Analyse

Die Swisscom spannt fürs Fernsehen mit der Konkurrenz zusammen – und setzt in den Kinos auf Netflix, Luxus und neue Säle

Die Swisscom nennt ihre Entertainment-Produkte um. (Zürich, 22. September 2020).

Die Swisscom nennt ihre Entertainment-Produkte um. (Zürich, 22. September 2020).

Aus Swisscom TV wird «blue tv», aus Teleclub «blue+», die Kitag-Kinos heissen neu «blue cinemas»: Die Swisscom bündelt ihre Entertainment-Angebote. Die Konkurrenz spielt dabei eine wichtige Rolle.

«Wow, das ist der Hammer»: Dirk Wierzbitzki, der Privatkundenchef der Swisscom, outete sich am Dienstag als grösster Fan seines neuen Angebots. Die Swisscom hatte ins Zürcher Kino Abaton geladen, um die Zukunft ihres Entertainment-Angebots vorzustellen.

Sie rührte mit der grossen Kelle an: Pompöse Trailer in bester Hollywood-Manier und Präsentationen stimmten auf den neuen Markennamen «blue» ein. Selbst Konzernchef Urs Schaeppi war angereist, um den Journalisten klarzumachen, welchen Stellenwert die Unterhaltung bei der Telekomfirma hat.

Unter dem Namen «blue» treten künftig alle Firmen der Tochter Cinetrade auf. Dazu gehören das Pay-TV-Angebot von Teleclub, das Nachrichten- und Entertainment-Portal Bluewin und die Kinokette Kitag. Sie werden zu «blue+», «blue news» und «blue cinemas». Zudem wird das TV-Angebot Swisscom TV in «blue tv» umgetauft. Ein «übergreifendes Entertainmenterlebnis» entstehe, wirbt die Swisscom.

TV-App auch ohne Swisscom-Abo

Allerdings: Ganz so neu ist nicht alles. Dass das Pay-TV-Angebot der Swisscom («blue+») in wenigen Wochen auch beim Konkurrenten UPC aufgeschaltet wird und das UPC-Sportangebot MySports bei der Swisscom, war schon bekannt.

Preislich ändert sich dabei nicht viel. Das Sport-Angebot kostet weiterhin 29.90 Franken pro Monat, das Film- und Serienangebot «blue max» 19.90 Franken. Neu sind alle Produkte auf allen Plattformen zum gleichen Preis verfügbar.

Die neue «blue tv»-App fürs Fernsehen auf dem Laptop und dem Handy wiederum ist unter dem Namen Swisscom TV Air in ähnlicher Form bereits seit Jahren auf dem Markt. Neu ist hingegen das Abo für 10 Franken monatlich, das Replay-TV und die Aufnahmefunktion auch Kunden ermöglicht, die keine weiteren Swisscom-Produkte beziehen.

Geplant sind zudem auch Apps für die Smart TVs von Samsung und LG. Zudem wurde der Kauf der Fussballrechte für die spanische La Liga ab 2021 verkündet.

Kinos setzen auf Sport

Das Nachrichtenportal «blue news», dessen Inhalte neu auch auf der TV-Plattform und in den Pausen von Kinofilmen gezeigt werden sollen, löst Bluewin ab. Die Berichterstattung zum Sport soll einen prominenten Platz einnehmen. Die Redaktion, die auch Gesellschaftsthemen, Politik oder Justizfälle abdeckt, bleibt bestehen, genauso wie die Bluewin.ch-Mailadressen von Privatkunden.

Am meisten ändert sich bei blue cinemas – gezwungenermassen. Schliesslich sind die Kinos nicht erst seit Corona in der Krise, die Eintritte sinken seit Jahren. Die Swisscom will mit neuen Inhalten Gegensteuer geben. So sollen Sportanlässe aus dem Pay TV vermehrt auch auf der grossen Leinwand laufen.

Die ersten Resultate seien ermutigend, sagt Cinetrade-Chef Wolfgang Elsässer. So wurden die Spiele des diesjährigen Finalturniers der Champions League in Kinos gezeigt. Etwa 8000 Zuschauer nutzten das Angebot, sagt Elsässer im Gespräch mit dieser Zeitung.

Kinos werden «Entertainment-Häuser»

Auch Filme des Streaming-Anbieters Netflix dürften in den «blue»-Kinos bald häufiger zu sehen sein. Viermal habe man das bereits gemacht, sagt Elsässer – etwa mit dem Mafiastreifen «The Irishman».

Die Kinos seien teils wochenlang nach der Veröffentlichung der Filme auf der Streamingplattform noch gut besucht gewesen. Während sich viele Kinobetreiber gegen das Zeigen von Netflix-Filmen stemmen, weil sie die Filme nicht vorab erhalten, sieht Elsässer darin kein Problem.

Die Kinos sollen eigentliche «Entertainment-Häuser» werden, so Elsässer. In den Multiplexen in Biel und Muri bei Bern wurden bereits Bowlingbahnen und Bars eingebaut, für das Kino in Winterthur ist ein Bowling-Angebot in Planung.

Lounge-Kino für 49 Franken

In kleineren Stadtkinos, in denen der Platz dafür fehlt, will sich die Swisscom hingegen nach oben positionieren. So sei der Einbau von Lounges eine Option. In Abtwil wurde ein solches Konzept letztes Jahr eingeführt. Für 49 Franken pro Ticket erhalten die Kunden geräumige Sitze, Snacks und Cocktails und die Anreise im ÖV und eine Bar im Kinosaal.

Die Ausweitung dieses Konzepts werde für Innenstadtkinos geprüft, sagt Elsässer. Bereits unter Dach und Fach ist eine Zusammenarbeit mit der Konkurrentin Arena. Auf der blue-Website wird neu das Programm der Arena-Kinos in der Westschweiz und im Tessin, wo die Swisscom nicht präsent ist, angezeigt. Auch Arena-Tickets für diese Regionen sollen gekauft werden können.

Zudem will blue cinemas wachsen. «In den nächsten Wochen geben wir die Eröffnung eines neuen Multiplex-Kinos bekannt», sagt Elsässer. Es werde in einer Stadt in der Deutschschweiz stehen, in der man bisher noch nicht präsent sei. Möglich ist, dass ein bereits seit Jahren bestehendes Projekt in Chur nun zum Abschluss gebracht wird.

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