebühren von aktiv verwalteten Anlagefonds sind üblicherweise höher, da das Management abgegolten werden muss.

Die tiefen Zinsen sind kein Luxusproblem für jene, die etwas auf die Seite legen konnten. Sie haben sich bis in die Vorsorgesparpläne durchgefressen. Wie der Vergleichsdienst moneyland.ch vorrechnet, werfen Säule-3a-Sparkonten nur noch einen jährlichen Durchschnittszinssatz von 0,67 Prozent ab, auf Freizügigkeitsgeldern gibt es noch magere 0,3 und auf Sparkonten für Erwachsene lediglich noch 0,13 Prozent.

Unterschätzter Einfluss

Ein deutliches Zeichen dieser Misere ist auch die Verzinsung der Altersguthaben bei der obligatorischen beruflichen Vorsorge (BVG). Der Bundesrat hat Ende Oktober den Mindestzinssatz bei der zweiten Säule von 1,75 Prozent auf 1,25 Prozent gesenkt. Dieser bestimmt, wie hoch das Alterskapital in einem Jahr mindestens verzinst werden muss.

Die Anlage in höher rentierende Wertschriften wie Aktien erscheint dadurch attraktiver. Für Säule-3a- und Freizügigkeitsbeträge bieten Banken und Versicherer entsprechende Anlagefonds an.

Von gratis bis zu 3 Prozent

Ausgabekommissionen fallen einmalig beim Fondskauf an und werden in Prozent des Anlagebetrags angegeben. Während manche Banken wie die Bank Coop, die Migros Bank oder die PostFinance keine Ausgabekommissionen verlangen, wird bei anderen Anbietern eine Gebühr von bis zu 3 Prozent erhoben. Bei Swiss Life fällt eine Kaufgebühr von 2 Prozent an, beim Kauf übers Internet entfällt die Ausgabekommission.

Tatsächlich waren in der Vergangenheit mit solchen Fondslösungen auf lange Sicht höhere Renditen als mit Spargeldern zu erzielen. Die Experten von moneyland.ch weisen aber darauf hin, dass entsprechend zur Rendite auch das Verlustrisiko steigt – zumindest kurz- und mittelfristig. Wichtig für das Risiko ist die Zusammensetzung der Fonds. Ein hoher Aktienanteil kann schneller zu Verlusten führen als etwa ein hoher Anteil Obligationen.

Gegenüber der Rendite bzw. Performance werden die Gebühren bei der Wahl des richtigen Vorsorgefonds häufig vernachlässigt. «Die Performance ist im Rückblick gesehen zwar die relevante Kenngrösse. Nur hat sie keine prognostische Relevanz, kann also nichts über die zukünftige Entwicklung des Fonds aussagen», erklärt Felix Oeschger, Analyst bei moneyland.ch. Klar. Denn wenn etwas sicher ist, dann die Kosten: Fondsgebühren werden unabhängig von der Marktentwicklung fällig und sind insofern der einzige prognostizierbare Faktor.

Eine kleine Strafe für den Ausstieg

Weniger gewichtig als die Ausgabegebühren sind die Rücknahmekommissionen, also die Verkaufsgebühren der Vorsorgefonds. Bei vielen Anbietern fallen sie nicht an. Valiant stellt 100 Franken pro Verkauf in Rechnung, bei den passiven ZKB-Vorsorgefonds sind es 0,75 Prozent. Auch der Wechsel zu einem anderen Fonds kann kosten. Bei der Luzerner Kantonalbank beträgt die «Switch-Gebühr» 0,5 Prozent. Das Weiterführen des Vorsorgefonds nach Erreichen des Pensionsalters ist mit Ausnahme von einigen Anbietern wie der Zurich und UBS nicht möglich. Einige Anbieter ermöglichen aber eine gebührenfreie Wiederanlage in einen ähnlichen Fonds.

Wenn «total» nicht alles umfasst

Um die Kosten von Fonds transparenter zu machen und sie besser vergleichen zu können, ist mit der sogenannten Gesamtkostenquote TER (Total Expense Ratio) eine international anerkannte Kostenkennzahl eingeführt worden. Die TER ist seither die wichtigste Kenngrösse bei den Kosten von Fonds. In erster Linie besteht sie aus der jährlichen Verwaltungsgebühr (Management Fee). Ihre Höhe ist vom Anlagemix (Asset Allocation), der Fondsstrategie und dem Anbieter abhängig.

Bei den von moneyland.ch untersuchten Vorsorgefonds variierten die TER-Gebühren deutlich zwischen 0,35 und 1,62 Prozent pro Jahr. Der Durchschnittswert liegt bei 0,87 Prozent.

Die Bezeichnung Gesamtkostenquote hält aber nicht ganz, was sie verspricht. Denn es gibt Kosten von Fonds, die nicht von der TER erfasst werden. Die kostenintensivsten Fonds sind nicht unbedingt jene mit der höchsten TER. Es gibt noch andere Kosten, die den Ausschlag geben können.

Umschichten kostet

Transaktionskosten fallen immer dann an, wenn im Fonds Wertschriften gekauft und verkauft werden. Je nachdem, wie häufig und in welchem Mass das Fondsvermögen umgeschichtet wird, sind die Transaktionskosten mehr oder weniger hoch. Die meisten Anbieter weisen die Transaktionskosten im Gegensatz zur TER nicht transparent aus. In aller Regel fallen sie allerdings nicht gross ins Gewicht. Bei manchen Angeboten wie den Vorsorgefonds der Credit Suisse sind die Transaktionskosten bereits in der Pauschalgebühr enthalten. Daneben sind bei verschiedenen Anbietern «Nebengebühren» für Konto- und Depotauszüge üblich.

Die Kosten für die Aufbewahrung der Fondswertschriften in einem entsprechenden Depot etwa sind zwar in der TER-Kennzahl enthalten. Aber Schweizer Depotbanken können dafür zusätzliche Gebühren verrechnen. So verlangt die Zürcher Kantonalbank Depotgebühren von 0,3 Prozent, Valiant je nach Fondsgrösse 0,3 bis 0,4 Prozent, Swiss Life (bzw. ihre Depotbank Lienhardt & Partner) 1 Prozent, die Luzerner Kantonalbank 0,22 Prozent und die Berner Kantonalbank 0,45 Prozent (mindestens aber 50 Franken). Andere Anbieter wie UBS, Credit Suisse oder PostFinance stellen dagegen keine zusätzlichen Depotgebühren in Rechnung.

Gesamtkostenwahrheit

Gar nicht enthalten in der TER sind Transaktionsgebühren sowie Gebühren, die von den Anbietern für Kauf und Verkauf ihrer Fonds verlangt werden.

Der Gesamtkostenvergleich unter Berücksichtigung aller relevanten Gebühren zeigt: Neben der TER sind vor allem Ausgabekommissionen sowie zusätzliche Depotgebühren entscheidend. Bei einem Vorsorgevermögen von 50000 Franken fallen je nach Anbieter und Vorsorgefonds innerhalb von zehn Jahren Gebühren zwischen 2000 und 9125 Franken an. Bei einem Vermögen von 100000 Franken über dieselbe Laufzeit sind die absoluten Unterschiede noch wesentlich grösser.

nch