Der Oberste Gerichtshof des britischen Überseegebiets am Südzipfel Spaniens ordnete am Freitag eine Verlängerung der Festsetzung um 14 Tage an, wie die Regierung von Gibraltar mitteilte. Hätte es diesen Justizbeschluss nicht gegeben, hätte man gemäss der in Gibraltar geltenden Gesetze den am Donnerstag gestoppten Öltanker "Grace 1" längstens 72 Stunden, nur bis Sonntag also, festhalten dürfen.

Nach Angaben des spanischen Aussenministers Josep Borrell erfolgte die Festsetzung des Schiffes auf ein entsprechendes Gesuch der USA an Grossbritannien.

Vor dem Gerichtsbeschluss hatte der Iran Grossbritannien zur sofortigen Freigabe des Tankers aufgefordert. Die Beschlagnahme des Schiffes "Grace 1" sei ein Akt der "Piraterie" und das britische Vorgehen "inakzeptabel", hiess es in einer am Freitag in Teheran veröffentlichten Mitteilung. Zudem habe Grossbritannien im Auftrag der USA gehandelt.

Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo hatte am Donnerstag mitgeteilt, es gebe Grund zu der Annahme, dass das Rohöl an Bord der "Grace 1" für die Banjas-Raffinerie in Syrien bestimmt gewesen sei. In einer Videobotschaft betonte er, dies wäre ein Verstoss gegen die EU-Sanktionen, die für das Bürgerkriegsland gelten.

Nach Angaben des Branchendienstes "Lloyd's List" stammt das Rohöl an Bord der "Grace 1" aus dem Iran. Der Supertanker fährt laut der Datenbank BalticShipping.com unter der Flagge Panamas.

Botschafter einbestellt

Der Iran bestellte als Reaktion auf das "illegale Abfangen eines iranischen Öltankers" den britischen Botschafter Rob Macaire ins Aussenministerium ein. Das Schiff habe sich in internationalen Gewässern aufgehalten, daher habe Grossbritannien "kein Recht, seine eigenen einseitigen Sanktionen oder diejenigen der Europäischen Union ausserhalb des Territoriums gegen andere Länder zu verhängen".

Der Mitteilung zufolge wurden dem Botschafter Dokumente über das Schiff und dessen Fracht übergeben, die "zeigen, dass der Weg des Schiffes absolut legal war".