Carlos Slim
Das ist der reichste Mann der Welt: Ganz Mexiko füllt ihm die Taschen

Carlos Slim ist der König von Mexiko, einflussreicher als Staatspräsident Felipe Calderon. Slim ist der reichste Mann der Welt. Wie ist der reichste Mann der Welt zu seinem gigantischen Vermögen gekommen?

Sandra Weiss, Puebla
Drucken
Erste Million mit 17: Carlos Slim in seinem Büro. Laif/New York Times

Erste Million mit 17: Carlos Slim in seinem Büro. Laif/New York Times

Carlos Slims Biograf José Martínez beschreibt ihn als skrupellosen Eroberer, smarten Verhandlungsführer, politischen Strippenzieher. Politologin Denise Dresser sagt: «Er kontrolliert alles, kauft alles, er ist die fünfte Macht im Staat und bleibt dabei stets im Schatten.»

In Mexiko füllt jeder Slims Kassen. Zu seinem Imperium gehören die grösste Telefonfirma, Handy- und Internetanbieter, Kaufhäuser, Restaurants, Bäckereien, Immobilienfirmen, Tabakfirmen, Versicherungen, Erdölzulieferer, Pensionsfonds, Bergbaufirmen, Autozubehörhersteller, Fluggesellschaften und Musikläden.

Carlos Slim - 74 Milliarden Der mexikanische Unternehmer (71) der Telekommunikationsbranche führt die Forbes-Liste der reichsten Menschen an.
10 Bilder
Das sind die reichsten Menschen der Welt
Warren Buffett - 50 Milliarden Der amerikanische Grossinvestor und Unternehmer (80) ist der drittreichste Mann der Welt.
Bernard Arnault - 41 Milliarden Der reichste Mann Europas (62) ist studierter Ingenieur und Vorstandsvorsitzender des Luxuxgüter-Konzerns LVMH (unter anderem Louis Vuitton, Moët & Chandon und Hennessy).
Larry Ellison - 39,5 Milliarden Ellison (66) ist Gründer und Präsident des Softwarekonzerns Oracle.
Lakshmi Mittal - 31,1 Milliarden Der indische Unternehmer (60) ist Vorsitzender des Stahlkonzerns AcelorMittal.
Amancio Ortega - 31 Milliarden Ortega (74) ist Unternehmer im Bekleidungssektor (Zara) und gilt als reichster Mann in Spanien.
Eike Batista - 30 Milliarden Batista (54) ist der reichste Mann von Brasilien. Das Vermögen des Studienabbrechers gründet im Bergbaugeschäft.
Mukesh Ambani - 27 Milliarden Das Öl- und Gaskonglomerat von Ambani (53) ist Indiens wertvollstes Unternehmen.
Christy Walton - 26,5 Milliarden Die Witwe (56) von Walmart-Gründer John Walton und ihre Familie haben ein Vermögen geerbt.

Carlos Slim - 74 Milliarden Der mexikanische Unternehmer (71) der Telekommunikationsbranche führt die Forbes-Liste der reichsten Menschen an.

Keystone

Im Zentrum steht seine Carso

Slims Holding heisst Carso, nach den ersten Silben seines Vornamens und denen seiner verstorbenen Frau Soumaya. Rund 27 Millionen Dollar täglich streicht der 71-jährige Sohn libanesischer Einwanderer täglich an Gewinn ein. Derweil muss jeder fünfte Mexikaner mit weniger als zwei Dollar auskommen. Das Firmenkonglomerat der Familie Slim, zu der auch seine sechs Kinder gehören, umfasst mittlerweile ein Drittel der an der mexikanischen Börse kotierten Firmen und erwirtschaftet über 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Der Geschäftssinn wurde Slim in die Wiege gelegt. «Hingabe, Talent und Fleiss» forderte der Vater von seinen Sprösslingen, die schon als Erstklässler Buch führen mussten über die Verwaltung ihres Taschengelds. Carlos legte rasch ein gutes Gespür für Geschäfte an den Tag. Und eine Zahlenobsession. «Sie sprechen zu mir», sagt der gelernte Ingenieur.

Bereits als Teenie an der Börse

Als Teenager investierte er mit Vaters Segen an der Börse, mit 17 hatte er die erste Million in der Tasche. Bis heute notiert Slim seine Aufträge in einem schwarzen Notizbuch, den Computer könne er gerade mal ein- und ausschalten, kokettiert er. Früher hatte er noch alle Konzernbilanzen im Kopf, inzwischen helfen ihm zig Assistenten. Slim strahlt natürliche Autorität aus; seine Mitarbeiter himmeln ihn an. Er hat investiert in ihre Ausbildung und ihnen seine ehernen Gebote eingebläut: in guten Zeiten massvoll bleiben, geduldiger Optimismus trägt immer Früchte.

In Slims Hauptquartier sind die Sicherheitskontrollen streng – auch deshalb, weil das Gebäude zahlreiche der Kunstschätze birgt. Slims Sammlung von Werken des französischen Bildhauers Auguste Rodin ist die zweitgrösste der Welt – nach dem Rodin-Museum in Paris.

«Ich bin nicht der Weihnachtsmann, Wohltätigkeit löst das Problem der Armut nicht.» Mit solchen Sätzen schuf er sich den Ruf, ein eiskalter Abzocker zu sein. Doch seit dem Tod seiner Frau und seiner eigenen Herzerkrankung widmet er sich stärker der Philanthropie und der Kunst. Wenn er sterbe, nehme er nichts mit, begründete er seinen Sinneswandel. Zehn Milliarden Dollar hat er nach Angaben der «Financial Times» für philanthropische Zwecke ausgegeben. Seine Stiftungen kümmern sich vor allem um Bildung und Jugendliche.

Diverse Verfahren

Seine Kritiker halten Slims spätes soziales Engagement für ein Feigenblatt. Er blockiere wie ein Feudalherr die Wettbewerbsfähigkeit und damit das Wachstum Mexikos, schreibt etwa Dresser. Die monopolistische Struktur eines Unternehmens wie Telmex zementiere die Ungerechtigkeit und sorge dafür, dass die Mexikaner die teuersten Telefontarife in der OECD zahlen müssten, so die linke Zeitung «La Jornada».

Der Kauf von Telmex im Jahr 1990 war sein grösster, aber auch umstrittenster Coup. 1,8 Milliarden zahlte Slim für das staatliche Telefonmonopol – ein lächerlicher Preis, kritisierten damals schon Experten und witterten Korruption. Schliesslich war der skandalumwitterte Präsident Carlos Salinas ein Freund Slims. Bewiesen wurde freilich nie etwas. Die Anti-Monopol-Behörde eröffnete diverse Verfahren, die aber alle wundersam eingestellt wurden. Slims politische Kontakte nutzten ihm immer, um erfolgreich Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen.

Aktuelle Nachrichten