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Aebi-Chef Fruithof: «Wir spüren, dass Trumps Infrastrukturprogramm eine positive Wirkung hat»

Der frühere Landwirt und CS-Spitzenbanker Barend Fruithof, 51, führt seit 2017 die Aebi-Schmidt-Industriegruppe.

Der frühere Landwirt und CS-Spitzenbanker Barend Fruithof, 51, führt seit 2017 die Aebi-Schmidt-Industriegruppe.

Barend Fruithof spricht im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» über seinen Wechsel vom Banking in die Industrie, selbstfahrende Mähmaschinen und die SVP.

Im Industriegebiet in Burgdorf BE befinden sich die Produktionshallen des Landmaschinenbauers Aebi. Hier werden Spezialfahrzeuge wie der Terratrac für die Berglandwirtschaft produziert. Zwischen zwei Präsentationen für Bauernvertreter aus Asien und Mittelamerika treffen wir den Chef der Aebi- Schmidt-Gruppe (ASH Group) zum Gespräch.

Herr Fruithof, vor eineinhalb Jahren wechselten Sie vom Finanzwesen in die Industrie. Wie viel Banker steckt noch in Ihnen?

Ich versuche natürlich, mein Banken-Know-how weiter einzusetzen. Gerade wenn es um Finanzierungsfragen geht wie kürzlich bei einer Firmenübernahme in den USA, kann ich meine Erfahrung nutzen. Aber 99 Prozent meiner Tätigkeit heute sind klar industriell.

Fühlen Sie sich als Industrieller?

Das fühlte ich mich schon ab dem ersten Tag. Doch um Industrieller zu werden, brauchte es doch ein wenig mehr: Man muss die Produkte und Prozesse à fond verstehen lernen. Das braucht Zeit. Die Zulieferkette richtig im Griff zu haben, ist eine grosse Herausforderung. Die Prozesse sind viel komplexer als in einer Bank.

Was sind sonst die wichtigsten Unterschiede zwischen Aebi Schmidt und einer Bank wie die Credit Suisse, wo Sie das Firmenkundengeschäft jahrelang geleitet haben?

Unsere Produkte haben einen viel längeren Lebenszyklus. Es dauert zwei Jahre oder noch länger, bis wir ein neues Produkt zur Marktreife bringen können. Ganz anders bei einer Bank: Ein Finanzderivat kann man am Computer innerhalb von Minuten kreieren und verkaufen. Das andere: Banken sind mit einer Flut von neuen Gesetzen konfrontiert, was ihnen das Leben schwermacht. In der Industrie gibt es zwar auch neue Regularien, doch diese sind eher ein Vorteil.

Wie meinen Sie das?

Zum Beispiel haben sich viele Städte zur CO2-Neutralität verpflichtet. Das steigert die Nachfrage nach Elektro-Kehrmaschinen. Das bietet für uns neue Geschäftsmöglichkeiten, da wir Fahrzeuge mit Elektroantrieb im Angebot haben.

Aebi Schmidt ist sehr breit aufgestellt und verkauft Landmaschinen für Bergbauern, Schneeräumungsgeräte für Flughäfen und Kehrmaschinen für Gemeinden. Wie passt das eigentlich zusammen?

Da gibt es schon Synergien. Als wir Aebi übernommen haben, hatte das Unternehmen bereits einige Kommunalfahrzeuge im Programm. Mit der Integration der deutschen Schmidt-Gruppe haben wir diesen Bereich vor ein paar Jahren massiv ausgebaut. Heute können wir zum Beispiel auf einen Aebi-Transporter einen Salzstreuer von Schmidt aufbauen. In Zukunft wollen wir hier noch stärker zusammenarbeiten. Synergien sehen wir auch in der Entwicklung von neuen Technologien wie dem autonomen Fahren. Wir haben bei Aebi mit Pilotversuchen für führerloses Mähen begonnen. Die Technologie werden wir in Zukunft auch bei Schmidt einsetzen.

Werden in Zukunft die Bergbauern nicht mehr mit ihrem roten Aebi-Einachsern Steilhänge mähen, sondern Robotermaschinen?

Technisch ist das schon heute möglich, wie wir in Pilotversuchen zeigen können. Doch juristisch ist vieles noch ungeklärt. Wie die grossen Autokonzerne führen auch wir derzeit Diskussionen zur Haftungsfrage bei Unfällen.

Hier in Burgdorf werden Landmaschinen und Lastwagen von Aebi montiert. Wie sicher sind diese Arbeitsplätze eigentlich?

Aebi hat eine Geschichte, die sehr stark mit diesem Standort verbunden ist. Die Montage von heute auf morgen in ein anderes Land zu verlegen, würden unsere Kunden nicht akzeptieren. Während der Eurokrise haben wir die Zulieferkette und damit die Herstellungskosten optimiert. Solange die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz gut sind und der Arbeitsmarkt flexibel bleibt, halten wir am Standort Burgdorf fest. Swissness ist für uns ein entscheidendes Verkaufsargument.

Sie bauen mit dem Terratrac eine High-end-Maschine, die extreme Steilhänge und Schieflagen befahren kann. Doch das Geschäft mit der Berglandwirtschaft hat es doch eher schwer. Ganze Talschaften sind vor dem Aussterben bedroht.

Die Bergbauern werden nie aussterben. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Richtig ist aber: Für die Berglandwirtschaft wird es immer wichtiger, noch effizienter zu wirtschaften. Ich glaube, dass wir mit unseren Produkten einen wichtigen Beitrag zur Effizienzsteigerung leisten. Aber weil die Landwirtschaft generell kein Wachstumsmarkt ist, versuchen wir, in andere Märkte vorzudringen. Heute sieht man den Terratrac auch im Kanton Zürich, wo er zum Mähen eines Schilfgebiets genutzt wird. Wir werden dieses Jahr 30 Terratracs in die USA verkaufen. Das sind immerhin acht Prozent der Produktion. Das Geschäft von Aebi wird globaler.

Im Sommer haben Sie einen Konkurrenten in den USA gekauft. Damit kommt Aebi Schmidt auf einen Umsatz von 500 Millionen Franken. Welche Pläne verfolgen Sie?

Im Airport-Geschäft sehen wir grosse Wachstumschancen und wollen zum globalen Leader werden. Erst letzte Woche gewannen wir den Auftrag, den neuen Flughafen in Peking mit Räumungsmaschinen auszurüsten. Im Wintergeschäft wollen wir die Nummer eins in Europa werden. Wir möchten unsere Position in Ländern ausbauen, wo es noch viel Schnee hat, etwa in Skandinavien, in Russland und den baltischen Staaten. Bei den Kehrmaschinen ist es unser Ziel, einerseits im sogenannten Compact-Sweeper-Bereich zuzulegen und andererseits unsere Putzfahrzeuge mit digitalen Funktionen zu erweitern und ihren elektrischen Antrieb zu fördern. Generell hat bei der Entwicklung das teilautonome beziehungsweise autonome Fahren Priorität.

Angesichts des Klimawandels wird die Nachfrage nach Schneeräumungsmaschinen eher zurückgehen. Bereitet das Ihnen Sorgen?

Natürlich macht uns das Sorgen. Wir gehen deshalb von einer Konsolidierung des Marktes aus, bei der wir uns aktiv mit Zukäufen beteiligen werden. Das ist auch der Grund, warum wir in den USA drei Firmen aufgekauft haben. Auf der anderen Seite muss man wissen, dass es doch immer wieder schneit, und dann braucht es eben unsere Fahrzeuge, um kritische Situationen zu vermeiden. Interessant ist, dass wir eine Verlagerung feststellen: Es gibt zwar weniger Schnee, aber dafür mehr Eisbildung, weil öfter Regen auf den Strassen gefriert. Die Nachfrage nach Salzstreuern ist nicht zurückgegangen.

Mehrheitsaktionär bei Aebi Schmidt ist Peter Spuhler. Sie selbst sind mit acht Prozent beteiligt. Wie nahe stehen sie sich?

Es ist kein Geheimnis, dass Peter Spuhler mich zu Aebi Schmidt geholt hat. Dass wir uns gut kennen, vereinfacht die Zusammenarbeit erheblich. Im Geschäftsalltag arbeiten wir sehr professionell zusammen. Mein Job ist es, die Firma erfolgreich zu führen, da gibt es klare Governance-Grundsätze. Wir haben einen hochprofessionellen Verwaltungsrat, der mir auf die Finger schaut und dem ich notabene nicht angehöre, obwohl ich Mitbesitzer bin.

Sie gelten als SVP-nahe. Sie sind mit Ueli Maurer per Du, kennen Walter Frey gut, sitzen im ZSC-Verwaltungsrat. Stehen Sie auch hinter den Positionen der Partei?

In den meisten Fragen ist das tatsächlich so. Ich bin aber kein SVP-Mitglied und habe auch nicht vor, in die Politik einzusteigen.

Was halten Sie von der Selbstbestimmungs-Initiative?

Ich habe mich noch nicht entschieden. Für mich ganz wichtig ist, dass wir die direkte Demokratie aufrechterhalten können, bei der das Volk das letzte Wort hat. Wichtig ist auch, dass wir dem Föderalismus und dem Subsidiaritätsprinzip Sorge tragen. Zum Erfolgskonzept der Schweiz gehört auch ein funktionierender Steuerwettbewerb. In Businessjargon würde man wohl sagen: Das sind die USP der Schweiz.

Sie starteten Ihre Bankerkarriere bei Raiffeisen. Sie wurden damals von Pierin Vincenz nach St. Gallen geholt. Was halten Sie von den Entwicklungen bei der Bank?

(Überlegt lange) Was geschehen ist, kann ich nicht im Detail beurteilen, ich bin seit über zehn Jahren dort weg. Ich habe Raiffeisen sehr viel zu verdanken. Auch Pierin Vincenz, der meine Karriere gefördert hat. Ich bin überzeugt, dass Raiffeisen mit seiner dezentralen Struktur mit über 250 unabhängigen Banken stark genug ist, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Hätte es Sie interessiert, Präsident von Raiffeisen zu werden?

Diese Frage stellte sich für mich gar nicht. Ich habe in die Industrie gewechselt und führe die Aebi-Schmidt-Gruppe mit grosser Begeisterung.

Zum Schluss nochmals in die USA. Wie beeinflusst die Politik von Donald Trump das Geschäftsumfeld?

Für uns sind die USA ein sehr wichtiges Land. Wir sind mit drei Firmen vor Ort, was bedeutet, dass wir uns mit dieser Politik arrangieren müssen. Hier in der Schweiz werden wir von der amerikanischen Botschaft in Bern gut betreut und bei Fragen unterstützt. Der US-Wirtschaft geht es zurzeit gut. Wir spüren, dass Trumps Infrastrukturprogramm eine positive Wirkung auf unser Geschäftsumfeld hat.

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Autor

Beat Schmid

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