50 Jahre Mondlandung

Apollo 11 vor der Kamera - gefilmt mit Schweizer Objektiven

Edwin "Buzz" Aldrin und die US-Flagge auf dem Mond. Einige der Bilder der Mondlandung entstanden mit Hilfe von Objektiven der Firma Kern in Aarau. (Archivbild)

Edwin "Buzz" Aldrin und die US-Flagge auf dem Mond. Einige der Bilder der Mondlandung entstanden mit Hilfe von Objektiven der Firma Kern in Aarau. (Archivbild)

Die Filmaufnahmen von der Apollo-11-Mission lassen die Mondlandung auch heute noch fast greifbar wirken. Einige davon entstanden mit Hilfe von Objektiven der Firma Kern in Aarau.

Zwei Farbfilmkameras der Firma J. A. Maurer Inc. LIG NY hielten Teile der historischen Mission fest, die Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen auf die Mondoberfläche brachte. Bestückt waren die Kameras dabei mit Objektiven der ehemaligen Firma Kern & Co. AG in Aarau.

Als Armstrong und Aldrin am 20. Juli 1969 mit der Landefähre vom CSM im Mondorbit abkoppelten und zur Mondoberfläche abstiegen, filmte eine Maurer-Kamera mit Schweizer Objektiven das Manöver - ebenso ihre Rückkehr und das Wiederandocken der Landefähre "Eagle" am Command Service Module "Columbia".

Aufstellen der US-Flagge gefilmt

In der "Eagle" war eine zweite Kamera mit Objektiven der Firma Kern dabei, die das Landemanöver auf die Mondoberfläche über einen Spiegel filmte. Geschwenkt und ohne Spiegel nahm die Kamera dann die Aktivitäten der beiden Astronauten auf der Mondoberfläche auf Farbfilm auf: Unter anderem, wie Armstrong und Aldrin den Anruf von US-Präsident Nixon entgegennahmen und der US-Flagge salutierten.

Anders als die Schwarz-Weiss-Aufnahmen der Live-TV-Übertragung, die Millionen Menschen weltweit verfolgten, gelangten die belichteten Farbfilme erst mit der Apollo-11-Besatzung zur Erde zurück. Und nicht nur sie: Eigentlich hätte die Kamera aus der Mondfähre - und mit ihr ein Stück Schweizer Präzisionsarbeit - auf dem Erdtrabanten bleiben sollen, um das Gewicht für den Wiederaufstieg zu reduzieren. Doch es kam anders.

Neil Armstrong hatte die Kamera offenbar unerlaubterweise wieder mitgenommen. Nach seinem Tod fand seine Witwe Carol Armstrong im Februar 2015 die Kamera mit dem Objektiv der Firma Kern in einer Tasche zuhause in einem Kleiderschrank und übergab sie dem Smithsonian National Air and Space Museum.

In dessen Besitz befinden sich die Kameras der Apollo-Missionen heute - leider ohne Hinweis auf die Herkunft der Objektive, erzählt Aldo Lardelli von der Sammlung Kern im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Erfolgreiche Kameras

Dass eine Schweizer Firma die Objektive für einige Kameras lieferte, die bei den Apollo-Missionen 10 bis 17 dabei waren, war der Zusammenarbeit mit der Firma Paillard SA in Sainte-Croix VD und Yverdon VD zu verdanken. Die Kern-Objektive waren zentraler Bestandteil der 8- und 16-Millimeter-Kameras unter dem Namen Bolex, die auch auf dem amerikanischen Markt beachtlichen Erfolg hatten. Und die sich bis heute grosser Beliebtheit erfreuen, wie Lardelli zu berichten weiss.

Möglicherweise nahm die US-Raumfahrtbehörde Nasa aufgrund des Erfolgs der Bolex-Kameras im Jahr 1965 mit der Vertretung der Firma Paillard in Linden New Jersey Kontakt auf. Letztlich kamen jedoch nicht die Paillard-Kameras, sondern die beim US-Militär verbreiteten Maurer-Kameras mit einfacherer Handhabung zum Einsatz. Aber mit Kern-Objektiven, welche die Firma Paillard in Vertretung der Firma Kern vertrieb. 1968 und 1969 lieferte die Aarauer Firma 33 10-Millimeter-, 21 18-Millimeter- und ebenso viele 75-Millimeter-Objektive.

Der kleine, aber wichtige Beitrag der Firma Kern blieb jedoch unbekannt. Eine grosse Auftragswelle blieb aus. Sie schrieb aber mit ihren hochqualitativen optischen, feinmechanischen und elektronischen Instrumenten vor allem im Bereich der Vermessungstechnik ein bedeutendes Stück Schweizer Industriegeschichte.

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