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Chinas Handy-Offensive in Europa: Auf Huawei folgen Xiaomi und Oppo

Huawei ist Apple mittlerweile dicht auf den Fersen.

Huawei ist Apple mittlerweile dicht auf den Fersen.

Huawei hat sich bereits unter den Top-Marken etabliert. Nun kommt ein weiterer Hersteller nach Europa.

In China ist der Name Oppo schon lange bekannt, nun soll er es auch hierzulande werden: Gestern präsentierte der Smartphone-Hersteller aus dem Reich der Mitte in Zürich seine Pläne für den europäischen Markt. Und diese sind alles andere als bescheiden: «Wir haben die Ambition, die beliebteste Handy-Marke Europas zu werden», verkündete Europa-Chef Vincent Huang vollmundig.

Dass die Chinesen für ihre Marketing-Offensive in Europa die Schweiz ausgewählt haben, ist mutig und zeigt, wohin das Unternehmen will: In kaum einem anderen Land gibt ein Kunde so viel Geld für ein Smartphone aus. Oppo will kein Billig-Handy-Anbieter sein, sondern mit den Top-Geräten von Apple und Samsung mithalten.

Oppo schickt dafür das Modell Reno ins Rennen. Es zeichnet sich durch ein nahezu randloses Display aus. Vor zwei Jahren haben die Hersteller damit begonnen auf der Front bloss noch einen kleinen Spickel, den sogenannten Notch, für die Selfie-Kamera auszusparen. Oppo lässt diesen ganz weg. Die Frontkamera kann per Knopfdruck aus dem Gehäuse gefahren werden. Innerhalb von 0,8 Sekunden ist sie da, wenn man sie braucht. Sonst bleibt sie unsichtbar und stört nicht. Ein Alleinstellungsmerkmal, über das weder Apple noch Samsung verfügt.

Der chinesische Hersteller Oppo präsentiert sich als Lifestyle-Marke und will hoch hinaus. HO

Der chinesische Hersteller Oppo präsentiert sich als Lifestyle-Marke und will hoch hinaus. HO

Schweizer Kaufkraft solls richten

Einen ersten Coup in der Schweiz hat Oppo bereits vor ein paar Wochen gelandet. Als die Swisscom ihr 5G-Netz lancierte, wurde das Oppo Reno als erstes in der Schweiz erhältliches Gerät mit 5G-Chip vorgestellt. Seither ist klar, dass Oppo auch den Schweizer Markt erobern will. Bereits hat der Hersteller angekündigt, hier auch ein Büro zu eröffnen. Um wie viele Arbeitsplätze es geht, wollen die Verantwortlichen aber noch nicht verraten.

Die Zeit, in der China bloss die Produktionsstätte für Smartphones war, ist vorbei. Die chinesischen Hersteller treten aus dem Schatten von Apple und Samsung, die ihre Geräte ebenfalls dort produzieren, und entwickeln ihre eigenen Smartphones. Allen voran Huawei. Die Firma ist Apple mittlerweile dicht auf den Fersen (siehe Grafik). Kurzzeitig hat Huawei die Amerikaner als Nummer zwei in der Branche sogar verdrängt. Dahinter folgen Xiaomi, ebenfalls aus China, und Oppo. Dies, obwohl die Marke bisher fast ausschliesslich in Asien präsent war. Während Samsung und Apple an Marktanteil verlieren, legen die chinesischen Hersteller kräftig zu – teilweise um über 30 Prozent.

Huawei hat eindrücklich bewiesen, dass es möglich ist, als chinesische Firma in den westlichen Markt für Premium-Geräte vorzustossen. Als die Firma 2012 an der Internationalen Funkausstellung in Berlin auftauchte und in einem kleinen Raum in schlechtem Englisch auf Powerpoint-Folien ihre Smartphones präsentierte, wirkte das wie der Vortrag von ein paar unbedarften Schülern. Heute stellt Huawei neue Geräte in gigantischen Shows in New York, London oder Paris vor.

Klug war es, mit dem deutschen Traditionsunternehmen Leica eine Kooperation einzugehen. Diese wirkte sich nicht nur auf die technische Entwicklung der Kameras aus, sondern polierte auch das Image gehörig auf. Einen ähnlichen Weg wählt Oppo. Beim Design der Geräte arbeiten die Chinesen mit dem Royal College of Arts in London zusammen. Ausserdem sind sie eine Partnerschaft mit der Fotoagentur Magnum eingegangen – wie diese allerdings genau aussieht, bleibt unklar.

Derzeit fährt Oppo in Europa eine zweigleisige Strategie. In Ländern wie Frankreich, Italien oder Spanien setzt der Hersteller auf das Mittelklasse-Segment und bietet eine abgespeckte Version des Reno für knapp 500 Euro. In der Schweiz allerdings gibt es nur die Deluxe-Veriante mit 5G-Chip für stolze 999 Franken. Man wolle sich so der Diversität des europäischen Marktes anpassen, meinte Vincent Huang. Offenbar zählen die Chinesen auf die Schweizer Kaufkraft.

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