Banken-App

Arabische Scheichs pumpen mehr als 50 Mio. Franken in Schweizer Firma dieses Unternehmers

Das Vertrauen von Ex-UBS-Chef Marcel Ospel konnte der Zuger Unternehmer Martin Saidler schon gewinnen. Seine Banking-App hat nun auch arabische Investoren überzeugt.

Der grosse Eingang und das Treppenhaus des Gewerbegebäudes im Industriequartier Wiedikon in Zürich wirken kahl und verlassen. Im dritten Stock verbirgt sich hinter einer rund 20 Meter langen undurchsichtigen Milchglas-Wand jedoch eine andere Welt. Hier hat sich auf mehr als 2000 Quadratmetern die FinTech Centralway Numbrs AG eingerichtet. Der luxuriöse Empfangsraum, der sanft mit Jazz-Musik beschallt wird, erinnert an eine Lobby eines Boutique-Hotels, und die rundum schwarzen Wände lassen die vielen Türen optisch verschwinden. Hier wurden nur edelste Materialien verarbeitet.

Im Aufenthaltsraum spielen Mitarbeiter um 15 Uhr Billard oder Tischfussball und andere trainieren nur wenige Räume nebenan, im firmeneigenen Fitnessclub. Dass aber trotz der scheinbar lockeren Luxus- und Wohlfühlatmosphäre absolute Disziplin im Unternehmen herrscht, verdeutlicht eine Tatsache aus den Anfangsjahren des Unternehmens: Wer in der Vergangenheit an seinem Arbeitstisch rund um den riesigen Mac-Bildschirm Unordnung hatte, wurde mit einer Geldbusse bestraft.

«Wir fordern Schweizer Präzision»

Bei den rund 150 mehrheitlich jungen Programmierern, die aus über 30 verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen stammen, sei das damals nötig gewesen, sagt Firmen-Mitgründer Severin Jan Rüegger während seiner Führung durch die Räume. «Und wir arbeiten ja hier schliesslich mit äusserst sensiblen Daten, da muss einfach fast schon militärische Ordnung herrschen. Wir fordern Schweizer Präzision.»

Firmengründer und Hauptaktionär Martin Saidler, gebürtiger Wiener und seit einigen Jahren Schweizer Staatsbürger, mag selber keine Zwänge: «Freiheit bedeutet mir alles, und darum bin ich auch schon sehr jung während meines Publizistik- und Politologiestudiums Unternehmer geworden», sagt er und setzt sich in einen Sessel am riesigen Holztisch im Sitzungszimmer. Erst vor kurzem noch sassen hier um CEO Saidler und sein Team Entscheidungsträger des Staatsfonds von Dubai. Mehrmals reiste die arabische Delegation nach Zürich, um das Schweizer Unternehmen – welches bisher ausschliesslich in Deutschland und mit einer Testversion in England eine Banking-App anbietet, mit der Nutzer ihre Bankkonten verwalten können – auf Herz und Nieren zu prüfen. Die Scheichs sind überzeugt von der Zukunft der Schweizer App und investieren nun mehr als 50 Millionen Franken in das Unternehmen. Eine solche Kapitalspritze ist laut Saidler «eine kleine Sensation»: «Als einziges FinTech-Unternehmen weltweit konnten wir die Investment Corporation of Dubai für unsere Idee gewinnen – dies ist eine der grössten Finanzierungsrunden überhaupt.»

Der Staatsfonds von Dubai ist der erste und einzige institutionelle Investor des Unternehmens. Bisher stützte es sich allein auf eine Gruppe aus 46 Familien- und Privatinvestoren. Zu ihnen zählen der 67-jährige Ex-UBS-Chef Marcel Ospel, der 69-jährige Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann oder die Bankiersfamilie Pierre Mirabaud.

«Bilanz»: umstrittener und vollmundiger Unternehmer

Erst kürzlich wurde Martin Saidler im Wirtschaftsmagazin «Bilanz» als umstrittener und vollmundiger Unternehmer dargestellt: Der 48-Jährige wolle den Eindruck erwecken, er sei grösser, als er effektiv ist, hiess es. Weh tue ihm solche Kritik nicht, sagt er im Gespräch mit der «Schweiz am Wochenende». Es sei schlichtweg unnötig und nicht nachvollziehbar. «Wir bieten unsere App noch nicht einmal in der Schweiz an, schaffen hier viele Arbeitsplätze, bezahlen Steuern und bauen von Zürich aus ein internationales Unternehmen. Das Bashing ist unnötig.»

In der Schweiz will Saidler die Banken-App erst lancieren, wenn der Einstieg in die grossen europäischen Märkte gelungen ist.

Weitere Investments gesucht

Fakt ist, dass der Self-Made-Multimillionär, dessen Grossmutter aus Lausanne, die Mutter aus der ehemaligen Tschechoslowakei und der Vater aus Wien stammt, einiges vorzuweisen hat: So gründete er 1997 in Berlin Jobinteractive.com, das er zu einem der führenden Online-Jobportale in Deutschland ausbaute. 1999 verkaufte Martin Saidler das Jobportal an die Beisheim Holding, die Beteiligungsgesellschaft des mittlerweile verstorbenen Metro-Gründers Otto Beisheim.

Während Jobinteractive.com mit einem weiteren Jobportal zu JobScout24 verschmolzen wurde, machte die Beisheim Holding Saidler zum Chefvisionär für seine mehreren Dutzend Beteiligungen. Geld sei ihm nicht wichtig, «es sind die Freiheit, die innere Zufriedenheit und Gesundheit, die im Vordergrund stehen», sagt Saidler, der stets Ausschau nach guten Investitionsmöglichkeiten im Internet-Bereich hält. Kraft und Ruhe sucht der ehemalige katholische Ministrant im Glauben und in der Kunst. «Zudem bin ich ein totaler Familienmensch und geniesse unsere grosse Familie sehr.» Aus erster Ehe hat Martin Saidler ein Kind. Mit seiner Frau, die ebenfalls in der Firma arbeitet, wohnt er in Zug. «Die Schweiz ist einfach ein wundervolles Land mit sehr vielen Vorzügen.»

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