Sonnenschutz
Billig-Cremes von Aldi und Co. holen auf – Migros und Coop erhalten Konkurrenz

2014 haben die Schweizer 50 Mio. Franken für Sonnencremes ausgegeben. 80 Prozent davon verkauften Migros und Coop. Die beiden Grossverteiler erhalten aber Konkurrenz: Aldi & Co. bedrängen die traditionellen Hersteller in der Millionen-Branche.

Carla Stampfli
Drucken
Teilen
Wo Schweizer Sonnencreme kaufen

Wo Schweizer Sonnencreme kaufen

Nordwestschweiz
Sonnencreme

Sonnencreme

Getty Images/Zoonar RF

Man glaubt es bei diesem Wetter kaum, doch der Sommer kommt bestimmt und mit ihm die heissen Tage. Das ist kein Gerücht. Und aus Angst vor Sonnenbrand cremen sich dann Herr und Frau Schweizer bald wieder ein, was das Zeug hält.

50 Millionen Franken haben sie im letzten Jahr für Sonnenschutzmittel ausgegeben. Alles der Gesundheit zuliebe. Laut Erhebungen des Marktforschungsinstituts Nielsen kauft einer von drei Haushalten mindestens eine Packung Sonnencreme pro Jahr ein.

Detailhandel: Verdrängungskampf spitzt sich zu

Trotz dem Bevölkerungswachstum stagnieren die Schweizer Detailhandelsumsätze seit 2010. Das hat sich auch im vergangenen Jahr nicht geändert. Die Umsätze haben sich nur minim um 0,4 Prozent auf insgesamt 97,6 Milliarden Franken erhöht, wie das Marktforschungsinstitut GfK am Dienstag mitteilte. Dieser Trend setzt sich in diesem Jahr fort.

Historisch gesehen stecke der Handel seit vier Jahren in einer Nullwachstumsphase. In den zehn Jahren zuvor sind die gesamten Verkäufe des Detailhandels in der Schweiz jährlich um 1,3 Prozent gewachsen. In den 1990er-Jahren betrug das durchschnittliche jährliche Wachstum 0,7 Prozent.

Diese Stagnation kennt Gewinner und Verlierer. Zu den Gewinnern zählen vor allem die Discounter Aldi und Lidl. Sie konnten im letzten Jahr Marktanteile gewinnen. Zulegen konnte auch der Dorfladenspezialist Volg. Verlierer in diesem Verdrängungskampf dagegen sind die unabhängigen Fachgeschäfte. (SDA)

Das grösste Stück vom Kuchen schneiden sich die beiden Grossverteiler Coop und Migros ab. Mit dem Verkauf von Eigen- und Fremdmarken sorgen sie für 80 Prozent des Jahresumsatzes im Detailhandel. Nebst den beiden Schweizer Grossverteilern gehören das deutsche Hautpflegeunternehmen Beiersdorf mit der Marke Nivea sowie der französische Kosmetikhersteller l’Oréal zu den Top-Lieferanten.

Doch die Konkurrenz kommt ausgerechnet von den beiden deutschen Hard-Discountern. Aldi und Lidl erwirtschaften bereits heute zehn Prozent des Umsatzes. Gut möglich, dass dieser Trend anhält. Für Aldi-Sprecher Philippe Vetterli steht das nicht zur Diskussion: «Immer mehr Kunden sind überzeugt, dass teuer nicht besser heisst.» Gute Resultate verschiedener Produkttests von Schweizer Konsumentenmagazinen förderten dieses Umdenken. Auch Artikel von Lidl erhielten in jüngsten Tests gute Noten. Praktisch gleich wie bei Aldi lautet deshalb auch bei Lidl der Kommentar zum Trend.

Dies bringt auch die Schweizer Hersteller von Sonnenschutzmitteln unter Druck. Nicht nur, weil der Markt gesättigt ist, sagt Monika Vögtli, Brand Managerin des internationalen Pharmaunternehmens Galderma Spirig. «Die Konsumenten sind auch preissensibler geworden.» Die Firma mit Sitz in Egerkingen SO stellt Produkte der Marke Daylong her, die in über 30 Ländern vertrieben werden.

Galderma Spirig ist führend im Fachhandel, spürt dennoch den Einfluss von Discountern. Vögtli: «Konsumenten sind immer noch bereit, für hochwertige Qualität einen entsprechenden Preis zu bezahlen.» Der Produktionsstandort Schweiz helfe, sich von den anderen Wettbewerbern abzuheben. Ihren Händlern versucht Galderma Spirig, preislich entgegenzukommen. Das sei nicht einfach, sagt sie mit Blick auf den starken Franken, der Importe begünstigt. Im Gegensatz zu den internationalen Kosmetikkonzernen, die im Ausland produzieren, habe man weniger Spielraum.

Neben Galderma Spirig produzieren sowohl die Coop-Gruppe mit der Firma Steinfels als auch die Migros-Tochter Mibelle in der Schweiz. «Wir positionieren uns mit neuen Produkten und Emotionen im Sonnenschutzmarkt», sagt Christian Koch, Leiter von Steinfels. Der Betrieb mit Sitz in Winterthur stellt Sonnenschutzmittel der Marke Sherpa Tensing her.

Ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz sei neben der Swissness auch der Duft. Es sei aber auch wichtig, den Markt zu beobachten und neue Produkte zu lancieren, sagt Koch. Beispielsweise Artikel mit hohem Schutzfaktor, Cremes für besonders sensible Haut oder Sonnensprays. Ob es im Coop-Regal neben Sherpa Tensing und ausländischen Marken künftig auch ein Sonnenschutzmittel des preisgünstigsten Sortiments Prix Garantie gibt, ist nicht zu erfahren.

Ein deutlicheres Signal kommt von der Migros: Der Grossverteiler hat nicht vor, eine M-Budget-Sonnencreme zu lancieren. Das tiefere Preis-Segment, so Sprecherin Martina Bosshard, werde schon mit der hauseigenen Kosmetiklinie Bellena abgedeckt. Diese stellt die Migros-Tochter Mibelle am Produktionsstandort in Buchs AG her, genau wie auch die Sonnenschutzmittel-Linie Sun Look. Letztere hat sich hinter der Marktführerin im Detailhandel Nivea etabliert.

Aktuelle Nachrichten