Papiergrüsse

Dank Apps und Retro-Kult: Die Postkarte ist wieder im Trend

Trotz E-Mail, SMS und den sozialen Medien: Die Postkarte erlebt derzeit ein Revival.

Lange gehörte es einfach dazu: In den Ferien an den Kiosk zu gehen, einen Stapel Postkarten zu kaufen und Grüsse an die Daheimgebliebenen zu schicken. Eine Freude, die Karte aus dem Briefkasten zu nehmen, sie anzufassen, sie zu lesen. Genauso die Geburtstagsgrüsse aus der Ferne von guten Freunden, von Verwandten.

Aber diese Tradition, so schien es lange, ging verloren. Dies zeigten die Zahlen des Verbands Schweizerischer Kartenverleger und -grossisten deutlich: Wurden im Jahr 1990 hierzulande über 60 Millionen Stück verkauft, ist die Anzahl im Jahr 2000 auf 40 Millionen gesunken. Heute kommen noch rund 25 Millionen in den Umlauf – das Zeitalter von E-Mail, Smartphone und den sozialen Medien liess – sprichwörtlich – grüssen.

Damit ist nun Schluss. Laut Thomas Bähler, Geschäftsführer des Kartenverlegerverbands, konnte der Abwärtstrend gestoppt werden. Die Verkaufszahlen seien in den letzten Jahren «nur noch leicht rückgängig». «Die Postkarte erlebt ein Revival», sagt auch Nathalie Dérobert Fellay, Mediensprecherin der Schweizerischen Post. Abgeschrieben sind die Karten also noch lange nicht. Im Gegenteil.

Drei Millionen Karten verschickt

Wie Papiergrüsse in der digitalisierten Welt weiterhin bestehen können, zeigt die Hybridpostkarte der Post. Anhand einer App kann ein Benutzer ein selbstgeknipstes Foto mit einer Grussbotschaft beschriften, kurze Zeit später landet sie als physische Postkarte beim Empfänger im Briefkasten. Eine Karte pro Tag ist mit der «Postcard-Creator-App» gratis, ein mehrfacher Versand ist nur auf der gleichnamigen Internetseite möglich und kostenpflichtig. Seit der Lancierung im März 2014 wurden drei Millionen Stück verschickt, mehr als 300 000 Mal wurde die Software heruntergeladen.

Die App sowie die Tatsache, dass eine Postkarte greifbar sei und stärker als elektronische Grüsse wahrgenommen werde, unterstütze diesen Kartentrend, ist Dérobert Fellay überzeugt. Der Bundesbetrieb ist mit der Postkarten-App nicht alleine. Drei weitere Schweizer Anbieter gibt es auf dem Markt. Nicht alle erfreuen sich jedoch ob der Gratis-Konkurrenz (siehe separater Text unten).

Retro-Kultstatus bei den Jungen

Papiergrüsse könnten sich auch gut halten, weil die Anzahl der Verkaufspunkte, zum Beispiel Hotels, Kiosks, gewisse Lebensmittelgeschäfte und Tourismusbetriebe, mehr oder weniger stabil geblieben seien, sagt Thomas Bähler vom Kartenverlegerverband. «Eine Postkarte ist immer noch eine hochwertigere Botschaft als eine elektronische Nachricht.» Diese Tatsache würden erfreulicherweise auch Jüngere erkennen, bei denen die Karte sogar Retro-Kultstatus geniesse. Ein Blick in den Ferienreport 2014 von Kuoni bestätigt dies: Laut Reiseveranstalter würde fast jeder zweite 18- bis 29-Jährige eine Postkarte schreiben.

Weniger gut ist die Situation in Deutschland, wo sich der Rückgang stärker bemerkbar macht: Die Anzahl Postkarten ist zwischen 2009 und 2014 um über 20 Prozent von 270 auf 210 Millionen gesunken. Gemäss der Deutschen Post liegen die Gründe insbesondere bei den elektronischen Medien. Immer mehr Kunden würden per E-Mail, Messenger oder SMS kommunizieren. Dennoch wird dort vor allem noch im Sommer zum Schreibstift gegriffen: Alleine von Juni bis August 2014 hat die Deutsche Post 57 Millionen Stück befördert.

Die Vermutung liegt nahe, dass auch in der Schweiz mehr Papiergrüsse verschickt wurden. Konkret belegbar ist dies aber nicht: Bei der Schweizerischen Post wird eine Karte, im Gegensatz zu Deutschland, nicht als solche erfasst, sondern wie ein Brief.

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