Aerosol-Übertragung

Covid in der Luft: Schweizer Flughäfen lüften mehr und schalten die Klimaanlagen aus – mit heissen Folgen

Am Flughafen Zürich wird mehr Frischluft eingesetzt, um das Übertragungsrisiko zu senken.

Am Flughafen Zürich wird mehr Frischluft eingesetzt, um das Übertragungsrisiko zu senken.

In der Luft schwebende Aerosole können das Coronavirus übertragen. Der Flughafen Zürich pumpt deshalb mehr Luft in seine Terminals. Und in Basel und Genf geraten die Passagiere wegen der neuen Luft-Massnahmen vor ihrem Abflug ins Schwitzen.

Händewaschen und Abstand halten ist das eine, Lüften das andere. Die allgemeine Diskussion fokussierte sich bisher vor allem auf ersteres. Doch nun gerät vermehrt auch die Luft als möglicher Träger der Covid-Aerosole in den Fokus- auch an Flughäfen. So sagte Anthony Fauci, der oberste Infektiologe der USA, diese Woche in der «New York Times»: «Die engen Platzverhältnisse an Flughäfen waren für mich schon immer beunruhigend. Flughäfen müssten laut Fauci unter anderem die Luftfiltration verbessern.

Der Flughafen Zürich ist sich der Gefahr der kleinen Viruspartikel, die in der Luft schweben, bewusst. «Wir haben die Lüftung aufgrund der Coronakrise angepasst», sagt eine Sprecherin. Die Luftmenge, die ins Gebäude strömt, sei Mitte Juni erhöht worden. Gleichzeitig würden Querlüftungen möglichst verhindert. Heisst: Die Luft, die ins Gebäude reingebracht wird, wird auf direktestem Wegwieder aus dem Gebäude gebracht. «Damit kommt es zu mehr Luftwechseln in den Gebäuden.» Man benutze seit jeher keine Umluft, sondern arbeite ausschliesslich mit Frischluft.

Über mehrere Meter hinweg übertragbar

Für den neuen Lüftungsplan seien keine baulichen Anpassungen nötig gewesen, sagt die Sprecherin. Dies sei möglich, da die Anlagen vorher nicht auf dem Maximum gelaufen sind. Der verstärkte Luftwechsel gelte nun unabhängig davon, wie viele Leute sich in den Terminals aufhalten. Das Bundesamt für Gesundheit habe diesbezüglich keine Empfehlungen abgegeben. Man sei jedoch in Kontakt mit der Vereinigung der deutschsprachigen Flughäfen und halte sich an die Normen des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Krankheiten.

Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass sich das Covid-Virus über mehrere Meter in der Luft übertragen kann. Laut Experten ist vor allem Frischluft wichtig, um eine Verbreitung zu verhindern. Eine reine Luftumwälzung könnte das Infektionsrisiko gar erhöhen.

Beim Flughafen Genf heisst es auf Anfrage, dass man auf Frischluft setze. Allerdings gäbe es einige Räume in älteren Gebäudeteilen, wo Klimaanalgen und Ventilatoren normalerweise mit rezyklierter Luft arbeiten würden. Diese Systeme würden derzeit nicht verwendet. Zudem empfehle man den Angestellten, die Fenster regelmässig zu öffnen.

Bis zu 26 Grad in den Terminals

Eine Sprecherin des Euroairports in Basel-Müllhausen sagt, man habe unter normalen Umständen auf eine Mischung aus Abluft und Frischluft gesetzt. Mit dem Wiederhochfahren des Passagierbetriebs ab Mitte Juni werde nun aber ausschliesslich frische Luft von aussen verwendet. Mit dem Nachteil, dass es bei heissen Temperaturen draussen auch im Terminal heiss werden kann. Deshalb seien die Lüftungssysteme zurzeit rund um die Uhr, also auch nachts in Betrieb, um die kühleren Nachttemperaturen zur Kühlung der Terminals zu nutzen.

Bis jetzt habe man es geschafft, trotz Hitzewelle die Temperaturen unter 26 Grad zu halten. Wenn immer möglich belasse man die Zugangstüren zu den Terminals offen, ausser es windet oder regnet zu stark. Die Sprecherin sagt, man halte sich an die Vorgaben des französischen Gesundheitsministeriums. Dazu gehöre auch die Reinigung der verschiedenen Lüftungsöffnungen und Filter.

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