Ansaldo

Alstom-Käufer legt guten Start hin – Grossauftrag aus Oman

Noch liefert GE die GT26-Gasturbinen für Ansaldo. Bald wollen die Italiener in Genua eigene fertigen.

Noch liefert GE die GT26-Gasturbinen für Ansaldo. Bald wollen die Italiener in Genua eigene fertigen.

Seit Ende Februar gibt es die Schweiz-Tochter der italienischen Ansaldo Energia und schon ist der erste Auftrag da. Turbinen für 600 Millionen Franken gehen in den Oman. Ein gutes Zeichen für die 420 Ex-Alstom-Mitarbeiter – und für den Standort Schweiz.

Eine neue Telefonnummer, neue E-Mail-Adressen und ein neues Firmenlogo. Dies, sagt Jürg Schmidli, seien die wahrnehmbaren Änderungen für die 420 Mitarbeiter aus Baden, die vor kurzem noch für Alstom arbeiteten und deren neuer Arbeitgeber nun Ansaldo Energia Switzerland heisst. «Der Lohn kommt neu von einer anderen Firma, der Inhalt der Arbeit bleibt gleich.»

Schmidli, aufgewachsen in Wettingen AG, wo er auch heute wohnhaft ist, leitet die neu geformte Schweiz-Tochter des italienischen Technologiekonzerns Ansaldo Energia. Diese existiert erst seit knapp vier Wochen – und hat bereits den ersten Mega-Deal abgeschlossen: acht Gasturbinen vom Typ GT26 gehen nach Oman. Zusammen mit einigen weiteren Kraftwerks-Komponenten aus dem italienischen Mutterhaus kommt der Auftrag auf einen Wert von rund 600 Millionen Schweizer Franken.

«Zwischen Frühjahr 2017 und Herbst desselben Jahres werden die Maschinen ausgeliefert», sagt Ansaldo-Schweiz-Präsident Schmidli. Aufgegleist wurde der Deal noch unter der früheren Eigentümerin Alstom. Für Schmidli ist der Auftrag eine «signifikante Bestellung» – die im Verhältnis immerhin fast die Hälfte des Gesamtumsatzes von Ansaldo aus dem vorvergangenen Jahr ausmachen würde.

Ein Deal für die Schweiz

Dass der Deal so schnell kam, wertet Schmidli als gutes Zeichen – sowohl für für den Konzern Ansaldo Energia als auch für den Standort Baden. Auch, dass die hiesige Tochterfirma die Abwicklung übernahm und nicht die Mutterfirma in Genua spreche für den Standort Schweiz.

Gefertigt werden die Turbinen indes noch vom US-Konzern General Electric (GE). Dieser hatte im vergangenen Herbst die Energiesparte von Alstom für knapp zehn Milliarden Euro gekauft – und im Januar angekündigt, 1300 Jobs in der Schweiz abzubauen. Die Aufsichtsbehörden winkten die Übernahme damals unter der Bedingung durch, dass die hoch entwickelten Gasturbinen von Alstom nicht an GE gehen, sondern an einen Dritten verkauft werden. Zum Zug kam Ansaldo.

In Genua will der Konzern die Grossturbinen bald selbst fertigen – und sie nicht mehr von GE liefern lassen. Dass dies während einer Übergangsphase überhaupt so geschieht, hat laut Schmidli ebenfalls mit den Auflagen der Aufsichtsbehörden zu tun: GE müsse einen reibungslosen Übergang gewährleisten. Wie lange diese Übergangsphase dauert, wollte Schmidli gegenüber der «Nordwestschweiz» nicht kommentieren.

Dass Ansaldo in Genua eine eigene Fertigung für die ehemaligen Alstom-Turbinen aufbaut, habe keinen Einfluss auf die Beschäftigten von Ansaldo in der Schweiz, versichert Schmidli. «Wir haben von Alstom keine Arbeitsplätze in der Fertigung übernommen.» In Baden beschäftige Ansaldo Mitarbeiter in den Bereichen Technologie- und der Produktentwicklung sowie Verkauf und Projektabwicklung. Ausserdem sei das Servicegeschäft für Gasturbinen dort angesiedelt. Letzteres könnte von dem Oman-Deal gleich doppelt profitieren: Zum einen weil der Auftrag den Standort Baden als solchen stärkt, zum anderen, weil die Wartung der Turbinen noch nicht vergeben ist: Dass Ansaldo Schweiz hier zum Zuge kommt, ist laut Schmidli sehr wahrscheinlich – man sei das einzige Unternehmen, das die Technologie und das Wissen zur Wartung der Turbinen besitzt. Hier seien nochmals Aufträge «in dreistelliger Millionenhöhe» zu vergeben.

Keine Jobgarantie

Mit einem Mythos, der sich recht hartnäckig um die Ansaldo-Übernahme hält, kann derweil aufgeräumt werden. Eine dreijährige Jobgarantie für die 420 Mitarbeiter, wie von vielen Medien kolportiert wird, gibt es laut gut informierten Kreisen nicht. So lange laufe lediglich der Mietvertrag für die Räumlichkeiten, die Ansaldo in Baden von Alstom übernommen hat. In drei Jahren würden diese abgerissen, weshalb sich das Unternehmen gar nicht länger dort einmieten könne. Dies stünde in keinerlei Zusammenhang mit den Arbeitsverträgen.

Jürg Schmidli wollte dies nicht kommentieren. Für ihn ist indes klar: «Wir setzen auf den Standort Schweiz.» Derzeit sei man daran, zusätzliche Stellen aufzubauen.

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