Bäcker- und Metzger-Lehrlinge sind rar

Vor einer Woche haben im Kanton Aargau knapp 7000 Lernende ihre Lehre begonnen. Berufe im Gewerbebereich sowie in der Bau- und Lebensmittelbranche haben es schwer, Lehrlinge zu finden, bei Metzgern und Bäckern blieben dieses Jahr Lehrstellen offen.

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«Man muss auch Kopfrechnen können»

«Man muss auch Kopfrechnen können»

Martin Rupf

Morgens um drei aufstehen und in der Backstube die ersten Gipfeli backen: Für immer weniger Junge ist das ein Traumberuf. In den letzten Jahren sei die Zahl der Bäcker-Lehrlinge stetig zurückgegangen, sagt Peter Studler, Verantwortlicher für die Lehrlingsausbildung beim Aargauer Bäcker-Konditorenmeisterverband.

Das liege aber auch daran, dass es immer weniger Bäckereien gebe. «Früher gab es im Aargau rund 150 Bäckereien, heute sind es noch etwa 80. Dieses Jahr haben im Kanton Aargau 62 Lernende eine Bäckerlehre in Angriff genommen, vor drei Jahren waren es noch 73.» Studler ist sich bewusst, dass die Arbeitszeiten eines Bäckers nicht jedermanns Sache sind. «Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass sich Lernende ziemlich schnell an diesen Rhythmus gewöhnen.» Als Hauptgrund für den Rückgang der Lernenden sieht Studler das erhöhte Anforderungsprofil.

Ansehen der Bäcker ist gestiegen

«Früher waren rund 50 Prozent der Lehrlinge Realschulabgänger, heute ist der Anteil bedeutend kleiner.» Studler begrüsst diese Entwicklung, denn sie führe zu einer Qualitätssteigerung und somit auch zu einem besseren Ansehen des Bäckerberufes. «Unser Beruf ist vielfältig, attraktiv und herausfordernd. Er bietet eine gute Grundausbildung für die spätere Weiterbildung in der Lebensmittelbranche», sagt Studler, der 1994 in Paris den Bäcker-Weltmeistertitel holte.

Ebenfalls mit Nachwuchsproblemen kämpfen die Metzger. 16 Lehrlinge haben im Aargau dieses Jahr die dreijährige Lehre als Fleischfachfrau/-mann begonnen. «Das sind knapp 20 Prozent weniger als in früheren Jahren», sagt Josef Sax, Lehrlingsobmann des Aargauer Metzgereiverbandes. Dass Metzger Schwierigkeiten hätten, Nachwuchs zu rekrutieren, sei aber nichts Neues: «Das gab es schon, als ich vor rund 30 Jahren, die Metzgerlehre gemacht habe.»

Nach Lehre ins Ingenieurstudium

«Das Niveau der Lehranfänger sinkt seit einigen Jahren merklich, was darauf zurückzuführen ist, dass der Beruf ziemlich am Schluss der Wunschliste figuriert», sagt Sax. Dabei biete der Metzgerberuf einige Möglichkeiten: «Lernende können während oder nach der Lehre die Berufsmatur absolvieren, was weitere Perspektiven wie etwa ein Lebensmittelingenieurstudium ermöglicht. Eine weitere Möglichkeit ist die Meisterprüfung», erklärt Josef Sax.

Für schwächere Lehrlinge biete sich die zweijährige Lehre als Fleischfachassistent an, bei der Lehrlinge schulisch entlastet werden. Denn oft fehle den Schülern heute das Rüstzeug für eine Metzgerlehre. «Es ist leider so, dass ein mittelmässiger Sek-Schüler ungefähr den Wissensstand eines früheren Real-Schülers aufweist», sagt Markus Bolliger, Präsident des Aargauer Metzgereiverbandes.

Gewerbe, Bau- und Lebensmittelbranche hat es schwer

Seit Jahren hätten es Berufe im Gewerbebereich sowie in der Bau- und Lebensmittelbranche schwer, genügend Lernende zu finden, sagt Thomas Eichenberger von den Beratungsdiensten für Ausbildung und Beruf Aargau. «Gerade Berufe wie Bäcker oder Fleischfachfrau/-mann leiden darunter, dass das Kleingewerbliche immer mehr verschwindet und in Grossbetrieben aufgeht.»

Eichenberger ortet ein grosses Problem in der sich öffnenden Schere zwischen den Anforderungen an die Lernenden und deren Leistungsvermögen. «Jugendliche mit schulischen oder sozialen Defiziten haben es nach wie vor sehr schwer, eine für sie geeignete Lehrstelle zu finden.»

Keine Nachwuchsprobleme kennen in der Regel die Landwirte. «Wir sind sehr zufrieden mit der aktuellen Lehrlingssituation», sagt Hansruedi Häfliger, Leiter der Grundausbildung im landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen. Seit dem Tiefpunkt 2006 habe die Anzahl Lernende stetig zugenommen. Dieses Jahr sind es 63 Lernende im Aargau.