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De Sede bleibt nicht sitzen

Überraschender Deal in der Schweizer Möbelbranche: Die Firmengruppe de Sede (DSG) mit Sitz in Klingnau übernimmt von einheimischen Investoren die Willisauer Wellis AG mit der Hauptmarke Team by Wellis.

Ruedi Mäder
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De Sede bleibt nicht sitzen

De Sede bleibt nicht sitzen

Das Innerschweizer Unternehmen wird zwar vollständig integriert, aber der Fabrikationsstandort Willisau bleibt erhalten. Geschäftsführer Roland Renggli wechselt in die Geschäftsleitung von DSG.

Die Wellis AG produziert heute mit rund 90 Beschäftigten komplette Wohnprogramme in einer mittleren bis höheren Preislage, darunter hochwertige Kastenmöbel. Wellis erwirtschaftet rund zwei Drittel des Umsatzes im Heimmarkt Schweiz; Holland und Deutschland sind zurzeit die grössten Exportmärkte.

De Sede mit Wachstumsstrategie

«Wellis war unser Wunschkandidat und ist sehr fit», erklärte Alice Stümcke, CEO und Minderheitsaktionärin von DSG, im Gespräch mit der az. Sie kontert mit dieser Aussage auch gewisse Einschätzungen aus der Branche, wonach es sich bei Wellis um eine Baustelle handle. Mit dem Kauf, rückwirkend per Anfang September 2010, setzt de Sede ihre internationale Expansionsstrategie fort. Wie etliche andere Premiummarken wolle sich de Sede über die angestammte Polstermöbelschiene hinaus «in Richtung Einrichtungsmarke» entwickeln, erläuterte Stümcke. In der Schweiz werde man Team by Wellis als Komplett-Einrichtungsmarke weiterführen. Im Ausland will man in einer ersten Phase gezielt die Wellis-Kastenmöbel gleichsam als Begleiter neben de Sede positionieren. Im Visier hat de Sede dabei in erster Linie das sogenannte Objektgeschäft, bei dem es zum Beispiel um die Möblierung von Firmenempfangsräumen geht. Mit Blick auf Wellis streicht der bisherige Geschäftsführer Renggli insbesondere Synergien in der Marktbearbeitung heraus.

Neu drei Produktionsstandorte

Die Gruppe mit Fabrikationswerken in Klingnau und Hochstadt am Main (Oberfranken) zählt – noch ohne das Wellis-Team – rund 430 Beschäftigte, davon 200 im Haus de Sede. Das Markenportfolio umfasst neben dem Premiumlabel de Sede die Polstermöbelmarken FSM, machalke und mliving.

Die az schätzt den DSG-Umsatz auf rund 150 Millionen Franken. Die Gruppe bewege sich aktuell auf Vorjahreskurs und sei damit «gut unterwegs», zog CEO Alice Stümcke eine Zwischenbilanz. Der deutsche Markt für Polstermöbel habe sich noch nicht erholt. Andererseits verzeichne de Sede eine erfreuliche Entwicklung im Exportgeschäft.

Hauptaktionär der DSG ist seit 2008 Capvis aus Zürich, das führende Schweizer Private-Equity-Haus. 2005 war Capvis bei der deutschen Möbel-Manufaktur Machalke als neuer Hauptaktionär eingestiegen. Capvis hat bei der Wellis-Übernahme finanzielle Unterstützung geboten.

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