Energie
Axpo blickt gespannt auf Entscheid im Gas-Poker: TAP oder NAbucco?

Bis Ende Monat soll der Entscheid fallen, welche Pipeline gebaut wird, um aserbaidschanisches Gas nach Europa zu pumpen. Für den an der TAP beteiligten Schweizer Energiekonzern Axpo steht viel auf dem Spiel.

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Arbeiter bei Ölpipelines (Symbolbild)

Arbeiter bei Ölpipelines (Symbolbild)

Keystone

Bereits klar ist, dass die Trans Adriatic Pipeline (TAP) teurer und später in Betrieb gehen würde als ursprünglich geplant. Einst sollte sie im Jahr 2010 fertig gebaut sein. Nach mehreren Projektänderungen solle nun 2019 erstmals Gas durch die TAP fliessen, sagt Markus Brokhof, der bei Axpo für das Gasgeschäft verantwortlich ist.

Die TAP soll dann das Gas aus Aserbaidschan ab der türkischen Grenze durch Griechenland und Albanien durch die Adria an die italienische Küste transportieren. Dort soll die insgesamt 880 Kilometer lange TAP ans italienische Gas-Hochdrucknetz andocken, das bis zur Schweizer Transitgas-Leitung reicht.

Die bislang für das Investitionsvolumen genannte Zahl von 1,5 Mrd. Euro "wird höher ausfallen". Alleine die Verlängerung der Pipeline von Thessaloniki an die türkische Grenze um rund 300 Kilometer koste 400 Mio. bis 500 Mio. Euro zusätzlich, sagte Brokhof. Einen neuen Gesamtbetrag wollte er an einem Gespräch mit Journalisten in Zürich jedoch nicht nennen.

Nabucco West länger und teurer

Das bereits arg gestutzte Konkurrenzprojekt Nabucco West würde ab der Türkei durch Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich zum einem Gasleitungsknotenpunkt in der Nähe von Wien führen. Diese Pipeline würde mit gut 1300 km deutlich länger als die TAP, benötigt aber keine teure Verlegung im Meer.

Dennoch dürfte Nabucco West deutlich teurer werden als die TAP. EU-Energiekommissar Günther Oettinger sprach im Mai 2011 von 12 Mrd. bis 15 Mrd. Euro. Das Nabucco-Konsortium bezeichnete diese Zahlen als Spekulation.

Gas-Poker

"Wir wollen unser Gas nach Europa bringen und damit Geld machen", erklärte Aserbaidschans Energieminister Natig Alijev kürzlich in Wien. Die Entscheidung zwischen der TAP und Nabucco West werde bis Ende Juni getroffen, zitierte ihn die Nachrichtenagentur APA. Im Vordergrund stünden der Preis, die Höhe der Investitionen und welche Route billiger sei sowie die Frage der Entkoppelung des Gasverkaufspreises vom Ölpreis.

Das Konsortium, welches das Gasfeld Shah Deniz II vor der Küste Aserbaidschans im Kaspischen Meer erschliesst, verhandelt mit der TAP und parallel auch mit den Initianten von Nabucco West. Es verfügt über Optionen für einen Einstieg bei beiden Pipeline-Gesellschaften, was eine Beteiligung an den Investitionskosten umfassen würde.

An der TAP halten die Axpo und Statoil (die auch an Shah Deniz II beteiligt ist) derzeit je 42,5 Prozent. Die restlichen 15 Prozent gehören der deutschen E.ON Ruhrgas.

Am Shah-Deniz-II-Konsortium sind die Energieriesen BP und Statoil mit je 25,5 Prozent federführend beteiligt, während die aserbaidschanische staatliche Öl- und Gasgesellschaft Socar, die französische Total, die russische Lukoil und die iranische Ölgesellschaft NICO je 10 Prozent besitzen. Die türkische Ölgesellschaft TPAO ist mit 9 Prozent beteiligt.

Axpo tritt kürzer

Gleichzeitig will das TAP-Starttrio Energiekonzerne aus dem Shah-Deniz-II-Konsortium ins Boot zu holen. Im August 2012 haben die bisherigen TAP-Eigner mit dem Shah-Deniz-II-Konsortium vereinbart, dass deren Partner BP, Socar und Total bis zu 50 Prozent der Aktien an der TAP übernehmen können.

Damit würde der Anteil der Axpo auf 15 Prozent sinken. Dies ist die Anteilsreduktion, von der die Axpo bis diesen Herbst ausgeht. "Gleichzeitig finden aber auch Gespräche mit anderen Interessenten statt", sagte Brokhof.

Fällt der vorläufige Bauentscheid Ende Monat für Nabucco West, würde sich die Axpo von der TAP verabschieden. Damit müsste das Unternehmen die geleisteten Vorinvestitionen abschreiben, welche sich laut Geschäftsbericht 2011/12 (per Ende September) auf 81,9 Mio. Fr. beliefen.

Iran-Vertrag auf Eis

Mit ihrem Einstieg im Jahr 2008 bei der TAP hoffte die Axpo, wie andere Schweizer Energieunternehmen, auf gute Geschäfte in Italien. Das Land verzichtet auf Atomkraftwerke und ist auf Stromimporte angewiesen.

Die Axpo betreibt inzwischen drei Gaskraftwerke in Italien. Die Wirtschaftskrise in Italien lastet aber auf der Nachfrage und deutsche Subventionen für erneuerbare Energien drücken die europäischen Strompreise. So liefen die Gaskraftwerke zuletzt statt während möglichen 5000 Stunden nur während 2000 Stunden pro Jahr.

Axpo-Manager Brokhof sieht aber mittelfristig steigenden Gasimportbedarf für Europa, selbst wenn die die Nachfrage sinken würde. Denn die lokale Gasproduktion schwinde. Kein Thema ist im Moment der Import von iranischem Gas durch die TAP. Der 2008 ausgehandelte Liefervertrag ist auf Druck der internationalen Sanktionen sistiert.