Finma
Der neue Finma-Präsident nimmt den Umweg übers Praktikum

Thomas Bauer wird Präsident der Finanzmarktaufsicht. An seinen neuen Job will er sich langsam rantasten.

Fabian Hock
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Thomas Bauer wird Anfang 2016 neuer Verwaltungsratspräsident der Finma und noch ganz oft vertrauliche Gespräche mit Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf führen.

Thomas Bauer wird Anfang 2016 neuer Verwaltungsratspräsident der Finma und noch ganz oft vertrauliche Gespräche mit Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf führen.

KEYSTONE

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma bekommt einen neuen Präsidenten. Zu Beginn des kommenden Jahres übernimmt Thomas Bauer das Amt des Verwaltungsratspräsidenten von Anne Héritier Lachat, die die Finma nach Ablauf ihrer Amtsperiode Ende 2015 verlässt. Neben Lachat scheidet auch Vizepräsident Paul Müller nach dem Ende der laufenden Amtsperiode Ende des Jahres aus dem Verwaltungsrat aus.

«Es war ein langer Suchvorgang», sagte Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf am MIttwoch vor den Medien in Bern. Mit verschiedenen Kandidaten habe man zuvor gesprochen. Die Wahl sei auf Bauer gefallen, weil er ein ausgewiesener Fachmann im Bankenrecht sei und im Bereich der Sorgfaltspflicht und Geldwäschereiprävention sowie im Gesellschaftsrecht grosse Expertise mitbringe. Auch Kenntnisse im Insolvenz- und Sanierungsrecht seien für das Amt bei der Finma wichtig, betonte Widmer-Schlumpf.

Rechtsexperte und SVP-Mitglied

Bauer ist Baselbieter, SVP-Mitglied und wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. Mehrere Jahre war er in der Rechtsabteilung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst&Young tätig. Er doktorierte zum Thema Börsenrecht und war bei verschiedenen Banken angestellt. Derzeit arbeitet er noch Teilzeit am Kantonsgericht Basel-Landschaft.

Bevor Bauer sein Amt antritt, geht er noch ins «Praktikum» in den Finma-Verwaltungsrat – «um die Abläufe kennen zu lernen», so Widmer-Schlumpf. Im Januar wird der Praktikant Präsident.

Positiv kam die neue Personalie bei der Schweizerischen Bankiervereinigung an. «Die Wahl von Thomas Bauer stärkt das Banken-Know-how bei der Finma», sagt Sprecherin Daniela Flückiger. Die Vereinigung hofft auf einen intensiveren Dialog, als das in den letzten Jahren der Fall gewesen sei. Vom neuen Präsidenten erwarte man, dass dieser eine «sinnvolle Kosten-Nutzen-Abschätzung bei neuen Vorhaben» vornimmt und «den Spagat einer markt- und praxisorientierten Regulierung» hinbekommt.

Hoffnungen setzt auch Ständerätin Anita Fetz (BS,SP) in den designierten Finma-Präsidenten. Bauer habe festgestellt, «dass die Too-big-to-fail-Problematik in der Schweiz noch nicht gelöst ist». Eine gute Voraussetzung für dieses Amt, meint Fetz. Wenngleich sie zugibt: «Mir war der Name bisher völlig unbekannt, auch wenn er aus derselben Region kommt.» Dass er als Jurist im Zusammenhang mit Banken tätig war, sei jedoch ein gutes Zeichen: «Wenn er gut ist, kennt er sämtliche Details – auch die potenziellen Umgehungsmethoden der Institute.» Entscheidend sei die Kompetenz, sagt Ständerätin Fetz. Da spiele das Parteibuch eine eher untergeordnete Rolle.

Drei weitere Neue im Gremium

Die Bankiervereinigung freut sich derweil nicht nur über die Banken-Kompetenz des künftigen Präsidenten. «Wir gratulieren besonders unserer ehemaligen stellvertretenden Geschäftsleiterin Renate Schwob zum Einzug in den Verwaltungsrat», so Sprecherin Flückiger.

Neben Schwob, die zuvor in der öffentlichen Verwaltung und bei der Credit Suisse tätig war, sitzen künftig auch Marlene Amstad und Bernard Keller im Verwaltungsrat der Finma. Amstad war zuvor ebenfalls bei der Credit Suisse sowie bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und ihrem US-amerikanischen Pendant Fed. Keller war zuvor bei Nestlé, der UBS und in der Geschäftsleitung von Julius Bär.

Die drei neuen Verwaltungsräte seien «von den Beaufsichtigten unabhängig und üben bei Amtsantritt keine Tätigkeit mehr aus, die zu Interessenskonflikten führen könnten», betont die Aufsichtsbehörde.