Sursee
«Eine Achterbahnfahrt»: Calida leidet unter Corona, doch der Onlinehandel boomt

Der auf Unterwäsche und Lingerie spezialisierte Hersteller muss bei Umsatz und Gewinn einen Rückgang hinnehmen. Das Unternehmen profitiert aber auch von gewissen Trends im Textilbereich. Der CEO verabschiedet sich mit einer Sonderdividende.

Maurizio Minetti
Drucken
Teilen
Der abtretende Calida-CEO Reiner Pichler am Hauptsitz in Sursee.

Der abtretende Calida-CEO Reiner Pichler am Hauptsitz in Sursee.

Bild: Nadia Schärli (5. März 2020)

Eine Achterbahnfahrt sei das vergangene Jahr gewesen, sagte Sacha Gerber am Freitag. Der Finanzchef der Calida-Gruppe präsentierte zusammen mit CEO Reiner Pichler den Jahresabschluss des Wäscheherstellers und dieser war selbstredend stark von der Coronapandemie geprägt. Mit Rückenwind ins Jahr 2020 gestartet, litt Calida ab März stark unter den Lockdowns, doch gleichzeitig boomte der E-Commerce-Kanal, den Calida in den letzten Jahren mit grossem finanziellem Aufwand ausgebaut hatte. «Wir konnten das ganze Potenzial abschöpfen», so Gerber. Ab Sommer sei die Entwicklung denn auch «sehr erfreulich» gewesen, gebremst wurde sie nur durch die verschiedenen europäischen Lockdowns im Herbst und Winter. Der Umsatz sei im zweiten Halbjahr gegenüber den ersten sechs Monaten um 30 Prozent gestiegen.

Calida-CFO Sacha Gerber.

Calida-CFO Sacha Gerber.

Bild: PD

Die konkreten Zahlen des vergangenen Jahres: Der Gesamtumsatz der Calida-Gruppe ging währungsbereinigt um 7,6 Prozent auf 332,7 Millionen Franken zurück. Beim bereinigten Betriebsgewinn auf Stufe Ebit resultierte ein Rückgang um 43,9 Prozent auf 13,2 Millionen Franken. Der Gewinn liegt damit aber deutlich über den Erwartungen der Analysten. Die entsprechende Ebit-Marge verschlechterte sich von 6,3 auf 4 Prozent. Unter dem Strich weist Calida einen Unternehmensgewinn von 5,9 Millionen Franken aus, was im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang um 64,8 Prozent entspricht. Im umkämpften Textilmarkt konnte der Unterwäsche- und Lingerie-Hersteller aus Sursee somit letztes Jahr trotz sinkender Absatzzahlen Marktanteile gewinnen, denn viele Mitbewerber litten stärker unter den Auswirkungen der Pandemie.

Als «grössten Wettbewerbsvorteil» bezeichnete CEO Reiner Pichler den Onlinekanal. Beflügelt durch die Coronapandemie legte das E-Commerce-Geschäft währungsbereinigt mit über 56 Prozent zu und damit deutlich stärker als der Markt. Die Calida Group konnte den E-Commerce-Anteil innert Jahresfrist beinahe verdoppeln. Dieser beläuft sich heute auf 21,7 Prozent. Zum Vergleich: 2016, im Jahr des Amtsantritts von Pichler, hat die Calida-Gruppe erst 3,6 Prozent des Umsatzes übers Internet erwirtschaftet. Mit der Übernahme des deutschen E-Commerce-Spezialisten Reich Online legte Pichler 2017 die Basis für den Ausbau des Internetkanals. «Die Investitionen ins E-Commerce haben sich mehr als ausbezahlt», sagte er am Freitag.

«Casualisierung» der Bekleidung

Im Gespräch sagte Pichler weiter, Calida habe letztes Jahr auch von der «Casualisierung» der Bekleidung profitiert. Das Unternehmen stellt neben Unterwäsche, Pyjamas, Outdoorkleider und Möbel auch sogenannte Loungewear her, also luftige und bequeme Bekleidung, die offenbar letztes Jahr des Öfteren im Homeoffice getragen wurde. Davon habe insbesondere die Marke Calida profitiert, sagte Pichler. Doch auch Möbel seien stärker nachgefragt gewesen, weil die Menschen zum Beispiel öfters in ihrem Garten waren.

Das Kerngeschäft mit Unterwäsche und Lingerie soll mit «zeitnahen Investitionen» und Zukäufen gestärkt werden, so Pichler weiter. Interessant für die Gruppe seien auch Start-ups aus dem digitalen Bereich, die zum Beispiel den Zugang zu einem gewissen Markt einer Region ermöglichten. Pichler glaubt, dass es einige innovative Jungunternehmen mit guten Geschäftsideen gibt, denen aber die nötigen finanziellen Mittel sowie das erfahrene Management fehlt. Auf der anderen Seite bekräftigte das Unternehmen, dass für die Outdoormarken Millet und Lafuma «Optionen geprüft» werden. Das bedeutet im Klartext, dass sie zum Verkauf stehen.

Der künftige CEO Timo Schmidt-Eisenhart.

Der künftige CEO Timo Schmidt-Eisenhart.

Bild: PD

Für Pichler war es die letzte Bilanzmedienkonferenz von Calida. Der gebürtige Münchner wird wie angekündigt per 12. April durch Timo Schmidt-Eisenhart ersetzt. Pichler sagte, er wolle kürzertreten und sich auf maximal drei Verwaltungsratsmandate konzentrieren. In den letzten 27 Jahren habe er stets eine CEO-Funktion innegehabt.

Angesichts der finanziellen Solidität der Firmengruppe schlägt der Verwaltungsrat der Generalversammlung die Ausschüttung einer Dividende von 80 Rappen vor. Zusätzlich beantragt der Verwaltungsrat, die für das Geschäftsjahr 2019 zurückgestellte Dividendenausschüttung als Sonderdividende von ebenfalls 80 Rappen auszuzahlen. Dies unterstreiche die Zuversicht des Verwaltungsrates in das Geschäftsmodell und die Geschäftsentwicklung der Calida Group, teilte das Unternehmen mit.

Aktuelle Nachrichten