Trend auf Strassen

Erlaubt oder verboten? Genehmigungs-Chaos um Elektro-Stehroller

Wer mit einem Solowheel auf öffentlichen Strassen fährt, riskiert eine Busse.

Wer mit einem Solowheel auf öffentlichen Strassen fährt, riskiert eine Busse.

Elektrisch angetriebene Stehroller, sogenannte Solowheels oder Monowheels, erleben einen Trend, aber fahren darf man damit auf öffentlichem Grund nicht. Die Geräte erfüllen die gesetzlichen Vorschriften dafür nicht.

Verschiedene elektrisch betriebene Stehroller sind im Trend. Neben Solowheels (auch Monowheels genannt) gibt es Balanceboards, Elektrotrottinetts und Elektroskateboards. Alle sind schnell, leicht, klein und darum sehr beliebt. Manch ein Solowheel-Besitzer verzichtet für kurze Strecken im innerstädtischen Bereich darauf, ein Auto zu benutzen und fährt seinen Elektrostehroller auf Trottoirs und in Fussgängerzonen.

Das ist jedoch ein Problem – Polizeistellen wie die Repol Brugg machen die Benutzer darauf aufmerksam, dass das Fahren solcher Gefährte auf öffentlichem Grund verboten sei. Wird eine Person wiederholt mit einem Solowheel erwischt, droht gar eine Busse.

Erkundigt man sich beim Bundesamt für Strassen (Astra) über die gesetzliche Lage, wird man schnell fündig. Die Vorschriften besagen, dass Solowheels und andere Elektrostehroller zur Kategorie der Leichtmotorfahrräder gehören, genau wie E-Bikes. Also liegt offenbar kein grundsätzliches Verbot für Solowheels vor. Warum also ist das Herumfahren auf öffentlichem Grund trotzdem nicht erlaubt?

Fehlende Genehmigung

Astra-Sprecher Guido Bielmann präzisiert auf Anfrage, dass die Solowheels auf öffentlichem Grund zugelassen würden – aber nur, wenn eine sogenannte Typengenehmigung vorliege.

Gerade diese fehle aber bei den meisten Geräten. Der Importeur oder spätestens der Verkäufer des Geräts sollte die Typengenehmigung beim Astra einholen. Doch der Kunde ist damit nicht von allen Pflichten entbunden: Er müsste sich informieren, ob die Genehmigung tatsächlich vorliegt, bevor er sein Solowheel auf öffentlichem Grund benutzt.

Und es wird noch komplizierter: Nicht allen Elektrogefährten würde eine solche Genehmigung überhaupt erteilt, denn sie dürfen maximal 20 km/h schnell sein und ihre Leistung darf 500 Watt nicht übersteigen.

Zahlreiche Geräte im Handel überschreiten aber diese Richtlinien. Eine weitere Einschränkung gilt für die Benutzer: Die Solowheels dürfen erst ab 14 Jahren gefahren werden, sofern ein Fahrausweis für Motorfahrräder («Töffliausweis») vorliegt oder aber ab 16 Jahren ohne diesen. Dies ist wohl den wenigsten Gerätebesitzern bekannt.

Kaufen kann man die Solowheels bei diversen Händlern im Internet aus dem In- und Ausland, und bei Grosshändlern wie Coop. Auch Coop bietet ein solches Gerät - ein «Smart Wheel» – an.

Coop macht die Kunden – ganz im Gegensatz zu anderen Internetshops – in der Produktbeschreibung darauf aufmerksam, dass das Produkt gesetzlichen Vorschriften unterliege, wenn man damit auf öffentlichem Grund fahren wolle. Für weitere Informationen verweisen sie auf das Astra.

Behörden sollen das Problem lösen

Die Leidtragenden dieser Verwirrung um die Genehmigung sind die Gerätekäufer. Der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) ist das Problem bekannt.

«Die rechtliche Lage ist den wenigsten Käufern eines solchen Geräts bewusst", sagt die Geschäftsleiterin Sara Stalder. Die Stiftung für Konsumentenschutz werde deshalb die Konsumenten darüber aufklären, doch das eigentliche Problem sollte durch die Behörden gelöst werden: «Wir sehen das Bundesamt für Strassen (Astra) und die kantonalen Strassenverkehrsämter in der Pflicht, einerseits die Konsumenten über die rechtliche Lage und andererseits die Händler und Importeure über die Notwendigkeit zur Einholung der Typengenehmigung zu informieren.»

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