Medikamente

«Big Pharma» in Trumps Visier: US-Regierung will die Kostenexplosion im Gesundheitswesen bremsen

PhRMA, der Dachverband der führenden Medikamentenhersteller, will in den nächsten Monaten eine Datenbank publik machen, in der sich die Konsumenten über die Preisgestaltung eines Arzneimittels informieren können.

PhRMA, der Dachverband der führenden Medikamentenhersteller, will in den nächsten Monaten eine Datenbank publik machen, in der sich die Konsumenten über die Preisgestaltung eines Arzneimittels informieren können.

Die neue Regel: Der Listenpreis eines Medikaments muss neuerdings auch in der US-TV-Werbung vorkommen. Die Pharmaindustrie ist anderer Meinung. PhRMA, der Dachverband der führenden Medikamentenhersteller, dem auch der Schweizer Konzern Novartis angehört, will dagegen rechtlich vorgehen.

Neue Runde im Kampf um Transparenz im Milliardengeschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Zu Wochenbeginn gab US-Gesundheitsminister Alex Azar bekannt, dass TV-Werbespots, in denen Arzneimittel wie Humira (Hersteller: AbbVie), Lyrica (Pfizer) oder Trulicity (Eli Lilly) beworben werden, künftig auch den Listenpreis des Medikaments enthalten müssten – sofern das Medikament mehr als 35 Dollar pro Monat kostet. Dieser Schritt sei notwendig, damit sich die Konsumenten «besser» informieren könnten.

Die Pharmaindustrie ist anderer Meinung. PhRMA, der Dachverband der führenden Medikamentenhersteller, dem auch der Schweizer Konzern Novartis angehört, gab bekannt, die neue Vorschrift nötigenfalls auf dem Rechtsweg zu bekämpfen. Die Argumentation des Cheflobbyisten Stephen Ubl: Die Veröffentlichung des Listenpreises schaffe Verwirrung, da die meisten Konsumenten ihre Medikamente über eine Krankenversicherung bezögen und ihnen ein anderer Betrag verrechnet werde. «Die Patienten wollen dies nicht und sie benötigen dies nicht», sagt Ubl.

Stattdessen will PhRMA in den nächsten Monaten eine Datenbank publik machen, in der sich die Konsumenten über die Preisgestaltung eines Arzneimittels informieren können. Diese Datenbank werde Informationen über die Bandbreite der Rabatte enthalten, die Pharmakonzerne den Versicherungen, den Zwischenhändlern und den Konsumenten gewährten. Sämtliche 33 PhRMA-Mitglieder hätten sich bereit erklärt, in ihren TV-Werbespots auf den neuen Service aufmerksam zu machen.

Mehr Preis-Transparenz

Branchenbeobachter sagen, dass die neue Regel grundsätzlich keine schlechte Idee sei. So seien Pharmakonzerne in den letzten Jahren dazu übergegangen, einige ausgewählte Medikamente aggressiv zu bewerben, um ein Bedürfnis für diese teuren Arzneimittel zu schaffen. Ein Beispiel: Das TV-Werbebudget für Humira, ein Medikament zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis, belief sich allein im September 2018 auf 26,5 Millionen Dollar, wie der Branchendienst iSpot.tv berechnete. Die «New York Times» schrieb, dass eine Behandlung mit Humira jährliche Kosten von mehr als 38 000 Dollar verursachen könne.

Die Pharmaindustrie stellt sich auf den Standpunkt, dass die Regierung Gefahr laufe, das Recht auf freie Meinungsäusserung zu verletzen – weil das Gesundheitsministerium versuche, private Firmen dazu zu zwingen, ihre Werbespots zu ändern. Juristen allerdings weisen diese Argumentation zurück.

PhRMA sagt schliesslich auch, dass der Listenpreis in der Pharma-Industrie eine andere Bedeutung habe als zum Beispiel im Autohandel. So kann es tatsächlich einem Spiessrutenlaufen gleichkommen, wenn ein US-Konsument herausfinden will, wie viel Geld eine Therapie mit verschreibungspflichtigen Medikamenten kosten könnte. Diese Argumentation allerdings ist Wasser auf die Mühlen der Regierung Trump. Azar spricht oft und gerne darüber, wie er radikale Preis-Transparenz schaffen wolle, und sämtliche Rabatte, die Pharmaunternehmen, Zwischenhändler und Krankenversicherungen einander gewähren, abschaffen wolle.

Meistgesehen

Artboard 1