Die UBS-Aktionäre haben dem Verwaltungsrat und der Konzernleitung an der Generalversammlung in Basel einen Denkzettel verpasst. 41,6 Prozent der Eigentümer stimmten gegen deren Bankführung. 16,7 Prozent enthielten sich der Stimme.

Nur 41,7 Prozent waren dafür, die Manager für deren Arbeit im vergangenen Jahr aus der Verantwortung zu entlassen. Das nötige Mehr von 50 Prozent wurde damit klar verfehlt. Es ist nicht das erste Mal, dass die UBS-Führung einen solchen Schuss vor den Bug hinnehmen muss. In der Vergangenheit hatten die Aktionäre den verantwortlichen Organen um den damaligen Präsidenten Marcel Ospel die Décharge versagt.

Das gestrige Votum war umso deutlicher, als es mit einer sehr hohen Stimmbeteiligung zustande kam. Fast 76 Prozent aller Aktienstimmen waren an der Versammlung vertreten. Ein verschwindend kleiner Teil davon entfiel auf die anwesenden 1254 Aktionäre. Sie bemühten sich nach Basel in die St. Jakobshalle, um den Erklärungen von Präsident Axel Weber und Chef Sergio Ermotti zu lauschen.

Ein gutes Dutzend von ihnen ergriff das Mikrofon, um sich einmal mehr über die hohen Gehälter und Boni der Verantwortlichen zu beklagen. Diese stehen schräg in der Landschaft, wenn man sich den zuletzt starken Rückgang des Aktienkurses und die hohen finanziellen Risiken im laufenden Rechtsstreit um mutmassliche Beihilfen zum Steuerbetrug in Frankreich vor Augen führt.

Ein Pariser Gericht hatte die UBS im März in erster Instanz zu Strafzahlungen von 4,5 Milliarden Euro verurteilt. Die von dem Gericht beurteilten Fälle gehen auf die Jahre 2004 bis 2011 zurück, weshalb Weber eine persönliche Verantwortung des aktuellen Managements zurückwies.

Einigung nicht akzeptabel

Ungeachtet dessen verteidigte der Deutsche den eingeschlagenen Kurs, den Streitfall gerichtlich durchzustehen und die Möglichkeit eines aussergerichtlichen Vergleichs auszuschlagen. Eine solche Einigung sei in einer für die Aktionäre akzeptablen Form gar nicht möglich gewesen. Zudem habe der Prozess auch in keiner Weise gezeigt, dass die UBS die damals geltenden Vorschriften verletzt habe.

Chefjurist Markus Diethelm liess in seinen Ausführungen zum Fall durchblicken, auf welcher Grundlage sich die Bank in Frankreich weiter verteidigen will. 2004 hatte die EU mit Drittstaaten wie der Schweiz ein sogenanntes Zinsbesteuerungsabkommen zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung abgeschlossen. Die UBS wird sich nun auf den Standpunkt stellen, dass für die vielen in dem Abkommen verbliebenen Steuerschlupflöcher die EU in ihrer Gesamtheit verantwortlich war und eine französische Einzelposition deshalb nicht vertretbar ist.

Der US-Stimmrechtsberater ISS hatte ihren Kunden im Vorfeld der Generalversammlung empfohlen, der UBS-Spitze die Entlastung zu verweigern. Dies würde mögliche rechtliche Schritte wie Verantwortlichkeitsklagen gegen die Führung der Bank zu einem späteren Zeitpunkt ermöglichen.

Für viele Aktionäre scheint die Verweigerung der Entlastung tatsächlich ein eher formeller Vorgang zu sein, der nicht unbedingt als Kritik an der Leistung der Bankführung gelesen werden kann. Ein Indiz waren die hohen Stimmenanteile, mit denen die zehn zur Wiederwahl angetretenen Verwaltungsräte in ihren Ämtern bestätigt wurden. Die Zustimmungsraten bewegten sich zwischen 92 Prozent und 98 Prozent.

Kritik an den hohen Löhnen

Dennoch blieb auch die Leistung der UBS-Führung nicht ohne Kritik. Viele Kleinaktionäre monierten in ihren Redebeiträgen die hohen Gehälter von Ermotti und Co. Mit einem Gehalt von 14,1 Millionen Franken war der Tessiner im vergangenen Jahr einer der bestbezahlten Manager der Schweiz.

Weber schaffte es mit seinem Salär von 6 Millionen Franken sogar zum höchstbezahlten Verwaltungsratspräsidenten Europas. Dieser betonte zwar, man sei auch im Verwaltungsrat nicht zufrieden mit dem Aktienkurs, zumal dieser weder den langfristigen Wert der Bank noch deren Marktposition spiegle. Doch sein Versprechen, diese Entwicklung «sehr ernst» zu nehmen und alles zu tun, damit sich die Ertragskraft der Bank auch im Börsenwert reflektiere, ist bei vielen Investoren offensichtlich nicht angekommen.

In der Konsultativabstimmung über den Vergütungsbericht sagten über 20 Prozent Nein. Bei der verbindlichen Abstimmung über die 2018 ausbezahlten Boni betrug der Anteil der Nein-Stimmen rund 19 Prozent. Zu den Kritikern gehörte die Genfer Anlagestiftung Ethos. Direktor Vincent Kaufmann forderte, dass der Verwaltungsrat das Vergütungssystem anpasst.

Dabei soll künftig die Aktienperformance stärker berücksichtigt werden. Auch Kleinaktionäre eilten Kaufmann zur Hilfe. Die Kunden hätten das Vertrauen in die Bank verloren, sagte August Lampert. Er sei seit 60 Jahren Kunde und seit Jahrzehnten Aktionär. «Vertrauen hat nichts mit Entschädigung zu tun, Vertrauen muss man sich täglich erarbeiten. Herr Ermotti und Herr Weber bewegen sie sich», forderte Lampert.

Knoten zur Erinnerung

Wie an der Generalversammlung der Credit Suisse kam auch bei der UBS die Klimadebatte zur Sprache. Aktionär Urs Troxler stellte sich als Klima-Soldat vor. «Herr Weber, machen Sie einen Knopf in ihre Schnudderlümpe, damit die Klimafrage nicht vergessen geht.» Weber macht sich in der Folge tatsächlich einen Knopf in sein Taschentuch und ergänzt: «Schauen Sie, meines ist blütenweiss». Damit hatte Weber die Lacher zumindest für diesen Moment auf seiner Seite.