Der eine trug 200 000 Euro im Hosenbund. Zwei andere nähten sich Taschen in die Hemden und stopften je mehr als 10 000 Euro rein.

Ein Dritter versteckte Bargeld und Goldmünzen im Wert von 530 000 Euro unter den Sitzen seines Autos.

Doch die Verstecke waren nicht gut genug: Die Barmittel-Schmuggler gingen deutschen Zollfahndern des Hauptzollamts Lörrach ins Netz. Lörrach bewacht den Grenzabschnitt vom Rheinknie bis Bad Säckingen.

Im Zug zwischen Lindau und Buchloe fiel Zöllnern ein Hamburger mit einem Lebkuchenhaus auf. Im Kunststoffboden unter dem Naschwerk habe der Reisende 25 000 Euro versteckt, sagt Hagen Kohlmann, Sprecher des Hauptzollamts Ulm, das für den Grenzabschnitt zwischen Konstanz und Lindau zuständig ist.

Am dortigen Bahnhof flog auch ein Hamburger auf, der das Erbe seiner Frau, 250 000 Euro, in Bauchtaschen auf den Körper geschnallt hatte. Aufgefallen war er, weil er mit dem Flieger in die Schweiz einreiste; aber mit dem Zug nach Hause reiste.

Fälle wie diese gibt es auch 2013 wieder Hunderte an der deutsch-schweizerischen Grenze. Denn zur Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung verlangt die EU, dass bei der Ein- oder Ausreise Barmittelbestände von mehr als 10 000 Euro angemeldet werden müssen.

Darunter fallen nicht nur Bargeld, sondern auch Checks, Goldmünzen oder Wertschriften. Wer das auf Anfrage eines Zöllners verheimlicht und ertappt wird, zahlt eine Busse von 25 Prozent der mitgeführten Barmittel.

Die Schweiz kennt keine solchen Limiten. Nur wenn sie ausdrücklich danach gefragt werden, müssen Reisende am Zoll Auskunft darüber geben, ob sie Vermögenswerte von mehr als 10 000 Franken mit sich führen.

Die Mehrzahl der Personen, die von deutschen Zöllnern erwischt werden, sind allerdings keine Geldwäscher, sondern Steuerhinterzieher.

Steuerbehörden profitieren

Michael Hauck, Sprecher des für den Grenzabschnitt Bad Säckingen bis Konstanz zuständigen Hauptzollamts Singen, sagt: «Von den 2012 bei uns verzeichneten 376 Fällen handelte es sich bei 69 um den Anfangsverdacht Geldwäsche.»

Die Steuerbehörden erhielten insgesamt 1881 Mitteilungen. Dazu zählen nicht nur die Fälle von Barmittelschmuggel. Oft finden Zöllner bei kontrollierten Personen Konto- oder Depotunterlagen über ausserhalb Deutschlands parkierte Vermögenswerte.

Auch diese Informationen werden seit sechs Jahren an das jeweils zuständige Finanzamt weitergeleitet.

Das führt laut Hauck zu Steuernachforderungen in «fünf- bis sechsstelligen Eurobeträgen, in einzelnen Fällen sogar zu siebenstelligen».

Das Hauptzollamt Ulm meldet Finanzämtern jährlich «Hinweise auf Auslandsvermögen» im Wert von bis zu 1,8 Milliarden Euro. Die klären dann ab, ob diese Vermögenswerte versteuert sind. Ist dies nicht der Fall, wird es richtig teuer.

Die Fälle von Geldschmuggel über die deutsche Grenze haben ab 2008 stark zugenommen. Laut den Jahresstatistiken der deutschen Bundeszollverwaltung lag die Zahl der «Bussgeldbescheide» wegen dieses Delikts bis 2007 bei rund 270.

Seit 2010 waren es jährlich zwischen 2282 und 2489 Fälle. Diese Zahlen beziehen sich auf ganz Deutschland, nicht nur auf die deutsch-schweizerische Grenze. Die Zunahme rührt wohl daher, dass vermehrt Steuersünder versucht haben, ihre Vermögenswerte über die Grenze zu schmuggeln.

Die drei Hauptzollämter Lörrach, Singen und Ulm, welche für die deutsch-schweizerische Grenze verantwortlich sind, verzeichneten in den letzten drei Jahren stets um die 600 bis 700 Fälle.

Der Wert der Barmittel belief sich auf rund 20 Millionen Euro. Mit einer Ausnahme: 2010 schnappten sich Zöllner des Hauptzollamts Singen in einem Fall einen zweistelligen Millionenbetrag.

Deshalb belief sich das Volumen der aufgeflogenen Gelder auf 40 Millionen Euro. Genauere Angaben zu diesem spektakulären Fall gibt es keine.

Dafür machte das Hauptzollamt Singen in diesem Frühjahr publik, dass eine Deutsche erwischt worden war, die 15 000 Euro in einem Kondom im Vaginalbereich über die Grenze transportierte.