Coronavirus - Schweiz

Bundesrat wird nächstens über Swiss-Hilfe entscheiden

Der Bundesrat will nächstens über Staatshilfe für die angeschlagene Fluggesellschaft Swiss entscheiden, wie Finanzminister Ueli Maurer am Freitag in Bern sagte (Archiv)

Der Bundesrat will nächstens über Staatshilfe für die angeschlagene Fluggesellschaft Swiss entscheiden, wie Finanzminister Ueli Maurer am Freitag in Bern sagte (Archiv)

Der Bundesrat hat noch nicht über Staatshilfen für die Swiss entschieden, die wegen der Coronavirus-Krise fast alle Flieger am Boden hat. «Bei der Swiss ist die Lage kompliziert», sagte Finanzminister Ueli Maurer am Freitag vor den Medien in Bern.

Es brauche eine Koordination mit Deutschland und anderen Ländern. Denn innerhalb des Lufthansa-Konzerns seien auch die österreichische und die belgische Luftfahrtgesellschaft dabei.

"Das werden wir koordinieren müssen. Der Bundesrat wird an einer nächsten Sitzung darüber entscheiden müssen, ob und in welchem Umfang er die Luftfahrtindustrie unterstützt beziehungsweise inwieweit er dort Darlehen sichert", sagte Maurer. Es sei noch zu früh, um hierzu etwas zu verkünden. "Wir arbeiten intensiv daran."

Zur Frage der Unterstützung von weiteren Grossunternehmen, sagte der Finanzminister: Die Stossrichtung gehe dahin, dass Gesuche von grösseren Firmen geprüft würden, die für die Infrastruktur des Landes relevant seien. "Der Bundesrat kann sich aber nicht für jede Firma in diesem Land verantwortlich fühlen", sagte Maurer. "Denn da gibt es Eigentümer, da gibt es Aktionäre. Die haben primär für das Risiko aufzukommen. Wir haben die KMU im Blick und werden wohl auch dabei bleiben."

Gespräche in Berlin fortgeschritten

In Deutschland sind die Gespräche über Staatshilfe für den Swiss-Mutterkonzern Lufthansa bereits weit fortgeschritten und sollen möglicherweise bereits in der kommenden Woche abgeschlossen werden, wie die Nachrichtenagentur DPA am Freitag aus Regierungskreisen erfuhr.

Die Lufthansa bestätigte Verhandlungen über verschiedene Beteiligungsformen des Staates. Man sei im engen Austausch mit allen Regierungen im Heimatmarkt und anderen Stellen wie der staatlichen KfW-Bank, um die Liquidität zu sichern, sagte ein Sprecher in Frankfurt, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Es geht um Milliarden, so viel ist sicher. Das Management versucht seit Krisenbeginn, das Geld des Konzerns zusammenzuhalten und die Fixkosten zu senken. Rund 700 der 760 Flugzeuge in der Konzernflotte stehen am Boden, die aktuelle Verkehrsleistung beträgt noch 5 Prozent. Neben der massiven Kurzarbeit in allen Betriebsteilen wurden die Dividende gestrichen und die Managergehälter gekürzt.

87'000 Angestellte sollen in Kurzarbeit geschickt werden. Die Swiss hat für alle über 9'500 Mitarbeitenden Kurzarbeit beantragt.

5 Milliarden liquide Mittel

Doch das alles reicht nicht. Die erst 1997 vollständig privatisierte Lufthansa verfügte laut Vorstandschef Carsten Spohr bei Bilanzvorlage am 19. März einschliesslich einer neuen KfW-Kreditlinie über liquide Mittel von 5,1 Milliarden Euro. Zudem könne die Lufthansa Flugzeuge im Wert von 10 Milliarden Euro als Sicherheit bei Banken einbringen.

"Unsere Bilanz ist stärker, die Eigentumsquote ist höher als bei fast allen unserer Wettbewerber", sagte Spohr. Man werde im Zweifel länger durchhalten als andere. Swiss-Chef Thomas Klühr hatte bei der Bilanzvorlage der Airline vor gut zwei Wochen gesagt: "Ich bin sicher, dass wir einige Monate durchhalten können"

Dem stehen die Abwertung der Lufthansa-Kreditwürdigkeit durch die Rating-Agentur Moody's auf Ramsch-Niveau und negative Börsenanalysen entgegen. Die US-Bank Citi hat als Extremfall das Kursziel der Lufthansa-Aktie auf 50 Cent abgesenkt. Sie glaubt, dass Lufthansa eine Finanzspritze von 4,5 Milliarden Euro benötigt. Bei einem Kurs von aktuell knapp 8 Euro ist die gesamte Gesellschaft an der Börse nur noch 3,8 Milliarden Euro wert.

Verkleinerung angekündigt

Möglicherweise wird der über die Jahre immer weiter gewachsene Konzern in Teilen rückabgewickelt. Spohr hat bereits angekündigt, dass sein Unternehmen nach der Krise kleiner sein werde als vorher. In Belgien und Österreich hat der Konzern den Betrieb der übernommenen Ex-Staatsairlines vorläufig komplett gestoppt.

Die wenigen Fernflüge der Gruppe finden ab Frankfurt oder von Zürich aus statt, während in Brüssel und Wien alles steht. Vor allem in Belgien wird daher öffentlich über eine Renationalisierung der Lufthansa-Tochter Brussels Airlines nachgedacht.

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