Banken-Beben
Der Stress nach dem Stress-Test

Nach dem Brexit schüttelte der EZB-Test die Branche durch – und CS fliegt aus einem grossen Index.

Tommaso Manzin
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Credit Suisse wird ab nächster Woche nicht mehr im wichtigen Aktienindex Stoxx Europe 50 zu finden sein Arnd Wiegmann/Reuters

Credit Suisse wird ab nächster Woche nicht mehr im wichtigen Aktienindex Stoxx Europe 50 zu finden sein Arnd Wiegmann/Reuters

REUTERS

Banken sind stets für eine Krise gut: Ob Immobilien- oder Schuldenkrise, ob Brexit oder wie jetzt der eigentlich zu ihrer Stärkung ins Leben gerufene Test der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Banken bleiben das schwächste Glied der europäischen Volkswirtschaften. Und sie bleiben über Schuldtitel auf Gedeih und Verderb an ihre Domizilstaaten gekettet.

Am Freitag hat die EZB die Ergebnisse des diesjährigen Banken-Stresstests vorgelegt, es ist nach 2014 der zweite (vgl. Box). Der grösste Stress kam aber danach. Auch am Dienstag öffneten die Börsen rot. Erneut waren vor allem Finanztitel der Eurozone betroffen, neben Griechenland am meisten in Italien. Denn mit Monte dei Paschi di Siena (MPS) ist es ein italienisches Institut, das den Test als einziges nicht bestand. Die Aktien von Credit Suisse (CS) und UBS verloren in der ersten Handelsstunde über 5 Prozent.

Index-Rauswurf der CS - die Folgen

Wie ZKB-Aktien-Analyst Michael Kunz auf Anfrage erklärt, hat der Rauswurf der Aktie der Credit Suisse (CS) ab dem 8. August aus dem Aktienindex Stoxx Europe 50 Folgen: «Die Aktie ist dann nicht mehr Teil des Index, sodass Anlageprodukte wie ETFs oder Zertifikate auf diesen Index die Aktie verkaufen müssen.» Manche tun dies vor dem Stichtag, manche danach. «Die meisten bauen ihre CS-Positionen in mehreren Schritten ab, um den Verkaufsdruck zu dämpfen», sagt Kunz. (TM)

Der perfekte Sturm – schon wieder

Als wäre das nicht genug: Die hohen Kursverluste von CS und Deutsche Bank (DB) haben dazu geführt, dass beide Aktien per 8. August aus dem Auswahlindex Stoxx Europe 50 entfernt werden. Dies teilte der Indexanbieter Stoxx am Montagabend mit. Die Stoxx-Indizes bilden die Bewertungsgrundlage für viele Finanzprodukte, etwa börsengehandelte Fonds (ETF). Fällt eine Aktie aus einem Index, müssen sie einige Fonds verkaufen. Wie Nicolas Bürki, Aktienexperte von Mirabaud Asset Management, auf Anfrage erklärt, könnte die CS-Aktie nun noch mehr unter Verkaufsdruck kommen. Ähnlich sieht das die ZKB (vgl. Box). Anderseits habe die Aktie ein Niveau erreicht, bei dem sich Anleger wieder den Einstieg überlegen könnten, erklärt Bürki. Der Titel handle mit weniger als der Hälfte des Buchwerts auf Krisenniveau.

Die Regierungen haben nicht gezögert zu frohlocken, der Test unterstreiche die Solidität ihrer Banken, obwohl er hart gewesen sei. Auf der anderen Seite behaupteten Kritiker noch bevor die Resultate des Tests vorlagen, dieser sei das (viele) Papier nicht wert, auf dem seine Ergebnisse ausgedruckt werden. Er sei zu wenig strikt und hart, lasse zu viele Banken aus. Auch das ist übertrieben: Denn der Test soll ja gerade nur die grössten Banken prüfen, jene, deren Konkurs gefährlich für die Finanzstabilität wäre.

Wer und was geprüft wird

2014 hatte die Europäische Zentralbank (EZB) die grössten 130 Institute der Euro-Zone und einiger Nicht-Euro-Länder geprüft. Am diesjährigen Bankenstresstest nahmen 51 Banken teil, die 70 Prozent der Bilanzsumme aller Banken in der EU ausmachen. Geprüft wurde, ob sie eine neue Krise überstehen würden, ohne zu viel von ihrem Kapitalpolster zu verlieren. Dazu wird eine Rezession simuliert, die ähnlich stark ausfällt wie während der Finanzkrise von 2008 bis 2010. (TM)

Mehr Kapital, mehr Transparenz

Es gibt in Wirklichkeit auch Erfreuliches: Die Banken stehen gesamthaft weit stabiler da als beim Stresstest von 2014. Die haben in zwei Jahren ihr Kapital um 180 Milliarden Euro aufgebessert. Zudem wurde neben dem Szenario einer Rezession anders als 2014 auch das Risiko von Rechtsfällen berücksichtigt. Die Banken haben seit der Finanzkrise Milliarden an Bussen gezahlt, etwa wegen Manipulationen von Wechselkursen oder Zinssätzen wie den Libor. Der Test zeigt auch sonst Wirkung: Die italienische MPS sicherte sich nur Stunden vor der Veröffentlichung der Ergebnisse ein Hilfspaket. Und die DB versicherte, auf gutem Weg zu sein, den Zielwert für ihre Kapitalausstattung Ende 2018 zu erreichen. Eines ist also sicher: Der Banken-Stresstest erhöht die Transparenz im europäischen Bankensystem.

Dennoch (und auch das ist dank dem Test nun amtlich): Im Krisenszenario schneiden nicht nur Banken aus Spanien, Italien oder Irland schlecht ab, sondern auch solche aus Deutschland, Österreich und Grossbritannien. Dabei handelt es sich oft – wie etwa bei DB – um weit grössere Institute als MPS mit weit mehr Schadenpotenzial für ihre Volkswirtschaft.

Zum Test gehören nur Institute der EU. Und wie steht die Schweiz da? ZKB-Aktien-Analyst Michael Kunz erklärt dazu, dass die beiden Schweizer Grossbanken im Vergleich zu italienischen Banken sehr gut dastünden, weil sie kaum faule Kredite haben. Die Kapitalisierung der beiden Schweizer sei aber lang nicht so hoch wie etwa bei skandinavischen Geldhäusern.

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