Grossbanken

Die Löhne der Investmentbanker bleiben zu hoch

Einst fühlten sich Grossbanker wie Ikarus. Doch der Höhenflug ihrer Saläre neigt sich seinem Ende zu.

Einst fühlten sich Grossbanker wie Ikarus. Doch der Höhenflug ihrer Saläre neigt sich seinem Ende zu.

Die rentabelsten Grossbank-Angestellten im Schweizer Retailgeschäft verdienen am wenigsten. Am meisten kassieren weiterhin die Investmentbanker. 2013 dürfte sich der Aufwand pro Mitarbeiter der UBS auf über 325000 Franken erhöht haben.

Wer hierzulande bei der Grossbank UBS arbeitet, braucht ein dickes Fell. Kunden lassen die Angestellten ihre Wut spüren, wenn die Gewinne schrumpfen, weil das Geldhaus erneut eine Riesenbusse zahlen muss.

Dabei sind es gerade die Mitarbeiter im Schweizer Retailbanking für Privat- und Firmenkunden, die seit langem am profitabelsten arbeiten. Sie erhalten nämlich die tiefsten Löhne. Deshalb erwirtschaftet jeder Mitarbeiter einen Vorsteuergewinn, der seinen Lohn übersteigt. (Siehe Tabelle) Bei der Credit-Suisse (CS) dürfte es ähnlich sein. Sie weist aber die Personalaufwendungen für ihr Schweizer Geschäft mit Firmen- und institutionellen Kunden nicht aus.

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Umstrukturierung hat ihren Preis

«Die Angestellten im Retailbanking verdienen nicht spektakulär viel», sagt Urs Klingler, Vergütungsexperte und Managing Partner von Klingler Consultants, «obwohl sie für ihre Finanzinstitute wirklich Geld verdienen.» Deren Löhne seien vergleichbar mit denen direkter Konkurrenzunternehmen wie Kantonalbanken: «Das Salärproblem liegt im internationalen Bereich und in der Grösse der Banken. Im Ausland leisten sich die Grossbanken zu teure Strukturen.» Beide Banken bauten nun die Support-Bereiche um, um effizienter zu werden: «Diese Umstrukturierung hat aber auch ihren Preis.»

Den höchsten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr pro UBS-Mitarbeiter weist das Vermögensverwaltungsgeschäft in den USA aus. Im Schnitt kostet ein Angestellter 303 200 Franken. Dabei ist der Vorsteueranteil wegen des ertragsabhängigen Lohnsystems extrem tief.

Am meisten kassieren weiterhin die Investmentbanker. 2013 dürfte sich der gesamte Personalaufwand pro Mitarbeiter der UBS im Investmentbanking auf 327 400 Franken belaufen. Das ist zwar weit weniger als noch 2010. Aber immer noch 24 200 Franken mehr als 2012. Bei der CS ist es gerade umgekehrt: Die durchschnittlichen Aufwendungen pro Angestellten in der Investmentbank sind um 26 400 Franken gesunken. Die CS drückte die Personalkosten in dieser Sparte seit September 2012 um 800 Millionen Franken. Bei der UBS gingen sie um 200 Millionen zurück. Völlig vergleichbar sind die Zahlen wegen der unterschiedlichen Buchhaltungsstandards allerdings nicht. Dazu sagt Klingler: «Die Löhne der Grossbanken sinken zwar seit einigen Jahren. Aber nicht im gleichen Tempo, wie die Erträge schrumpfen.»

Boni von 1,8 Milliarden bei UBS

Im Gegensatz zur CS weist die UBS auch aus, wie viel Geld sie für Bonizahlungen in den ersten drei Quartalen bisher zurückgestellt hat. Bei einem Stellenabbau von 3,2 Prozent auf 60 600 Mitarbeiter stiegen die Boni-Rückstellungen in den ersten neun Monaten um 290 Millionen auf 1,8 Milliarden Franken – bei einem Reingewinn von bisher 2,8 Milliarden Franken. Hochgerechnet auf vier Quartale dürften Boni von 2,4 Milliarden Franken ausbezahlt werden. Das wäre leicht weniger als die 2,5 Milliarden im Vorjahr. Allerdings wies die Bank damals einen ebenso hohen Verlust aus.

Zwar sind die Löhne gerade in den ausländischen Niederlassungen nach wie vor zu hoch. Aber es sei auch «wenig erfreulich», für Grossbanken zu arbeiten, sagt Klingler. Die Resultate der CS und der UBS litten unter nicht enden wollenden Belastungen aus der Vergangenheit und politischen Veränderungen wie stetig steigenden Eigenkapitalerfordernissen, Regulierungen und fundamentalen Veränderungen der Strategie: «Die Grossbanken befinden sich in einem Wirbelsturm.» Unter diesen komplizierten äusseren Einflüssen sei es für die Mitarbeiter enorm schwierig, motiviert zu bleiben: «Sie leiden unter dem Reputationsschaden und verlieren wegen des Personalabbaus ständig Kollegen.»

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