Wirtschaft
Die geplatzten Batterie-Träume der Basler Fortu Holding

Die Basler Fortu Holding wollte im US-Bundesstaat Michigan eine neue Generation von leistungsstarken, wiederaufladbaren und wartungsarmen Batterien produzieren. Lokale Wirtschaftsförderer waren begeistert. Nun muss die Firma ihre grossen Pläne begraben.

Christian Mensch und Dave Alexander*
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Logo der Fortu Holding AG

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www.fortu.com

Die Fortu-Gruppe mit ihrer Holding in Basel hatte Grosses vor: In Muskedon im US-Bundesstaat Michigan wollte sie mit einer Anfangsinvestition von 100 Millionen Dollar rund 125 Arbeitsplätze schaffen. Der Vollausbau sah Investitionen von 670 Millionen Dollar vor und eine Fabrik mit 745 Jobs. In einer riesigen Fabrikationsanlage sollte eine neue Generation von leistungsstarken, wiederaufladbaren und wartungsarmen Batterien gefertigt werden. Die lokalen Wirtschaftsförderer waren begeistert und köderten die Investoren mit einer Subvention von 112 Millionen Dollar. Doch trotz dieses Anreizes wird wohl nichts daraus, die Fortu-Gruppe ist nach Recherchen der «Schweiz am Sonntag» insolvent.

Die Wirtschaftsförderer von Muskedon hatten bis zur Anfrage der «Schweiz am Sonntag» keine Informationen, dass sich das Jobwunder nicht erfüllen wird. David Kieft Jr., der Muskegon Township Supervisor, sagt: «Ich weiss überhaupt nichts davon.» Das Fortu-Management habe sich rar gemacht. Das letzte Treffen fand im Januar 2012 statt. Damals sei nur von Verspätungen aufgrund der europäischen Finanzkrise die Rede gewesen und von einem Wechsel im Management. Doch an den Plänen, so wurde versichert, habe sich nichts geändert.

Der damals neue Manager ist längst wieder von Bord. Seit gut einem Jahr liegt die Führung bei dem in Basel lebenden Schotten Alan Greenshields. Dieser erklärt auf Anfrage, es sei leider nicht gelungen, das notwendige Kapital für den nächsten Schritt der Kommerzialisierung zu erhalten. Dazu käme die aktuelle Marktlage für neue Batterien sowie die Stimmung in der Finanzbranche.

Dem Vernehmen nach fehlte das Geld allerdings auch, weil das Aktionariat zerstritten ist und es bei einer Kapitalaufstockung zum Streit zwischen alten und neuen Investoren gekommen ist. Dass der Haussegen bei der Fortu-Gruppe schief hängt, beschrieb die «Schweiz am Sonntag» vor Jahresfrist.

Im deutschen Dormagen und in Karlsruhe haben 26 Personen an der Entwicklung gearbeitet, die wahrscheinlich ihre Stelle verlieren werden. Dies bestätigt der Insolvenzverwalter der Fortu Powercell GmbH. Im steuergünstigen Obwalden waren die Patentrechte in der Fortu Intellectual Property AG deponiert, die wegen Überschuldung ebenso in Liquidation steht wie die Fortu AG. In den nächsten Wochen wird auch die Liquidation der Basel Fortu Holding AG erwartet. Insgesamt haben die Investoren gemäss einem der Geldgeber rund 60 Millionen Euro in diesem Start-up-Unternehmen verloren.

Greenshields möchte das Projekt nicht endgültig abschreiben. Testbatterien würden im Probebetrieb für eine grosse kommerzielle Anwendung laufen. Auch Tests für die gesetzlichen Zulassungen seien fortgeschritten. Beruflich hat er sich jedoch neu orientiert: Als Geschäftsführer der von Finanzinvestoren neu gebildeten Green Building Group macht er sich an den Verkauf von energiesparenden Fertighäusern.

* Dave Alexander ist Reporter bei «The Muskegon Chronicle», Michigan

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