WEF 2019

Auf ein Selfie mit WEF-Soldaten: Verteidigungsministerin Amherd trifft erstmals auf «ihre» Armee

Trotz straffem Programm nimmt Amherd sich Zeit für ein Selfie. ENNIO LEANZA/keystone

Trotz straffem Programm nimmt Amherd sich Zeit für ein Selfie. ENNIO LEANZA/keystone

In Davos stattete Viola Amherd den Armeeangehörigen erstmals einen Besuch ab. Man merkt: Das alles ist neu für die Verteidigungsministerin, die erste Frau in diesem Amt ohne Militärerfahrung.

Viola Amherd reist im Armeehelikopter an, mit Verspätung zwar, aber trotzdem so früh am Morgen, dass es noch immer bitterkalt ist in Davos. Dementsprechend ist die neue Verteidigungsministerin gekleidet: Sie trägt eine dicke Jacke und warme Schuhe. Anders als einige ihrer Bundesratskollegen nimmt Amherd nämlich nicht am WEF selbst teil, sondern geht aufs Feld. Sie besuchte gestern die Soldaten, die in diesen Tagen in Davos im Einsatz sind.

Es ist Amherds erster Truppenbesuch, seit sie ihr Amt Anfang des Jahres von Guy Parmelin übernommen hat. Wie viele Soldaten genau in den Bündner Bergen stationiert sind, ist geheim. Bekannt ist nur, dass für den Schutz des WEF maximal 5000 Armeeangehörige eingesetzt werden dürfen.

Ein Highlight für die Soldaten

Der erste Stopp auf ihrer Tour führt Amherd in einen Wald, in dem Truppen der Gebirgsinfanterie stationiert sind. Dort bewacht die Armee im Auftrag der Kantonspolizei Graubünden ein «schützenswertes Objekt», wie Sprecher Jürg Nussbaum sagt. Dabei handelt es sich um einen Strommast, über den Davos mit Strom versorgt wird.

Das Gelände ist umzäunt, die Soldaten haben ihre Sturmgewehre umgehängt, die Magazine sind mit Patronen gefüllt. Als Amherd ankommt, begrüsst sie die Soldatinnen und Soldaten, schüttelt Hände. Neben ihr geht Aldo C. Schellenberg, Chef Operationen der Armee. Die Verteidigungsministerin lässt sich den Standort zeigen, stellt Fragen. Sie will wissen, wie der Einsatz läuft, wie lang die Schichten dauern, wie sie verpflegt werden.

Man merkt: Das alles ist neu für die Verteidigungsministerin, die erste Frau in diesem Amt ohne Militärerfahrung. Das sagt Amherd auch selber: «Ich kenne diese Welt nicht.» Darum will sie sich nun erst einmal Zeit nehmen, um sich in die Dossiers einzuarbeiten. «Ich lerne jeden Tag neue Projekte und neue Leute kennen», sagt sie.

Amherds Programm während des Truppenbesuchs ist straff. Für ein Selfie mit der Wache nimmt sie sich aber trotzdem Zeit. Die Bundesrätin hebt das Handy eines Soldaten in die Höhe, lächelt in die Kamera, drückt ab. Es sei ein besonderes Highlight für ihn und seine Truppe, dass Amherd zu Besuch komme, sagt der Kompaniekommandant.

Dann geht es mit dem Auto weiter zu einer Fliegerabwehr-Stellung. Der Luftraum über Davos ist während des WEF gesperrt und wird streng überwacht. Auch hier stehen hohe Zäune, die Journalisten dürfen die Verteidigungsministerin nicht aufs Gelände begleiten. «Zu sensibel», sagt ein Armeeverantwortlicher. Amherd gibt sich danach beeindruckt. «Es macht mir Freude zu sehen, wie engagiert und professionell alle sind», sagt sie. «Ich finde es spannend, die Truppen im Einsatz zu sehen – gerade hier am WEF, einem der Aushängeschilder der Schweiz.»

Viel war nach der grossen Rochade im Bundesrat im Dezember die Rede davon, wie unbeliebt das VBS sei, der «Tages-Anzeiger» nannte es ein «Departement zum Davonlaufen». Davon will Amherd aber nichts wissen: «Ich bin nicht unglücklich, es ist ein interessantes Departement mit spannenden Projekten», sagt sie – und zählt die Totalrevision des Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetzes auf sowie das Projekt Air2030, also die Erneuerung der Luftverteidigung. Dazu gehört auch die Beschaffung neuer Kampfjets.

Am Nachmittag fliegt Amherd wieder zurück nach Bern. Dort wartet viel Arbeit auf die neue Verteidigungsministerin.

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