Wirtschaft

Credit Suisse: Thomas Gottstein übernimmt von Tidjane Thiam – wer ist der neue Chef?

Der bisherige Schweiz-Chef der Credit Suisse, Thomas Gottstein, wird neuer CEO und damit Nachfolger von Tidjane Thiam. Dieser hat seinen Posten in der Folge der Beschattungs-Affäre geräumt. Offiziell freiwillig.

Seit mehr als 20 Jahren ist Thomas Gottstein in Diensten der Credit Suisse. Jetzt hat es der Schweizer nach ganz oben geschafft: Der Verwaltungsrat hat ihn am Donnerstagabend zum CEO der Grossbank ernannt. Gottstein wird Nachfolger von Tidjane Thiam (57), nachdem der Verwaltungsrat dessen Rücktrittsangebot angenommen hat.

Gottstein hat 30 Jahre Bankerfahrung. Sein Leistungsausweis gemäss Credit Suisse-Angaben sowohl auf leitenden Funktionen im Investmentbanking (davon 13 Jahre in London) als auch im Private Banking. Seit 2015 ist er als CEO der Credit Suisse (Schweiz) AG und Mitglied der Konzernleitung für den Heimmarkt Schweiz verantwortlich. Unter seiner Leitung konnte der Beitrag des Schweizer Geschäfts zum Vorsteuergewinn der Gruppe von 1.6 Milliarden auf 2.1 Milliarden Franken gesteigert werden.

Verwaltungsratspräsident Urs Rohner sagt über den 55-jährigen Gottstein: «Er ist aufgrund seines grossen Erfahrungsschatzes in unserem Geschäft, seinem beeindruckenden Leistungsausweis als Leiter der Schweizer Einheit und seiner Beliebtheit bei Kundinnen und Kunden sowie den Mitarbeitenden bestens positioniert, die Credit Suisse erfolgreich in die Zukunft zu führen.» Die Bank sei froh, eine starke bankinterne Nachfolge ankündigen können.

In der «Handelszeitung» wird Gottstein als «begnadeter Kundenmann» beschrieben, der profunde Kenntnise der Märkte und eine schnelle Auffassungsgabe habe, sowie stark im Präsentieren sei. Er sei zudem ein Mann ohne Dünkel.

Credit Suisse-CEO Tidjane Thiam tritt zurück

Credit Suisse-CEO Tidjane Thiam tritt zurück

Machtwechsel bei der Grossbrank Credit Suisse: Der Konzernchef Thiam tritt per 14. Februar zurück. Seine Nachfolge tritt der derzeitige CS-Schweiz-Chef Thomas Gottstein an.

Gottstein lässt sich in der Mitteilung mit den Worten zitieren: «Ich freue mich darauf, mich mit voller Energie zum Wohle dieser traditionsreichen Bank, ihrer Kunden und Aktionäre einzusetzen. Besonders stolz bin ich auf unsere rund 50'000 Mitarbeitenden, die täglich eine ausgezeichnete Arbeit leisten. Zudem möchte ich Tidjane Thiam für seine Unterstützung und Partnerschaft danken.»

Helfenstein wird neuer Schweiz-Chef

Gottstein selbst hat ebenfalls bereits einen Nachfolger. Es ist André Helfenstein. Er wird CEO der Credit Suisse (Schweiz) AG und als Mitglied der Konzernleitung der Credit Suisse Group AG seinen Posten per 14. Februar 2020 antreten. André Helfenstein ist Mitglied des Swiss Universal Bank Management Committee und verantwortete bisher das CS-Geschäft mit institutionellen Kunden in der Schweiz. Er ist seit 2007 bei der Credit Suisse.

Der Druck war zu gross geworden

Thiams Rücktritt steht im Zusammenhang mit der Beschattungs-Affäre: Der Druck auf Thiam und den Verwaltungsrat unter Präsident Urs Rohner ist seit Herbst 2019 immer grösser geworden.

Thiam betonte in der CS-Mitteilung zwar erneut, dass er nichts von den Beschattungen von zwei Top-Managern gewusst habe: «Ich hatte keinerlei Kenntnisse von der Beschattung zweier ehemaliger Kollegen.»

Aber: Zweifellos habe dies der Credit Suisse geschadet und zu Verunsicherung und Leid geführt. «Ich bedauere das Vorgefallene, und es hätte nie passieren dürfen.» Er sei gleichzeitig auch «stolz darauf, was das Team während meiner Zeit erreicht hat».

Im vergangenen September war bekannt geworden, dass die Credit Suisse den früheren Top-Manager Iqbal Khan von Privatdetektiven beschatten liess. Eine Untersuchung ergab allerdings, dass der mittlerweile entlassene COO Pierre-Olivier Bouée in Eigenregie handelte. CEO Thiam soll der Untersuchung zufolge tatsächlich nichts davon gewusst haben.

Seither berichteten verschiedene Medien immer wieder über neue Details zur Affäre. Auch Greenpeace soll ausspioniert worden sein, wie die «Sonntagszeitung» berichtete. Staatsanwaltschaft und Finma untersuchen.

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