Fernsehen
Cablecom will Digital-TV verbessern, aber Analog-Kunden schauen in die Röhre

Der Kabelnetzbetreiber UPC Cablecom stellt im Laufe des nächsten Jahres das analoge Senderangebot definitiv ein. Geschätzte 120000 Analog-Kunden haben dann noch die Möglichkeit, sich einen Gratis-Umwandler zu bestellen.

Matthias Niklowitz
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Der Kabelnetzbetreiber UPC Cablecom stellt 2015 das analoge Senderangebot definitiv ein. Bereits im Juni werden weitere acht analoge TV-Sender abgeschaltet und das digitale Angebot ausgebaut.

Noch für ein Jahr sind 17 der meistgeschauten Programme analog empfangbar. Abgeschaltet werden am 3. Juni die SRG-Programme der anderen Sprachregionen (RTS Un, RTS Deux, RSI La 1, RSI La 2) sowie ORF eins, Arte, 3sat und Star TV, teilte UPC Cablecom gestern mit.

Der Termin für das definitive Ende des analogen Zeitalters im nächsten Jahr wurde noch nicht genannt. Ziel sei, mit einer breiten Informationskampagne die letzten Schritte zum digitalen Fernsehen einzuleiten und genug Zeit für die Umstellung einzuräumen, sagte UPC-Cablecom-Sprecher Roland Bischofberger vor den Medien in Zürich.

Analog-Kunden brauchen Adapter

Wie viele Kunden immer noch ausschliesslich analog fernsehen, kann das Unternehmen nicht sagen. Denn den 1,42 Millionen Kunden steht seit 2012 auch ein ohne Mehrkosten verfügbares Digitalangebot zur Verfügung. Schätzungsweise 8 Prozent der Haushalte hätten noch einen Röhrenfernseher, das wären etwa 120 000 Kunden. Auch ältere Flachbildschirme sind nicht alle digital-fähig.

Gleichzeitig mit dem Abschalten der analogen Sender im Juni wird das digitale Angebot auf mehr als 65 Sender ausgebaut. Das ist möglich, weil analoge Programme mehr Leitungskapazitäten benötigen als die Digitalprogramme und folglich mit dem Abschalten der Analog-Sender Kapazitäten frei werden. Doch Fans der analogen Fernsehkultur werden nicht im Regen stehen gelassen: Wer sein altes Analog-Gerät weiterhin nutzen will, kann bei Cablecom einen kostenlosen Umwandler bestellen.

Für Kunden lohnt sich ein sofortiger Kauf eines neuen Geräts nicht: Die europäischen Kabelnetzbetreiber und auch Swisscom arbeiten oft noch mit Auflösungsstandards von 576 Bildzeilen, auch wenn die Übertragungstechnologie längst digitalisiert ist. Was als HD-(High Definition)-Fernsehen bezeichnet wird, hat in der Schweiz oft nur 720 Bildzeilen und nicht, wie in Skandinavien, Nordamerika oder asiatischen Ländern, 1080 Bildzeilen («Full-HD»). Grund ist das Programmmaterial – Netzbetreiber senden in der Auflösung weiter, in der sie das Signal bekommen. «Europa hat den direkten Sprung auf die 1080 Zeilen verpasst», sagt ein Schweizer TV-Softwareexperte, der als Lieferant aussereuropäische Märkte bedient. «Echtes» HD-Fernsehen sehen Kunden, wenn sie Filme über Blu-ray Disc beziehen – oder wenn sie in Asien fernsehen.

Weiterer Wechsel in Sicht

Ein Wechsel auf das volle HD-Fernsehformat mit 1080 Bildzeilen wird in Europa und der Schweiz frühestens gegen Jahresende kommen. Denn dann wird der neue Fernseh-Codierungsstandard H.265 eingeführt werden. Der neue Standard erfordert neue Settop-Boxen, weil die Chips in diesen Boxen deutlich leistungsfähiger gemacht werden müssen, um mit den deutlich höheren Datenmengen fertig zu werden.

Kabelnetzbetreiber und Swisscom sind weiterhin unter grossem Zugzwang. Denn ihre Fernsehverbreitungstechnologien könnten mit den nächsten Entwicklungsschritten überflüssig werden. Die übernächste Generation von Settop-Boxen bezieht die Programminhalte direkt aus dem Internet. Neue Suchfunktionen machen es dann möglich, Blockbuster-Filme mit speziellen Apps vom billigsten Anbieter zu beziehen.

Ausdifferenzieren kann man sich dann laut Fachleuten nicht mehr mit den ganzen Filmrechten und Sammlungen, welche Swisscom zusammengekauft hat. «Was funktioniert und auch zukünftig immer gefragt sein wird, ist nur Sport», so ein Experte. «Netzbetreiber müssten den Mut haben, ihre Filmsammlungen abzuschreiben – und gleich die Fernsehrechte für Fussball für die nächsten hundert Jahre sichern.»

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