Galaxy Note 7

Drohender Imageschaden: Samsung bangt um Kreditwürdigkeit

Das Smartphone Galaxy S7 hat dem südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung nicht nur Rückrufkosten verursacht. (Symbolbild)

Das Smartphone Galaxy S7 hat dem südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung nicht nur Rückrufkosten verursacht. (Symbolbild)

Samsung kostet das Debakel um sein Smartphone Galaxy Note 7 viel Geld. Doch die Rückrufkosten dürften nach Ansicht der US-Ratingagentur Fitch noch das kleinere Problem für den Smartphone-Marktführer sein. Laut Fitch droht Samsung ein langwieriger Imageschaden.

Dieser Verlust an Ansehen könne für den südkoreanischen Smartphone-Marktführer letztlich ein grösseres Risiko für die Kreditwürdigkeit bedeuten als die finanziellen Auswirkungen durch Rückrufe und Produktionsstopp.

"Die Probleme mit dem Flaggschiff-Modell haben Schwächen im Entwicklungsbereich und bei der Fähigkeit des Unternehmens aufgedeckt, die ernsten Hardware-Fehler in den Griff zu bekommen", kommentierten die Analysten von Fitch Ratings am Donnerstag.

Rückruf-Aktion ausgeweitet

Unterdessen weitete Samsung seinen Rückruf des Note 7 in den USA auf sämtliche Austauschgeräte aus, die eigentlich als sicherer Ersatz für die erste Version angeboten worden waren. Der Konzern stellt zudem feuerfeste Verpackungen und Schutzhandschuhe für die Rücksendung der vom Markt genommenen Smartphones bereit.

Samsung habe 96 Berichte über überhitzte Akkus in Note-7-Geräten in den USA erhalten einschliesslich 23 neuer Berichte seit der Rückruf-Ankündigung am 15. September, teilte die US-Konsumentenschutzbehörde (CPSC) mit. Mit finanziellen Anreizen versucht Samsung die Kunden bei der Stange zu halten: Diese sollen eine Gutschrift von 100 Dollar bekommen, wenn sie sich für ein anderes Samsung-Modell entscheiden.

Auch in Südkorea begann die zweite Rückrufaktion, bei der die Kunden ebenfalls entweder das Geld für ihr Note 7 zurückerhalten, es gegen ein anderes Samsung-Smartphone umtauschen oder dafür ein Konkurrenz-Modell erhalten können. Auch hier versucht Samsung die Geschädigten mit finanziellen Anreizen als Kunden zu halten.

Das Unternehmen startete auch eine Werbekampagne für andere Geräte der Galaxy-Reihe, um den Schaden im Konkurrenzkampf mit Apple und anderen Rivalen in Grenzen zu halten.

Mit dem Note 7 wollte Samsung eigentlich dem neuen iPhone des US-Rivalen Apple Paroli bieten und seine Spitzenposition ausbauen. Nach der Markteinführung häuften sich aber die Brandfälle. Samsung ordnete daraufhin den Austausch aller bereits ausgelieferten 2,5 Millionen Geräte an.

Vor wenigen Tagen fing dann an Bord eines Flugzeugs auch ein Gerät Feuer, das offenbar schon ausgetauscht worden war. Am Dienstag nahm der Konzern schliesslich das Smartphone endgültig vom Markt.

Hohe Geldreserven

Fitch betonte jetzt allerdings, dass es eher unwahrscheinlich sei, dass die Pannenserie beim Note-7 die gute Bonitätsnote A+/stabil des Unternehmens gefährdet. Samsung verfüge über hohe Geldreserven von 73,2 Billionen Won (etwa 64 Milliarden Franken) und eine starke Bilanzstruktur.

Fitch warnte aber zugleich, dass die Probleme mit dem Note 7 Unsicherheiten für das Geschäft mit Mobiltelefonen ausgelöst hätten. Die Käufer des Note 7 oder potenzielle Kunden von Samsung könnten auf Geräte von Apple - Samsungs wichtigster Konkurrent bei Premium-Modellen - oder anderer Anbieter umsteigen.

Wegen des Debakels hatte Samsung am Mittwoch seine Prognose für das operative Ergebnis des gerade eben beendeten dritten Quartals um ein Drittel gekürzt. Fitch erwartet jetzt, dass durch Einbussen beim Smartphone-Absatz und zusätzliche Kosten im Zusammenhang mit dem Note 7 auch der Gewinn in den nächsten Quartalen beeinträchtigt wird. Analysten hatten ursprünglich damit gerechnet, dass Samsung auch nach dem ersten Rückruf noch rund zwölf Millionen Note-7-Geräte verkaufen könnte.

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