Für Ernst Wyrsch ist das Weltwirtschaftsforum (WEF) nach wie vor ein Highlight. Zwar ist er nicht mehr an vorderster Front tätig, wie zwischen 1996 und 2011 als Direktor des Fünfsternehotels Belvédère. Doch auch als Verwaltungsratspräsident des Hotels Seehof ist er beratend im Dauereinsatz. Wie das «Belvédère» gehört der «Seehof» zu den wichtigsten Hotels während des WEF. Wer nicht am Forum teilnimmt, erhält keinen Zugang.

In seiner Funktion als Präsident tausche er sich stündlich mit Direktor Tobias Homberger aus, erzählt Wyrsch. Mit seiner 15-jährigen WEF-Erfahrung sieht sich Wyrsch als lebende Informationssäule, wie er im Gespräch sagt. Im Verlauf des Forums werde er zunehmend zum Motivator. Wenn Mitarbeiter erschöpft oder gereizt seien, stehe er aufmunternd zur Seite. Der gebürtige Aargauer spricht von einem Führungsstil mittels Schulterklopfen oder Streicheleinheiten.

Ganz der diskrete Hotelier, verrät Wyrsch nur wenig, wenn es um extravagante Wünsche der Gäste geht. «Grundsätzlich hat ein Fünfsterne-Hotelier eine Ja-Philosophie. Er sagt einfach mal Ja und hinterfragt den Wunsch des Gastes nicht.» Im schlimmsten Fall könne er das Problem erst am nächsten Tag lösen. Da die WEF-Teilnehmer ein sehr dichtes Programm hätten, seien die Wünsche gar nicht so absonderlich. Es gehe oft darum, Räume für unerwartete Sitzungen oder Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen.

Erinnerungen an Bill Clinton

Als sein Highlight bezeichnet Wyrsch die Begegnungen mit Bill Clinton, der Zwölfmal im «Belvédère» logierte, einmal davon als amtierender US-Präsident. Clinton schlafe wenig, weshalb er ihn manchmal auch noch um 2 oder 3 Uhr morgens im Hotel angetroffen habe. «Da war auch mal Zeit für ein Gespräch mit Clinton», sagt Wyrsch. So habe der Amerikaner von ihm wissen wollen, wie sich das Leben in den Alpen abspielt und wie das duale Bildungssystem in der Schweiz funktioniert.

Ein anderer Moment bleibt Wyrsch ebenfalls in bester Erinnerung. So ging er eines Nachts um halb vier im «Belvédère» zur Bar, als gerade U2-Sänger Bono, Lionell Richie und Quincy Jones, Produzent des Albums «Thriller» von Michael Jackson, eine private Jamsession abhielten.

Und wie steht es mit den berühmten Davoser Partys? Die würden weiterhin gefeiert. Doch Wyrsch beobachtet eine gewisse Zurückhaltung. Im Zeitalter, in dem dank Smartphone Bilder rasch um die Welt gehen, wollten Firmen nicht unbedingt mit extravaganten Anlässen in Verbindung gebracht werden. Doch gerade Unternehmen im IT-Bereich würden noch immer Partys organisieren, bei denen Weine mit vierstelligen Preisen keine Seltenheit seien.

Ein Dauerbrenner für die Hoteliers ist die Kritik an den hohen Preisen in Davos. Neben den WEF-Organisatoren deponierte vor zwei Jahren auch alt Bundesrätin Doris Leuthard einen Rüffel.

Wyrsch, der auch Präsident von Hotelleriesuisse Graubünden ist, spricht von einer schizophrenen Situation. Am WEF seien die Hotels ausgebucht, da bestimme halt auch die Nachfrage die Preise. Ausserhalb des Forums bestehe dagegen ein Überangebot, was zu einem harten Preiskampf führe. «Das ist ein echtes Problem.» Nun pendle sich das Ganze langsam auf tiefem Niveau ein. Während des WEF werde versucht, die hohen Preise zu deckeln. Gleichzeitig stiegen die Preise ausserhalb des Grossanlasses leicht an.