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Weniger Auflagen, weniger Hürden: Die Schweizer Börse will für KMU zugänglicher werden

Ein neuer Kotierungsstandard für Kleinfirmen soll diesen die Kapitalbeschaffung erleichtern und der Six mehr Emittenten bringen.

Daniel Zulauf
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Six will zugänglicher werden. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Six will zugänglicher werden. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Ennio Leanza / KEYSTONE

Was andere Börsenplätze schon länger anbieten, will nun auch die Six Swiss Exchange einführen: Einen niederschwelligen Kotierungsstandard, unter dem Kleinfirmen einen vereinfachten Zugang zum Kapitalmarkt erhalten. «Die KMU bilden das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft, wir wollen ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung Rechnung tragen», sagt Six-Präsident Thomas Wellauer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Start für das neue Marktsegment soll unmittelbar nach Erhalt der entsprechenden Bewilligung durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) erfolgen. Diese wird in den nächsten Wochen oder Monaten erwartet.

Mindestens 15 Millionen Franken im freien Handel

Der neue Standard will die Börse für Unternehmen zugänglich machen, die erst zwei Jahre alt sind. Zurzeit beträgt das Mindestalter drei Jahre. Gelockert werden auch die Bedingungen zur Streuung der Aktien. Bislang gilt die Regel, das höchsten 80 Prozent der Aktien in festen Händen sein dürfen. Neu soll der frei handelbare Publikumsanteil nur noch 15 Prozent (bisher 20 Prozent) betragen. Dieser sogenannte «Free Float» muss zum Zeitpunkt des Börsenganges einen Marktwert von mindestens 15 Millionen Franken aufweisen (bisher 25 Millionen).

Six-Präsident Thomas Wellauer.

Six-Präsident Thomas Wellauer.

Joël Hunn / Aargauer Zeitung

Die Anlegerschutzbestimmungen des geplanten KMU-Segments seien identisch mit jenen des Hauptsegmentes, betont Wellauer. Das neue Segment sei offen für Firmen mit einem Marktwert von höchstens 500 Millionen Franken. Steigt dieser nach Jahresfrist auf über eine Milliarde Franken muss ein Wechsel ins Hauptsegment erfolgen. Dort gilt dann wieder ein Mindest-Free-Float von 20 Prozent.

Die Idee ist nicht neu, den KMU den Zugang zur Börse zu erleichtern – auch nicht an der Schweizer Börse. Bis vor etwa sieben Jahren gab es den sogenannten «Domestic»-Standard, der diesen Zweck erfüllen wollte. Doch viele Emittenten betrachteten die Kotierung in dem Lokalsegment als diskriminierend, zumal auch kleinere Schweizer Firmen oft sehr erfolgreich international tätig sind.

Swatch Group als Winkelried der KMU

2012 provozierte der Uhrenhersteller Swatch Group einen Streit mit der Börse, indem er die Bilanzierung auf den Schweizer Standard Swiss GAAP Fer umstellte und den von der Six-Zulassungsstelle geforderte internationalen Bilanzierungsstandard ignorierte. Die Swatch Group erreichte, dass seither alle an der Six Swiss Exchange kotierte Firmen ihre Rechnung nach Swiss GAAP Fer ablegen dürfen.

Für den seinerzeitigen Streit um die Rechnungslegung gab es mehrere Gründe. Ein wichtiger war, dass die Anwendung der internationale Bilanzierungsstandards deutlich höhere Kosten für die Firmen nach sich zieht.

Einfachere Kotierungsbedingungen gab es an der Schweizer Börse auch in den späten 1990er-Jahren als viele Jungfirmen auf der Jagd nach Kapital neue Investoren suchten. Doch der seinerzeitige Boom ging ab 2001 in ein Desaster über, sodass sich die Six veranlasst sah, ihre Kotierungsbedingungen bald wieder zu verschärfen.

Die richtige Kalibrierung der Kotierungsregeln ist für jede Börsenbetreiberin eine heikle Gratwanderung. Das zeigt auch die ganze Debatte um die sogenannten Special Purpose Acquisition Companies - kurz: «Spacs» - werden kann.

Neues Reglement in Arbeit für die neuen Börsenvehikel «Spacs»

Die «Spacs» kommen als leere Firmenmäntel an die Börse, um an das Geld von Anlegern zu gelangen. Mit deren Kapital sollen Akquisitionen finanziert und die Firmenhüllen mit wirtschaftlichem Leben gefüllt werden. «Spacs» buhlen typischerweise mit bekannten Namen aus der Finanzwelt für Kapital. Die Persönlichkeiten werben mit ihrer Glaubwürdigkeit als erfolgreiche Wirtschaftsakteure um die Gunst der Anleger.

Selbstredend gibt es bei Firmen, die auf einem blossen Versprechen beruhen, erhebliches Missbrauchspotenzial. Aber «Spacs» spriessen in den USA und an anderen Börsen wie Pilze aus dem Boden. Den Börsenbetreibern sind solche Vehikel als neue Emittenten hoch willkommen. Auch die Six wollte den «Spacs» im Sinne einer Ausnahmebewilligung im Kotierungsreglement den Zugang erleichtern. Doch die Finma legte ihr Veto und verlangte ein neues, separates Reglement für «Spacs». Dieses wird bei Six jetzt unter Hochdruck entwickelt.

«Wir möchten mit dem Reglement eine Möglichkeit für «Spacs» schaffen, auch an die Schweizer Börse zu kommen», sagt Six-Präsident Wellauer. «Die Erfahrung zeigt: lässt sich ein Unternehmen an einer ausländischen Böse kotieren, wandert früher oder später die ganze Firma ab.»

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