Interview

Emmi-CEO blickt trotz Coronakrise optimistisch in die Zukunft: «Wir planen gewichtige Investitionen in der Schweiz»

Urs Riedener in seinem Büro am Emmi-Hauptsitz in Luzern.

Urs Riedener in seinem Büro am Emmi-Hauptsitz in Luzern.

Emmi-Chef Urs Riedener manövriert sein Unternehmen bisher erfolgreich durch die Krise. In gewissen Märkten bleibt die Lage aber schwierig.

Die wirtschaftlichen Unsicherheiten sind aufgrund von Corona gross. Emmi, bei Prognosen sonst eher zurückhaltend, blickt aber durchaus optimistisch in die nächsten Monate. Wie kommt’s?

Urs Riedener: Wir haben gezeigt, dass wir uns schnell auf die neue Situation einstellen können und haben entsprechend ein sehr solides Halbjahr abgeliefert. Möglich machte das in erster Linie das unermüdliche Engagement unserer Mitarbeiter. Klar war es zum Teil ein Auf und Ab in den letzten Wochen, wobei der Retailbereich deutlich besser lief als die Food-Service-Sparte. Insgesamt hat sich aber gezeigt, dass wir mit unserem breiten Produkte- und Ländermix robust aufgestellt sind.

Wie hat Emmi seine Mitarbeiter in den letzten Wochen geschützt, vor allem jene in der Produktion?

Wir haben alle Massnahmen des BAG konsequent umgesetzt und konnten bisher Ansteckungen vermeiden. Im administrativen Bereich waren zwischenzeitlich 80 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice. Dieser Anteil hat sich nun auf 40 Prozent reduziert und dürfte sich mittelfristig bei 20 bis 30 Prozent einpendeln.

Emmi ist ja nicht nur in Europa, sondern auch in den Amerikas sowie in Asien und der Arabischen Halbinsel präsent. In welchen Märkten ist die Lage derzeit besonders schwierig?

Die USA, wo der Food-Service-Bereich stark unter den geschlossenen Restaurants leidet, bleiben ein schwieriger Markt. Einen Teil des Rückgangs konnten wir im Detailhandel auffangen, aber nicht alles. Erfreulich ist die Entwicklung dagegen in Ländern wie Brasilien und Chile, die ebenfalls stark von der Pandemie betroffen sind, in denen unsere Produkte aber kaum Nachfragerückgänge verzeichnen.

Hattet ihr keine Schwierigkeiten beim Transport der Produkte ins Ausland?

Wir waren jederzeit lieferfähig. Als wichtiges Glied in der Versorgungskette mussten wir das auch. Die einzigen Probleme hatten wir mit Containerfrachten nach Asien, weil zeitweise keine Schiffe mehr fuhren. Diese konnten wir in der Zwischenzeit aber lösen.

Emmis Auslandstrategie war zuletzt sehr erfolgreich. Im letzten Jahr erwirtschaftete man erstmals mehr als die Hälfte des Umsatzes ausserhalb der Schweiz. Könnte Corona diese Entwicklung ausbremsen?

Der Anteil des Auslandsumsatzes wird in den nächsten Jahren weiter wachsen. Dies aufgrund der Tatsache, dass der Schweizer Markt für Milchprodukte – unabhängig von Corona – gesättigt ist und kaum mehr wächst, wohingegen Märkte wie Tunesien, Chile und Brasilien Wachstumstreiber sind. Insgesamt sind wir durch das Auslandengagement stabiler und haben ein viel breiteres Marktwissen.

Sie sagten vor kurzem, die Schweiz sei ein teurer Standort. Wäre eine weitere Verlegung der Produktion ins Ausland denkbar?

Nein, keinesfalls. Bei Emmi gab es nie solche Tendenzen und wird es auch nicht geben. Die auf den ersten Blick höheren Produktionskosten relativieren sich durch zahlreiche Vorteile wie die hohe Qualifikation der Mitarbeitenden, die stabile politische und wirtschaftliche Lage sowie die gute Infrastruktur, um nur einige zu nennen. Nicht zu vergessen: Der wichtigste Rohstoff, die Schweizer Milch, ist international Spitzenqualität. Vielmehr plant Emmi gewichtige Investitionen in der Schweiz.

Der Preiskampf im hiesigen Detailhandel ist hoch. Dennoch konnte Emmi zuletzt Preiserhöhungen durchsetzen. Wie geht das zusammen?

Das war eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Steigt der Milchpreis, müssen wir das an den Detailhandel weitergeben, ansonsten würden wir unsere Produkte mit Verlust verkaufen.

Migros und Coop sind ständig daran, ihre Eigenmarken auszubauen. Gerade bei Coop bleibt da weniger Platz im Regal für Marken wie Emmi. Ist die Duopol-Situation schlimmer geworden?

Das würde ich nicht so sehen. Die grossen Detailhändler bleiben wichtige strategische Partner. Ausserdem sind wir auch in die Produktion der Coop-Eigenprodukte involviert. Die Vielfalt im Handel hat sich mit dem Aufkommen der Discounter erhöht, dadurch schrumpft der Marktanteil von Coop und Migros. Das hat aber nicht nur positive Aspekte, denn dadurch nimmt wiederum der Preisdruck weiter zu.

Manor hat jüngst von seinen Lieferanten 10000 Franken als Coronahilfe gefordert. War auch Emmi damit konfrontiert – oder mit vergleichbaren Forderungen von anderen Händlern?

Ohne allzu sehr ins Detail gehen zu wollen: Wir sind uns gewohnt, dass die Händler Meister darin sind, neue Kässeli zu erfinden. Das ist für uns ‹Daily Business›. Ich muss aber sagen, dass die Preisverhandlungen insgesamt fair ablaufen.

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