Die Richemont-Gruppe hat im Jahr der Wiederauferstehung der Schweizer Luxusuhrenindustrie ein gutes Jahresergebnis erzielt. In dem Ende März abgeschlossenen Rechnungsjahr resultierte aus einem 3 Prozent höheren Umsatz von nahezu 11 Milliarden Euro ein fast unveränderter Gewinn von 1,2 Milliarden Euro. Richemont machte vor allem mit Schmuck gute Geschäfte. Allen voran Cartier war ein wichtiger Wachstumstreiber. Den Aktionären winkt eine Erhöhung der Dividende von Fr. 1.80 auf Fr. 1.90 pro Titel. Dennoch fielen die Aktien an der Börse deutlich und gingen mehr als 5 Prozent tiefer aus dem Handel. Allerdings haben die Aktien seit Herbst 2016 eine spektakuläre Bergfahrt vollführt und erst kürzlich ein Allzeithoch erreicht.

Gegen den Graumarkt

Unzufrieden zeigten sich manche Finanzanalysten mit dem minimalen Gewinnanstieg, der sogar noch spärlicher aussieht, wenn man ihn ins Verhältnis zum wechselkursbereinigten Umsatzwachstum setzt. Ein wichtiger Grund dafür waren die fortgesetzten Rückkäufe von Uhren, die nach den Flautejahren in den Regalen der Einzelhändler liegen geblieben sind und jetzt als Ladenhüter in den Graumarkt gelangen könnten. Richemont hat für diese Rückkäufe im Berichtsjahr netto 203 Millionen Euro ausgelegt – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Richemont und anderen Luxusuhrenhersteller wollen unbedingt verhindern, dass die Händler unverkäufliche Uhren zu tieferen Preisen über Zwischenhändler auf dem vorwiegend im Internet stattfindenden Graumarkt absetzen. Der Graumarkt sei ein echtes «Geschwür», sagte Jean-Claude Biver, Leiter der Uhrensparte des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH im letzten Jahr im Interview mit der Zeitung «L’Agéfi». Das Image der hochpreisigen Uhren bekommt gezwungenermassen erhebliche Kratzer, wenn die wertvollen Zeitmesser zur Hälfte des Listenpreises auf Online-Portalen feilgeboten werden.

Richemont gab sich zuversichtlich, dass die Lagersituation der Händler nach den jüngsten Rückkäufen bereinigt ist. Doch wie es scheint, mögen einige Investoren noch nicht ganz an diese Darstellung glauben. Immerhin aber verkauft Richemont einen Grossteil der Produktion über das eigene Ladennetz. Im letzten Jahr waren es 63 Prozent. Der Unterhalt der 1123 eigenen Boutiquen erzeugt hohe Kosten: Von den Investitionen in Sachanlagen über 436 Millionen Euro ging gemäss Jahresbericht ein Grossteil für Umbauten und Renovation der meist in ultrateuren Zentrumslagen gelegenen Verkaufsgeschäfte drauf.