Detailhandel

Die Geschäfte lancieren Rabatte, schon lange bevor das Christkind kommt

Im Kampf um die Kunden starten Händler den Ausverkauf schon Wochen vor Heiligabend. Das wäre früher gar nicht möglich gewesen. Das führt dazu, dass die Kunden länger mit dem Kauf zuwarten. Sind die Produkte auch wirklich günstiger geworden?

Die Rabattschlacht im Weihnachtsgeschäft wird immer intensiver geführt. So gewährte das Zürcher Warenhaus Jelmoli am letzten Sonntag 15 Prozent auf das gesamte Sortiment. Im vergangenen Jahr gab es sogar einen «Presale» mit bis zu 30 Prozent Rabatt auf ausgewählten Artikeln.

Früher wäre das nicht möglich gewesen. Der «amtlich bewilligte Sonderverkauf» fand jeweils im Januar/Februar und Juli/August für jeweils maximal drei Wochen statt. Doch seitdem das Bundesgesetz gegen unlauteren Wettbewerb 1995 im Zuge eines Revitalisierungsprogramms der Schweizer Wirtschaft angepasst wurde, können Detailhändler Sonderverkäufe lancieren, wann sie wollen.

Zum Teil schon im November

Die Warenhauskette Manor startet den traditionellen Winter-Ausverkauf zwar auch dieses Jahr erst am 26. Dezember. Doch punktuell gewährte die grösste Warenhauskette der Schweiz schon vorher Preisabschläge. Ähnliche Strategien verfolgen die Grossverteiler Migros und Coop. Der Ausverkauf startet am 26. oder 27. Dezember und dauert zum Teil bis Mitte Januar.

Speziell in der Bekleidungsbranche sei aber festzustellen, dass der Ausverkauf immer früher beginne. «Es gibt Mitbewerber, die bereits im November mit 50 Prozent Rabatt unter dem Titel ‹Presale› operieren», so ein Migros-Sprecher auf Anfrage. Wie sinnvoll das sei, sei dahingestellt, da die Kunden tendenziell immer länger mit einem Kauf zuwarteten.

Ausgeprägt ist die Rabattschlacht auch im Elektronikbereich. Da muss auch die Migros von ihrer traditionellen Ausverkaufspolitik abweichen. «Das Elektronikgeschäft lebt von den Rabattangeboten und günstigen Angeboten. Da müssen wir auch mitmachen», so am Sonntag ein Migros-Sprecher gegenüber der «Tagesschau».

Wer aber glaubt, dass die Deregulierung des Sonderverkaufs zu Wildwest-Methoden geführt habe, wird vom Bundesamt für Statistik eines Besseren belehrt: Die Preise erreichen wie in der Zeit der amtlich bewilligten Sonderverkäufe immer noch im Juli/August respektive Januar/Februar ihre saisonalen Tiefpunkte und im Oktober/November respektive im April/Mai ihre Höhepunkte.

Ausländischen Waren wurde wegen Frankenaufwertung günstiger

In den letzten beiden Jahren schwankten die Preise zwischen diesen Extrempunkten jeweils um rund zehn Prozent. Das Muster ist also das alte: Die neuen Kollektionen werden im Frühling/Herbst in die Läden zum Höchstpreis lanciert und Ende Sommer/Winter zu Spottpreisen verschleudert. Was sich geändert hat, ist aber die Kommunikationspolitik der Unternehmen. «Die Rabatte werden heute viel aggressiver kommuniziert, weil die Konsumenten preissensitiver geworden sind», sagt Damian Künzi, Detailhandelsspezialist bei der Credit Suisse. Das sei vor allem die Folge der starken Frankenaufwertung, die wir in den vergangenen Jahren erlebt haben.

Denn: Seitdem die Schweizer Konsumenten im Ausland mit dem Franken mehr kaufen können, vergleichen sie die Preise viel genauer. Das wissen auch die Händler. Und so versuchen die Ladenbesitzer sich untereinander die Kunden mit immer früher gewährten Preisabschlägen abspenstig zu machen.

Der starke Franken führte aber auch zu einer importierten Deflation. Das heisst: Die ausländische Ware wurde wegen der Frankenaufwertung auch ohne Rabatte günstiger. Die Preisvorteile haben die Händler aber erst mit der Zeit an die Endkunden weitergegeben. Das zeigen auch die Daten des Bundesamts für Statistik: Die Preise für Bekleidung und Schuhe sind seit 2010 kontinuierlich gesunken.

Heute liegen die Preise mehr als zehn Prozent unter dem Niveau von vor drei Jahren. Wie Daten der UBS zeigen, hat die importierte Deflation zuletzt etwas nachgelassen. Doch ausländische Ware bleibt für Schweizer Konsumenten attraktiv. «Bei den Importgütern fallen Preise im Schnitt noch immer, während wir bei den inländischen Gütern eine geringfügige Teuerung haben», so UBS-Ökonom Daniel Kalt gegenüber der «Nordwestschweiz».

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