Was haben Vertreter von Nichtregierungsorganisationen (NGO) in China mit dem Handelskrieg zwischen dem Land und den USA sowie der Verhaftung der Huawei-Finanzchefin in Kanada zu tun? Die chinesische Führung hat einen unmittelbaren Zusammenhang bislang bestritten. Trotzdem liegt der Verdacht nahe: China sinnt auf Rache. Und dafür müssen nun eben NGO-Vertreter aus Kanada herhalten.

Das chinesische Aussenministerium bestätigt, dass ein weiterer kanadischer Staatsbürger verhaftet worden ist. Es handelt sich um den Nordkorea-Experten Michael Spavor, der als Geschäftsmann in der chinesischen Stadt Dandong an der Grenze zu Nordkorea lebt und arbeitet.

Der 43-Jährige engagiert sich zudem für die britisch-chinesische Organisation Paektu, die sich für den Kulturaustausch mit Nordkorea einsetzt. Spavor hatte unter anderem 2013 und 2014 die Besuche des US-Basketballstars Dennis Rodman in Pjöngjang organisiert, der seitdem von Nordkoreas Diktator Kim Jong Un als «Freund» bezeichnet wird.

Michael Spavor, Nordkorea-Experte.

Michael Spavor, Nordkorea-Experte.

Nie angekommen

Spavor betreibe eine politische Organisation, die «in China nicht rechtlich registriert» sei. Seine Aktivitäten seien damit illegal, begründeten die chinesischen Behörden die Inhaftierung. Es bestehe zudem der Verdacht, dass Spavors Aktivitäten «die nationale Sicherheit gefährden».

In China ist dieser Vorwurf gleichbedeutend mit Spionage. Nach Angaben der kanadischen Botschaft in Peking hatte sich Spavor am vergangenen Wochenende nach einem Verhör durch chinesische Behörden an sie gewandt. Er wollte am Montag eigentlich nach Seoul fliegen. Dort ist er aber nicht angekommen.

Im Wortlaut ist der Vorwurf nahezu identisch mit dem, was die chinesischen Behörden auch schon dem kanadischen Ex-Diplomaten Michael Kovrig vorwerfen, der sich seit Montag ebenfalls in chinesischer Haft befindet. Kovrig arbeitet für die in Brüssel ansässige Organisation International Crisis Group.

Der Verdacht liegt nahe, dass die Festnahme der beiden kanadischen NGO-Vertreter als Vergeltung im Zusammenhang steht mit der Festnahme von Sabrina Meng Wanzhou. Am 1. Dezember hatten kanadische Behörden in Vancouver die Finanzchefin des chinesischen Technologie-Riesen Huawei festgenommen. Sie ist auch die Tochter des Huawei-Gründers, dem wiederum enge Verbindungen zur chinesischen Regierung nachgesagt werden.

Kanada hatte auf Geheiss des US-Justizministeriums reagiert. Die USA werfen Huawei vor, gegen die Iran-Sanktionen verstossen zu haben. Als verantwortliche Finanzchefin drohen Meng bis zu 30 Jahre Haft. Inzwischen darf sie sich zwar gegen Zahlung einer Kaution ausserhalb der Haftanstalt bewegen. Vancouver darf sie aber nicht verlassen.

Chinesische Medien drohen

Die chinesischen Staatsmedien wiederum werfen Washington vor, Meng sei Opfer des Handelskriegs, den sich China und die USA liefern. Auch das ist nicht ganz von der Hand zu weisen – gilt Huawei als einer der schärfsten Konkurrenten für US-Firmen in der Netzwerktechnik.

US-Geheimdienste werfen Huawei zudem vor, im Auftrag der chinesischen Führung Spionagetechnik verbaut zu haben. «Kanada wird einen hohen Preis zahlen, wenn Meng nicht freigelassen wird», warnte die Volkszeitung. Die Parteizeitung «Global Times» schwörte in einem Leitartikel «Rache». Sie werde «noch viel schlimmer sein, als einen Kanadier festzunehmen».

Kanadische Top-Manager sind in China bislang verschont geblieben. Vertreter von ausländischen NGO hingegen sind für die chinesischen Behörden eine sehr viel leichtere Beute – zumal sie in der Volksrepublik schon seit einiger Zeit unter Beschuss stehen.

Waren ausländische NGO und Stiftungen als Berater und Förderer etwa von kulturellem Austausch in China lange Zeit willkommen, hat die Führung die Bestimmungen gegen sie zuletzt deutlich verschärft. Alle Projekte müssen die Organisationen von der Staatssicherheit genehmigen lassen. Einige NGO haben ihre Arbeit daher bereits eingestellt und China verlassen.