Aufgelöste Fonds
Credit Suisse warnt vor Verlusten aus Greensill-Pleite

CEO Thomas Gottstein bereitet Investoren auf unangenehme Überraschungen vor.

Daniel Zulauf
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Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein tritt heute mit einer Mischung aus guten und weniger guten Nachrichten auf die Bühne der Morgan-Stanley-Investorenkonferenz.

Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein tritt heute mit einer Mischung aus guten und weniger guten Nachrichten auf die Bühne der Morgan-Stanley-Investorenkonferenz.

Severin Bigler / SAW

Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein hat am Dienstag auf einer Investorenkonferenz erstmals offiziell mögliche «Kosten» für die Bank aus der Greensill-Pleite eingeräumt. Der CEO machte die Aussagen auf der jährlichen «Morgan Stanley European Financials Conference», an der er auch über eine «sehr gute» Geschäftsentwicklung in den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres berichtete, wie die Credit Suisse in einer Medienmitteilung schreibt.

Versicherung will Risiken nicht mehr decken

Die Credit Suisse hat am Montag vor einer Woche mit der Liquidation von vier Investmentfonds begonnen. In diesen Fonds hatten über 1000 institutionelle und vermögende («qualifizierte») Privatinvestoren rund 10 Milliarden Dollar angelegt. Die Mittel dienten dem britisch-australischen Finanzvermittler Greensill Capital dazu Lieferantenforderungen aus dem Kundenkreis von Greensill vorzufinanzieren. Die Forderungen waren bis Anfang März teilweise versichert gewesen. Aber dann kündigte die japanische Versicherung Tokio Marine die Deckung.

Die Versicherung zieht die Gültigkeit der Policen in Zweifel. Es gibt Bedenken über die Rechtmässigkeit gewisser Forderungen in den Greensill-Fonds der Credit Suisse. Unter scharfer Beobachtung steht der britische Unternehmer Sanjeev Gupta, dessen weitverzweigte Firmengruppe GFG Alliance zu den Hauptkunden von Greensill gehört. Die deutsche Finanzmarktaufsicht Bafin hatte festgestellt, dass Gupta-Forderungen, die in der Greensill-Bank in Bremen gegen Spareinlagen hinterlegt waren, teilweise nicht belegt werden konnten.

Credit Suisse hat inzwischen 4,4 Milliarden Dollar an die Investoren der vier Fonds zurückbezahlt. Die Bank lege die Priorität weiterhin auf eine Fortsetzung der Rückzahlungen. Man beabsichtige in den kommenden Monaten weitere Barauszahlungen anzukündigen, heisst es in der Medienmitteilung von heute. Zu konkreten Beträgen über mögliche weitere Rückzahlungen und zu Haftungsfragen finden sich in dem Communiqué keine Angaben. Vergangene Woche wurde bekannt, dass Anteilscheine der vier in Liquidation stehenden Fonds in weiteren sogenannten Dachfonds der Credit Suisse Eingang gefunden haben. Der Handel mit diesen Dachfonds wurde vergangene Woche ebenfalls ausgesetzt.

50 Millionen Dollar hat Credit Suisse von Greensill zurückerhalten

Greensill Capital selbst hat am Montag vor einer Woche in London einen Insolvenzantrag gestellt. Credit Suisse bei der Firma mit einem Überbrückungskredit in Höhe von 140 Millionen Dollar engagiert. Vor kurzem habe der Insolvenzverwalter Grant Thornton eine Rückzahlung von 50 Millionen Dollar vorgenommen. Damit bleiben 90 Millionen Dollar ausstehend.

Auf die Credit-Suisse-Investoren machten Gottsteins Neuigkeiten zur Greensill-Affäre offenbar keinen grossen Eindruck mehr. Die Aktien legten Morgenhandel um 1,7 Prozent auf über 12 Franken zu. Der CEO berichtete an der Konferenz von einem sehr guten operativen Geschäftsgang in den ersten zwei Monaten des Jahres. Die Bank haben in dieser Zeit den höchsten Vorsteuergewinn seit zehn Jahren erreicht. Die Investment Bank haben den Ertrag um 50 Prozent zum Vorjahr verbessert und die Kreditausfälle blieben gering. Diese erfreulichen Entwicklungen mögen ein Grund für die positive Kursreaktion sein.

Möglicherweise wirkt sich aber auch das Aktienrückkaufprogramm der Bank günstig auf die aktuelle Börsenperformance der Credit-Suisse-Aktien aus. Die Bank hat am 11. und am 12. März die grössten Rückkäufe im laufenden Jahr getätigt, wie sie auf ihrer Webseite ausweist.

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