Wirtschaft

Datenklau bei Amazon-Chef durch saudischen Kronprinz: Handys von Top-Managern sind ein Einfallstor für internationale Spionage

Hinter einem Hackerangriff auf das Smartphone von Amazon-Chef Jeff Bezos soll der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (Bild) stecken. (Bild: Reuters (Riad, 21. Januar 2020))

Hinter einem Hackerangriff auf das Smartphone von Amazon-Chef Jeff Bezos soll der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (Bild) stecken. (Bild: Reuters (Riad, 21. Januar 2020))

Die Affäre um das Handy von Jeff Bezos zeigt: Selbst Top-Manager gehen mit dem Schatz in ihren Smartphones fahrlässig um.

Jeff Bezos, einer der mächtigsten und reichsten Unternehmer der Welt, sorgte diese Woche für Schlagzeilen. Nachdem sein Smartphone vor zwei Jahren einem Hackerangriff ausgesetzt war, wurden persönliche Daten des Amazon-Gründers abgezogen. Der Verdacht, über den britische Medien als erste berichteten, fiel auf den saudi-arabischen Kronprinzen Mohammad bin Salman. Er gilt als Hitzkopf und gehört bei kriminellen Bezichtigungen zu den «üblichen Verdächtigen». Der künftige König ist nicht nur ein zielstrebiger Reformer des konservativen Wüstenreichs. Er greift eben auch schon Mal zu unlauteren Mitteln, um seine Interessen durchzusetzen.

Experten der Vereinten Nationen schlagen jetzt Alarm und fordern eine Untersuchung der Vorwürfe. Sie seien sich «ziemlich bis sehr sicher», dass der Angriff vom saudischen Kronprinzen ausging. Er habe Bezos über Whatsapp einen Videoclip geschickt, der als digitaler Trojaner funktioniert habe. In Riad werden die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Saudi Arabien mache nichts Illegales, heisst es offiziell. Die saudische Botschaft in Washington spricht von «absurden» Vorwürfen.

Keine Schadstoffsoftware auf dem Handy gefunden

In der Tat sind zentrale technische Fragen noch ungeklärt. Bisher habe sich, so der forensische Bericht der Ermittler, auf Bezos Handy keine Schadstoffsoftware nachweisen lassen. Zudem sei unklar, an welche Adresse die abgezogenen Daten übermittelt wurden.

Und doch: Unvergessen ist die Affäre um den Tod von Jamal Khashoggi, der in der Washington Post, die Bezos gehört, sehr kritisch über die Königsfamilie in Saudi Arabien geschrieben hatte. Die Art und Weise, wie der Kronprinz die Bürger unterdrücke, sei zunehmend «unerträglich», schrieb Khashoggi zum Beispiel vor drei Jahren. Später wurde der Regimekritiker im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet. Bin Salman nahm schliesslich die Verantwortung für die Tat auf sich, weil sie «unter seiner Regentschaft» geschehen sei. Doch er stritt ab, Drahtzieher des Auftragsmordes zu sein.

Bezos und Bin Salman tauschten Privatnummer

Jetzt wirft Jeff Bezos dem Kronprinzen vor, dass er ihn als Verleger der Washington Post mit dem Handyangriff erpressen wollte. Denn vor einem Jahr publizierte ein Boulevardblatt pikante Einzelheiten aus dem Privatleben des Milliardärs: Die Zeitung enthüllte Bezos’ ausssereheliche Beziehung mit der Nachrichtensprecherin Lauren Sanchez. Die Fotos hatte Bezos kurz zuvor an seine damalige Freundin geschickt.

Bin Salman hatte sich vor zwei Jahren im Silicon Valley mit High-Tech-Unternehmern getroffen, darunter auch Bezos. Bezos prüfte damals die Eröffnung eines Amazon-Datenzentrums in Saudi Arabien. Was anfänglich wie der Beginn einer vielversprechenden Partnerschaft wirkte, hat für Bezos jetzt den Geruch eines verhängnisvollen Treffens. Denn laut Guardian soll Bezos kurz nach dem Meeting eine Whatsapp-Meldung mit einem Clip erhalten haben, dessen Absender bin Salman war.

Die Handy-Affäre ist ein Weckruf. Denn wenn selbst ein Mann wie Bezos digitalen Schnüfflern ausgesetzt ist, sind alle bedroht, die ein Smartphone benützen. Dabei gäbe es relativ einfache Vorsichtsmassnahmen. Die kluge Verwendung von Passwörtern ist die einfachste Methode. Spezialisten empfehlen, private und geschäftliche Daten auf separaten Handys zu speichern. Zudem raten sie bei privatem Gebrauch zum Einsatz sogenannter Burner, also preisgünstiger Handys mit einer Prepaid-Karte, die parallel zu den komplexeren Smartphones verwendet und die häufig ausgewechselt werden können.

Immer raffiniertere Spionage-Methoden

Falls die Ermittler recht haben, sollte dringend nicht nur über Cyber-Regulationen nachgedacht werden, sondern auch über den angemessenen Umgang mit dem Datenschatz. Denn der Fall Bezos zeigt einmal mehr, wie schlecht vorbereitet selbst High-Tech-Top-Manager gegenüber Cyberangriffen sind. Mit dem schnellen Vormarsch des Internet of Things, das Geräte, Datenbanken und Infrastruktureinrichtungen miteinander verknüpft, steigt der Nutzen, den Hacker aus einem Angriff ziehen können. Und damit auch ihr Anreiz, sich mit immer raffinierteren Methoden Informationen zu beschaffen. Wo einst eine ganze Spionageabteilung nötig war, reicht heute der kleine Rechner in der Hand, um an vertrauliche Daten heranzukommen. Es gibt gegen diese Schnüffler zwar durchaus Schutzmassnahmen – aber sie sind nicht immer so kostengünstig wie die Burner.

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