Wirtschaft

Bernhard Alpstaegs Swisspor-Gruppe holt Schweizer Traditionsfirma ZZ Wancor zurück

Swisspor-Inhaber Bernhard Alpstaeg vor dem Unternehmenshauptsitz in Steinhausen.

Swisspor-Inhaber Bernhard Alpstaeg vor dem Unternehmenshauptsitz in Steinhausen.

Swisspor-Inhaber Bernhard Alpstaeg kauft mitten in der Krise hinzu – und plant weitere Millioneninvestitionen.

Es handle sich ganz bewusst um einen Deal, der dem Zeitgeist zuwiderlaufe, sagte Bernhard Alpstaeg gestern Mittag nach Bekanntwerden des jüngsten Firmenkaufs durch seine Swisspor. Wenige Stunden zuvor hatte der Patron des in Steinhausen beheimateten Familienunternehmens und Mehrheitsaktionär des FC Luzern die ZZ Wancor AG von der österreichischen Wienerberger-Gruppe erworben. «Ich wollte die ZZ Wancor unbedingt haben. Mit ihr bringen wir ein heimisches Traditionsunternehmen mit einer 155-jährigen Geschichte zurück in die Schweiz», sagte Alpstaeg an einem extra anberaumten Medienanlass in Zürich.

ZZ Wancor beschäftigt in der Schweiz 166 Mitarbeitende und betreibt zwei Dachziegelwerke sowie ein Backsteinwerk. Die im zürcherischen Regensdorf domizilierte Firma, die Anfang der Nullerjahre von der Wienerberger-Gruppe aufgekauft wurde und somit in ausländische Hände geriet, ist im Bereich Gebäudehüllen tätig und gilt heute als einer der wichtigsten Schweizer Lieferanten für grobkeramische Baustoffe. 2019 generierte sie nach eigenen Angaben einen Umsatz von 56 Millionen Franken.

Hohe Investitionen in der Zentralschweiz geplant

Die auf die Dämmung und Dichtung von Gebäudehüllen spezialisierte Swisspor-Gruppe mit 3200 Mitarbeitenden wird gemäss Ausführungen von Inhaber Alpstaeg die gesamte Belegschaft von ZZ Wancor sowie alle drei Standorte in den Kantonen Zürich, Thurgau und Basel-Land übernehmen. Die Wienerberger-Gruppe zieht sich dagegen mit dem Verkauf komplett aus dem Schweizer Markt zurück. «Unser Geschäft in der Schweiz hat sich gut entwickelt, neben der Fassadensparte vor allem die Dachziegelsparte», sagte der gestern ebenfalls anwesende CEO der Wiener Gesellschaft, Heimo Scheuch. Dennoch sei man nicht gut genug positioniert gewesen, um das Potenzial am Schweizer Markt auszuschöpfen.

Hier komme denn auch die Swisspor mit ihren starken lokalen Wurzeln ins Spiel, ergänzte Alpstaeg. ZZ Wancor vertrete dieselben unternehmerischen Werte und füge sich nahtlos ins Portfolio der Swisspor-Gruppe ein. «Wir sind traditionsgemäss eng mit Österreich verbunden, haben dort rund 600 Mitarbeitende, deshalb habe ich seit längerem auf diesen Deal geschielt. Mit ZZ Wancor gehen wir mitten in einer schwierigen gesamtwirtschaftlichen Situation bewusst eine bedeutende Investition ein.» Wie viel er sich die Übernahme kosten liess, will Alpstaeg nicht verraten. «Sagen wir es mal so: Wir waren für den Kauf nicht auf Banken angewiesen.» Über die genaue Höhe der Transaktion sei Stillschweigen vereinbart worden. Sie bewege sich irgendwo im dreistelligen Millionenbereich.

Abgesehen davon plant der Patron bereits weitere Grossinvestitionen, vor allem in der Romandie und der Zentralschweiz. «Wir haben ein Investitionsvolumen von 200 Millionen Franken für die nächsten zwei Jahre ausgelöst», verrät Alpstaeg. Möglich mache dies nicht zuletzt, dass die Swisspor bisher gut durch die Krise gekommen sei – gänzlich ohne Kurzarbeit anmelden zu müssen. Im letzten Jahr erwirtschaftete die Gruppe einen Umsatz von über einer Milliarde Franken.

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