Kommentar

Bei ABB ist der ständige Umbau zum Dauerzustand geworden

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Der neue Chef des Industriekonzerns soll den einzelnen Sparten die nötige Freiheit lassen. Doch die grossen Aktionäre verstehen darunter etwas anderes: Die Sparten sollen falls nötig möglichst rasch verkauft werden können.

Dezentralisierung und «Empowerment» sind die Schlagwörter der Stunde bei ABB. Das englische Modewort kann am ehesten mit «Befähigung» übersetzt werden. Präsident Peter Voser beschreibt damit den neuen Chef. Es seien genau diese Fähigkeit von Björn Rosengren, die der Industriekonzern nun brauche. Dem früheren Chef, seien diese Fähigkeiten abgegangen, ist im Umfeld von ABB zu hören. Ulrich Spiesshofer habe den Spartenchefs nicht die nötige Freiheit gelassen. Er habe sich in Kleinigkeiten eingemischt, sei ein Mikromanager gewesen.

Das ist die Story, die ABB sich selbst und der Aussenwelt erzählt. Die verbliebenen Sparten müssen richtig geführt sein, also dezentralisiert und befähigt werden. Dann klappt das mit dem Umsatzwachstum, auf das ABB schon lange wartet. Diese Story klingt arg simpel. Sie wird nun einem Härtetest unterzogen, wenn die globale Konjunktur sich tatsächlich abkühlt. Und die Grossaktionäre verstehen unter «Dezentralisierung» und «Empowerment» ohnehin etwas anderes.

Sie meinen damit die «Befreiung» der einzelnen ABB-Sparten von der Konzernzentrale, damit sie einfacher verkauft werden können. Immer dann, wenn es die Steigerung des Aktienkurses erfordert. So wollen es die Grossaktionäre von ABB. So macht es Industriegigant Siemens vor. Und so hat es Rosengren auf seinen früheren Stationen gemacht. Der Umbau ist für ABB zum Dauerzustand geworden.

niklaus.vontobel@chmedia.ch

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