Expansion
Berliner Burger-Kette kommt in die Schweiz – und ist damit nicht allein

«Shiso Burger» aus Deutschland will mit asiatischen Burger-Rezepturen den hiesigen Markt erobern. Genauso wie eine französische Thaifood-Kette, die 20 Filialen plant. Das ist auch ein Angriff auf die Migros.

Benjamin Weinmann
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Burger mit asiatischem Twist: Shiso Burger plant in der Schweiz bis zu zehn Filialen.

Burger mit asiatischem Twist: Shiso Burger plant in der Schweiz bis zu zehn Filialen.

zvg

Schweizweit sind die Restaurants zu. Doch der Expansionshunger ist bei manchen Firmen dennoch gross. So schicken sich derzeit gleich zwei ausländische Gastrofirmen an, die Schweiz zu erobern. Eine stammt aus Deutschland, die andere aus Frankreich. Beide setzen jedoch auf die asiatische Küche.

In den Startlöchern ist Shiso Burger. Die Kette setzt auf eine Verschmelzung der asiatischen Küche mit klassischen US-Burgern. Die Burger haben zum Beispiel ein Thunfisch- statt Rindsplätzchen, Teriyaki-Sauce oder koreanisches Chili. Und nebst Pommes-Frites gibt es auch Edamame-Bohnen und Kim Chi als Beilage.

Bereits Anfang März soll das erste Restaurant in Genf eröffnet werden. Dies könne sich aber je nach Lockdown-Regeln noch ändern, sagt eine Sprecherin. Shiso Burger wurde 2013 in Deutschland von den beiden Unternehmern Than Tam Nguyen und Khai Hien Tien gegründet, die beide in Vietnam geboren wurden und seit mehreren Jahren in Berlin leben.

Expansion nach Portugal und Saudi-Arabien

Inzwischen gibt es sieben Shiso-Burger-Filialen in Deutschland und Frankreich. Noch dieses Jahr sind laut der Sprecherin weitere Eröffnungen in Portugal und Saudi-Arabien geplant. Und auch für London sei ein Vertrag unterzeichnet.

Und wie gross schätzen die Berliner das Potenzial in der Schweiz ein? «Wenn unser Konzept funktioniert, wären fünf bis zehn Filialen in der Schweiz möglich», sagt die Sprecherin. Als nächstes wolle man auch in Zürich und Basel präsent sein. Bei der Expansion setzt Shiso Burger auf das so genannte Franchise-Modell, bei dem Partner den Betrieb übernehmen und eine Lizenzgebühr an die Gründer bezahlen.

Doch wie wagemutig ist eine Restaurantexpansion in diesen unsicheren Zeiten? Kommt hinzu, dass zahlreiche andere Burger-Ketten wie Holy Cow, Five Guys oder The Butcher die Schweiz erobern möchten. Die Sprecherin von Shiso Burger verweist darauf, dass gerade Burger-Restaurants vergleichsweise gut durch die Krise kommen dank des überdurchschnittlich hohen Take-Away-Anteils. Zudem gelte es, sich von der Konkurrenz abzuheben.

Grossangriff von französischer Thai-Kette

Shiso Burger ist nicht allein. Ebenfalls in Genf wagt die Kette Pitaya mit thailändischen Gerichten den Schweizer Markteintritt, und zwar praktisch vis-à-vis vom ersten Shiso-Burger-Restaurant neben der Rhone. Gemäss eines französischen Branchenberichts sind in der Schweiz rund 20 Standorte geplant.

Die hohen Ambitionen widerspiegeln die bisherige Entwicklung der Firma: 2010 in Bordeaux gegründet, bringt es Pitaya in Frankreich bereits auf über 100 Filialen. Ende 2021 sollen es doppelt so viele sein, unter anderem dank eines kürzlich unterzeichneten Franchise-Vertrags für 100 neue Restaurants in den Benelux-Ländern und Eröffnungen in anderen Märkten.

Der Pitaya-Angriff muss der Migros-Genossenschaft Zürich zu Denken geben. Diese ist seit einigen Jahren hierzulande Inhaberin und Betreiberin der Münchner Kaimug-Restaurants und Take-Away-Filialen, die ebenfalls auf die thailändische Küche setzt. Aktuell gibt es im Kanton Zürich 10 Filialen.

Viele neue Gastro-Betriebe trotzen der Krise

Der Gastro-Experte Peter Herzog ist nicht überrascht, dass es trotz Corona ausländische Ketten gibt, die den Vorstoss hierzulande wagen: «Solche Entscheide reifen über Jahre hinweg, nicht innerhalb von ein paar Monaten.» Zudem könnten die Restaurantbetreiber zurzeit aufgrund der unsicheren Lage bei den Vermietern Rabatte aushandeln.

Dass sowohl Pitaya als auch Shiso Burger die UNO-Stadt Genf als Start-Destination gewählt haben, erachtet Herzog als Zufall. «Klar, in Genf ist die Kundschaft international, aber das ist sie in Basel, Bern und Zürich auch. In diesen Städten muss man als Kette präsent sein.»

Tatsächlich gibt es viele Unternehmer, die in der aktuellen Pandemie ihr Glück versuchen. Wie die «Basler Zeitung» kürzlich berichtete, wurden 2020 trotz Corona-Krise 74 neue Gastro-Betriebe gegründet. Konkurs gingen nur 18.