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Bei Denner bestimmt jetzt der Kunde per Mausklick den Preis

Denner gibt den Kunden die Möglichkeit, per Mausklick den Preis einiger Produkte zu senken. Nescafé, Heineken Dosen-Bier und spanischer Wein werden so günstiger. Denner erhofft sich neuen Schwung für Social-Media-Plattformen wie Facebook.

Thomas Schlittler
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Marketing und Verkauf übers Internet: Längst nicht jede Idee ist ein Volltreffer. Quelle: Shutterstock

Marketing und Verkauf übers Internet: Längst nicht jede Idee ist ein Volltreffer. Quelle: Shutterstock

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«Der Kunde bestimmt den Preis.» Mit diesem Versprechen versucht Denner im Internet, die Gunst der Konsumenten für sich zu gewinnen.

Während einer Woche kann die Internetgemeinde bei drei Produkten aus dem Denner-Sortiment den Preis für die Folgewoche senken.

In der ersten Woche stellen sich eine Packung Nescafé Gold, 24 Halbliter-Dosen Heineken-Bier und ein spanischer Wein dem Preisvoting der Konsumenten. Mit jedem Klick sinkt der Preis – allerdings ist die Preisreduktion begrenzt: «Wir dürfen nicht unter den Einstandspreis gehen», sagt Denner-Sprecherin Paloma Martino.

Der Discounter lanciert die Aktion nicht aus Nächstenliebe. Denner erhofft sich neuen Schwung für Social-Media-Plattformen wie Facebook: «Weil jeder Kunde nur einmal abstimmen kann, muss er die Aktion mit Freunden und Bekannten teilen, um weitere Teilnehmer zu mobilisieren», so Martino.

Denn je mehr Leute abstimmen, desto günstiger wird der Artikel. Das Unternehmen ist überzeugt, dass die Aktion erfolgreich sein wird: «Weil jeder selber etwas bewirken kann, erhoffen wir uns eine hohe Teilnahme.»

Geringer Eigennutzen bemängelt

Online-Marketing-Experten sind weniger euphorisch: «Ich glaube nicht, dass die Aktion grosse virale Effekte auslösen wird», sagt Jörg Eugster, Dozent an verschiedenen Fachhochschulen. Von viralen Effekten spricht man, wenn Informationen über ein Produkt oder eine Dienstleistung innerhalb kürzester Zeit – ähnlich einem biologischen Virus – von Mensch zu Mensch weitergetragen werden.

Eugster begründet seine Skepsis mit dem in Aussicht gestellten Nutzen: «Die Erfahrung zeigt, dass virale Effekte ausbleiben, wenn der Eigennutzen für die Konsumenten zu klein ist.»

Bei einem Discount von wenigen Franken sei das wahrscheinlich der Fall. Als Kampagne findet Eugster die Idee trotzdem originell: «Die Aktion erzeugt sicher mindestens so viel Aufmerksamkeit wie eine Werbekampagne auf Plakatwänden.»

Simon Künzler führt das Online-Marketing-Unternehmen Xeit. Auch er attestiert Denner einen interessanten Ansatz mit einem guten Mechanismus, um neue E-Mail-Adressen zu gewinnen.

Er bemängelt aber ebenfalls die fehlende Viralität: «Die Teilnahme eines Users findet keine Verbreitung über Social Media.» Zudem kommt Künzler die Kampagne bekannt vor: LeShop, eine andere Migros-Tochter, habe das vor ein paar Jahren via Facebook App auch schon gemacht.

Des Weiteren bezweifelt Künzler den Kundennutzen: «Es stellt sich die Frage, ob diese Aktionen nicht sowieso schon geplant gewesen waren.» Früher habe man solche Aktionen tendenziell dem Viralen Marketing zugeordnet. «Heute nennt sich alles ein bisschen sozial», so der Experte.

Social-Media-Kanäle eignen sich grundsätzlich als Markentinginstrument – als Verkaufskanal konnten sie sich in der Schweiz bisher aber überhaupt nicht etablieren.

Eine Studie von Pricewaterhousecoopers (PWC) zeigt, dass 24 Prozent der Befragten zwar einmal pro Woche im Web einkaufen, in der Regel aber in herkömmlichen Online-Shops. Nur gerade fünf Prozent bestellen über Social-Media-Seiten, so die Studie.

Hier gehts zur Preis-Bestimmung einzelner Produkte

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