Ein Buchautor, ein Denker und ein Musiker sinnieren an Wirtschaftsforum

Wer Verantwortung tragen will, soll damit bei sich selbst anfangen. Zu diesem Schluss kamen drei prominente Redner am Wirtschaftsforum Unterwalden in Stans.

Rainer Rickenbach
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Publizist Gerhard Schwarz redet am Unterwaldner Wirtschaftsforum in der Turnmatthalle in Stans. (Bild: Pius Amrein (19. September 2018))

Publizist Gerhard Schwarz redet am Unterwaldner Wirtschaftsforum in der Turnmatthalle in Stans. (Bild: Pius Amrein (19. September 2018))

Nachdem der spätere Weltmeister Frankreich sein erstes WM-Spiel gegen Australien mit Ach und Krach in Russland mit 2:1 ­gewonnen hatte, stauchte der Trainer Didier Deschamps seine Spieler an der Teamsitzung gehörig zusammen. Er rechnete seinen mit Millionengagen verwöhnten Spitzensportlern vor, wie viele Laufmeter die Australier mehr gelaufen sind als sie. Seine Kernaussage am Schluss dieser Standpauke: «Ich habe die Verantwortung für das Team, auch gegen aussen hin. Doch ihr tragt sie auf dem Spielfeld.»

Mit einem Video von dieser deutlichen Trainer-Ansage, das erst nach der Weltmeisterschaft den Weg in die sozialen Medien fand, eröffnete Moderator und TV-Mann Franz Fischlin gestern das diesjährige Wirtschafts­forum Unterwalden in der Stanser Turnmatthalle.

400 Personen im Publikum

Mehr als 400 Personen waren dabei, als drei Redner sich mit dem Thema Verantwortung auseinandersetzten. Das Spannende daran: Sie gingen es aus unterschiedlichsten Perspektiven an. Da war Gerhard Schwarz, der frühere Chef der NZZ-Wirtschaftsredaktion und Direktor von der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse. Heute ist der Pensionär als ­Publizist und Referent tätig. Dann stand auch Rolf Dobelli auf dem Podium, früherer Swissair-Mitarbeiter und Weltenbummler, dessen Kolumnen in verschiedenen grossen Zeitungen des deutschsprachigen Raumes erscheinen und die auch in Buchform erhältlich sind. Schliesslich trat der österreichische Dirigent und Führungsexperte Christian Gansch vor das Publikum, der Top-Orchester dirigierte sowie Alben mit einzelnen Künstlern und den Berliner Philharmonikern produzierte. So unterschiedlich ihre beruflichen Biografien auch sein mögen, ihre Schlussfolgerungen waren die gleichen: Verantwortung nehmen Menschen am besten wahr, wenn sie zuerst bei sich selbst beginnen.

Am direktesten sagte es der Autor Dobelli. «Es reicht schon, wenn wir unser eigenes Leben ­einigermassen im Griff haben. Wenn wir dafür sorgen, dass jeder Tag uns etwas weiterbringt, nehmen wir die Verantwortung für uns selbst wahr. Das ist unbequem, aber der einzige Weg, wirklich Verantwortung wahrzunehmen», sagte er. Selbstverantwortung helfe auch der direkten Umgebung. Dobelli führt eine Art privaten Flugschreiber (Black Box), in der er seine Entscheidungen beschreibt und begründet. Lief etwas schief, konsultiert er ihn später. «Aus der Erkenntnis heraus, dass es im Leben keine Rückspultaste gibt. Also müssen wir vom Ende her denken.»

Verantwortungslos handelt in seinen Augen, wer die Fehler stets bei den andern findet, sich Neidgefühlen hingibt oder gar in Drogen flüchtet. «Mit ihnen wollen die Leute schon bald nichts mehr zu tun haben. Sie handeln verantwortungslos gegenüber sich selbst und schaden andern, weil sie ein Loch ins Gewebe der Gesellschaft reissen.»

Kampf gegen «grenzwertige Informationskampagnen»

Für Gerhard Schwarz geht die grösste Gefahr für die Selbstverantwortung vom Staat aus. «Der fürsorgliche Staat verdrängt die Selbstverantwortung. Schon seine Informationskampagnen sind grenzwertig. Er kämpft gegen viele Genüsse des Lebens an, damit wir alle steinalt werden», so Schwarz. Auch wenn es sich meist nicht um Verbote handle, bleibe die Wirkung nicht aus. «Auf den Restauranttischen stehen keine Salzgefässe mehr, und Fleisch rutscht auf den Menukarten immer weiter nach unten.» Freiheit und Verantwortung bilden seiner Meinung nach aber «die gleiche Seite der Medaille». Wer frei ist, mache auch Fehler. In der Schweiz sei das Verständnis dafür aber an einem kleinen Ort.

Wie sehr der Appell des französischen Trainers Deschamps an die Eigenverantwortung die Mannschaft weitergebracht hatte, konnte die ganze Welt vor dem Fernseher mitverfolgen. Viele französische Fussballexperten sind sogar der Meinung, nicht taktische Finessen und fussballerische Fähigkeiten hätten den ­finalen Anstoss zum Weltmeistertitel gegeben, sondern die deutlichen Worte des Trainers an seine Spieler.

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