Zinsen

Das sind die grössten Gefahren für den Schweizer Finanzplatz

Warnt vor den Risiken für den Schweizer Finanzplatz: Finma-Direktor Mark Branson.

Warnt vor den Risiken für den Schweizer Finanzplatz: Finma-Direktor Mark Branson.

Neuer Leitzins, Tiefzinsumfeld oder Blase im Hypothekarmarkt: Die Finanzmarktaufsicht veröffentlicht einen Bericht über die Risiken für den Schweizer Bankensektor – sie sucht so auch den Dialog mit ihren Kritikern.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) steht seit geraumer Zeit unter politischem Druck. Dieser hat dazu geführt, dass der Bundesrat im Mai einen Verordnungsentwurf über die präzisere Ausgestaltung der Kompetenzen der Behörde in die Vernehmlassung schickte. Das Lobbying von Banken und Versicherungen gegen den nach ihrer Auffassung überzogenen Regulierungsanspruch der Finma feiert einen Teilerfolg.

Die Behörde selbst versteht ihre Regulierungstätigkeit als angemessen und vor allem als eingebettet in einen transparenten Prozess, der auch die Betroffenen systematisch einbeziehe. Doch darüber scheiden sich die Geister. Die Finanzbranche stösst sich an den sogenannten «Rundschreiben», in denen die Finma den Beaufsichtigten Handlungsanweisungen erteilt. Solche Rundschreiben haben in vielen Fällen zu Irritationen geführt und der Finma in der Finanzbranche den Ruf der Willkür eingetragen.

Die Risiken früh erkennen und warnen

Nun will die Behörde aktiver über die von ihr identifizierten Risikofelder informieren, in der Hoffnung, dass ihre daraus abgeleitete Aufsichtsarbeit in den beaufsichtigten Unternehmen wie auch in der Politik und in der breiteren Öffentlichkeit weniger Überraschungen schafft. «Wir wollen, dass man versteht, wie wir zu unseren Erkenntnissen gelangen», begründete Finma-Direktor Mark Branson gestern in Zürich die erstmalige, öffentliche Vorlage des Finma-«Risikmonitors».

Der Monitor ist eine Art Landkarte der Finanzbranche, auf der die nach dem Verständnis der Aufseher bedeutendsten Gefahren eingezeichnet sind. «Die Leute verstehen noch zu wenig, dass wir die Themen unserer Überwachungstätigkeit systematisch angehen», sagte Branson. Man habe die Hoffnung, dass der bislang nur als internes Arbeitsinstrument verwendete Risikomonitor durch seine künftig jährliche Veröffentlichung selbst zu einem Aufsichtsinstrument werden könne. Gemeint ist, dass das Instrument das Bewusstsein für Risiken schafft, wo ein solches noch gar nicht oder nur schwach vorhanden ist.

Ein Beispiel dafür sind die Risiken, die sich aus der Ende 2021 geplanten Ablösung des Libor-Referenzzinssatzes. Rund ein Fünftel aller ausstehenden Hypothekarkredite in der Schweiz basieren auf dem Libor. Werden die Verträge nicht rechtzeitig angepasst und auf eine Grundlage gestellt, die über das Jahre 2021 hinausgeht, kann es zu Rechtsstreitigkeiten mit Kunden kommen. Im April erfragte die Finma das Risikobewusstsein der Banken in diesem Bereich. Fazit: Es besteht «ein deutlicher Nachholbedarf». Viele Institute wussten nicht einmal, wie viele Verträge mit Kunden bestehen, die über das Jahr 2021 hinausreichen. Das mangelnde Risikobewusstsein der Banken ist offenbar auch ein Grund dafür, dass die Akzeptanz alternativer Referenzzinssätze wie dem im Juni von der Nationalbank als neuer Leitzinssatz gewählte Saron im Markt bis heute gering geblieben ist.

Es droht die eine oder andere böse Überraschung

Die Umstellung ist eben auch knifflig und kostspielig. Zu bewältigen gibt es unter anderen das Problem, dass der Saron ein Tagesgeldsatz und der Libor ein Dreimonatssatz ist. Das erschwert es, die neuen und die alten Verträge in Einklang zu bringen. Doch an diesem Punkt ist die Branche noch lange nicht. Das ist bedenklich. Die Finma sieht hohe Risiken einer unvorbereiteten Libor-Ablösung.

Für andere Gefahren auf der Risiko-Landkarte dürfte das Bewusstsein höher sein. So etwa für die zunehmenden Gefahren von Cyberattacken auf die IT-Systeme der Banken. Kommen deren Kunden aufgrund eines Hacker-Angriffs nicht mehr an ihr Geld, sieht sich das betroffene Institut der Gefahr eines Rufschadens und sogar eines gefährlichen Vertrauensschwundes ausgesetzt. Ausserdem könnte noch die eine oder andere böse Überraschung drohen, wenn die Finanzunternehmen in ihren Geschäftsmodellen den wirtschaftlichen Risiken des Tiefzinsumfelds oder auch der Gefahr einer unvermittelt scharfen Zugangsbegrenzung zum EU-Markt zu wenig Rechnung tragen. Die Finma tut gut daran, solche Gefahren aktiv zu kommunizieren.

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Autor

Daniel Zulauf

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