Kündigung

Der seltsame Abgang des Leiters der Geldwäscherei-Meldestelle hallt nach

Geldwäscherei-Experte Daniel Thelesklaf.

Geldwäscherei-Experte Daniel Thelesklaf.

Die Kündigung von Daniel Thelesklaf wirft viele Fragen auf. Welche Rolle spielte ein alter Weggefährte? Und was ist mit der Warnung in seiner Abschiedsmail?

Es ist ein seltsamer Abgang: Der Leiter der Geldwäscherei-Meldestelle MROS, Daniel Thelesklaf, warf Anfang Woche den Bettel hin. Begründet wird die Trennung mit einer Floskel: «Meine Vorstellungen zur strategischen Ausrichtung werden nicht mehr geteilt», gab Thelesklaf an. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) wiederum, bei welchem die Geldwäscherei-Meldestelle angesiedelt ist, liess als Gründe verlauten: «Meinungsverschiedenheiten über die administrative und personelle Führung der MROS sowie über die Umsetzung der Strategie.»

«Business as usual», könnte man meinen. Dass sich ein Amtsinhaber mit der übergeordneten Stelle über die strategische Ausrichtung uneinig ist, kommt vor. Dass dies bereits nach 10 Monaten geschieht, allerdings eher selten. Daniel Thelesklaf trat sein Amt erst im vergangenen August an. Die Ansichten über die Strategie müssen sich schnell und diametral in eine andere Richtung entwickelt haben.

Die Geschichte wiederholt sich

Kommt hinzu, dass Thelesklaf die Behörde sehr gut kennt. Er hatte das Amt bereits einmal inne. 1998 war er der erste Leiter der damals neu gegründeten Meldestelle. Im Jahr 2000 kündigten er und sein damaliger Stellvertreter Mark van Thiel – ebenfalls wegen strategischer Differenzen. Die beiden gründeten Ende 2000 gemeinsam die TvT Compliance in Zürich und berieten fortan Internationale Organisationen und Länder in Sachen Geldwäscherei. Für die Bahamas beispielsweise bauten sie eine Meldestelle für Geldwäscherei auf. Thelesklaf machte sich einen Namen als Berater für den Internationalen Währungsfonds, den Europarat, die OECD oder die Uno. Der Antikorruptionsexperte ist seit Jahren Mitglied der Egmont-Gruppe, der weltweiten Vereinigung der Geldwäscherei-Meldestellen. Dort vertrat er lange Zeit Liechtenstein.

Dass er vor seinem Antritt die Strategie mit Fedpol-Direktorin Nicoletta della nicht geklärt hat, scheint unwahrscheinlich. Die Gründe für die Trennung dürften also woanders liegen. Recherchen von «Schweiz am Wochenende» lassen vermuten, dass dabei ein langjähriger Weggefährte eine Rolle spielte. Per 1. Mai 2020 fand nämlich sein damaliger Stellvertreter Mark van Thiel ebenfalls den Weg zurück zur Geldwäscherei-Meldestelle. Er wurde als Bereichsleiter Operative Analyse Bund angestellt. Auf der Berufsplattform Linkedin hat er seinen Wechsel angekündigt. Der Eintrag ist jedoch wieder entfernt. Auf Nachfrage teilt das Fedpol denn auch mit, dass Herr Mark van Thiel nicht mehr bei MROS arbeite: «Das Arbeitsverhältnis wurde in der Probezeit aufgelöst.»

Einmischen in Personalfragen?

Gemäss «Tages-Anzeiger» sollen Fedpol-Chefin Nicoletta Della Valle sowie ihr Stellvertreter René Bühler bei Personalentscheiden Einfluss genommen haben. Gut möglich, dass es deshalb zum Zerwürfnis kam. Thelesklaf will sich dazu nicht weiter zu seinem Abgang äussern. Er betont aber, dass er bei allen Entscheiden, wo die Gefahr eines Interessenkonflikts bestehen würde, in den Ausstand getreten sei. «Ich habe mir ein Renommee als Korruptionsexperte aufgebaut und ich finde es auch persönlich sehr wichtig, sich an diese Regeln zu halten.»

Van Thiel ist nach wie vor Inhaber der Beratungsfirma TvT Compliance. Die Firma, aus der Thelesklaf Ende 2008 ausgeschieden ist, heisst heute Institute for Compliance and Quality Management AG. Der Handelsregisterauszug zeigt, dass der Eintrag von van Thiel am 13. Mai 2020 gelöscht wurde. Kurz nach seinem Wiedereinstieg bei der Geldwäscherei-Meldestelle. An seiner Stelle wird seither Stephanie van Thiel-Heil als Verwaltungsrätin geführt, seine Frau. Ob seine Beratertätigkeit und etwas mit seiner Kündigung beim Fedpol zu tun haben, ist nicht klar. Van Thiel war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Abschiedsmail mit einer Warnung

In eine andere Richtung hingegen deutet eine Abschiedsmail, die Thelesklaf an ausgewählte Kontakte verschickt hat. Er schrieb: «Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass Emails an meine berufliche E-Mail-Adresse von Leuten ausserhalb der MROS gelesen werden könnten.» Darauf angesprochen begründet er seinen Hinweis so: «Gemäss dem internationalen Standard muss eine Financial Intelligence Unit autonom und operativ unabhängig sein. Wenn die MROS also eine solche Financial Intelligence Unit sein möchte, dann muss gewährleistet sein, dass alle Informationen nur an die MROS gelangen und nicht an Dritte.»

Cathy Maret, Informationschefin von Fedpol, dementiert dies: «Die operative Unabhängigkeit der MROS ist sichergestellt.» Verdachtsmeldungen und alle anderen operativen Daten würden über einen eigenen, unabhängigen Server bei der MROS laufen. Die Systeme seien sehr wohl getrennt. Maret bestätigt, dass es Meinungsdifferenzen über die Unterstellung der MROS gab. Offenbar schwebte Thelesklaf eine Behörde vor, die nicht dem Fedpol unterstellt ist, sondern unabhängig und autonom, nach dem Modell der Bundesanwaltschaft. Die Fedpol-Spitze teilte diese Ansicht nicht: «Das Geldwäschereigesetz schreibt vor, dass fedpol die MROS führt.»

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