Rabattschlacht
Frühe Deals, mehr Security, gut gefüllte Lager: Das erwartet die Konsumenten am Black Friday

Ende November steht die weltweit grösste Rabattschlacht an. Damit es zu keinen Menschenansammlungen kommt, setzen Einkaufszentren teilweise zusätzliches Sicherheitspersonal ein. Auch die Online-Händler wappnen sich für den erwarteten Ansturm.

Sarah Kunz
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Am «Black Friday» locken Händler mit zahlreichen Schnäppchen. Die Rabattschlacht wird immer mehr online ausgetragen.

Am «Black Friday» locken Händler mit zahlreichen Schnäppchen. Die Rabattschlacht wird immer mehr online ausgetragen.

Keystone

Das iPhone für die Hälfte und den Flachbildfernseher zum Schnäppchen-Preis: Solch verlockende Angebote gibt es nur im November – dem Monat mit den meisten Aktionstagen: Singles’ Day (11. November), Black Friday (27. November) und Cyber Monday (30. November).

Auch Schweizerinnen und Schweizer kämpfen dann um die besten Schnäppchen und kaufen teils schon die Weihnachtsgeschenke ein. Onlinehändler rechnen daher mit Rekordwerten. Doch auch Läden erwarten gegenüber normalen Tagen mehr Kunden. Und das trotz Corona.

Die drei Tage gelten auch hierzulande als beliebteste Rabatt-Tage unter anderem für Elektronik, Haushaltsgeräte oder Fashion. Selbst wenn Szenarien wie in den USA, wo sich Menschen schon in regelrechte Kämpfe verwickelten oder Türen einrannten, in der Schweiz wohl kaum einmal eintreten werden, erwarten die Händler einen grossen Ansturm. Auch auf die Läden. Und das trotz Corona.

Zusätzliches Sicherheitspersonal im Shoppi Tivoli und Glattzentrum

Damit es nicht wieder zu Menschenansammlungen kommt wie an der Jubiläumsparty des Shoppi Tivoli in Spreitenbach, wappnen sich Einkaufszentren in diesem Jahr speziell auf den Ansturm: So wird im Shoppi laut einem Sprecher zusätzliches Personal eingesetzt, um einzugreifen und nötigenfalls Ansammlungen von über 15 Personen zu zerstreuen.

Auch das Einkaufszentrum Glatt setzt – wie immer an hoch frequentierten Tagen – mehr Sicherheitspersonal ein und richtet gemäss einer Sprecherin bei Bedarf Wartezonen für die Kunden ein. Am Black Friday werde das Shoppingcenter zudem ausnahmsweise bis um 22 Uhr geöffnet bleiben, damit sich die Frequenzen besser über den gesamten Tag verteilen könnten. Die Manor-Gruppe kündigt ausserdem an, die neuralgischen Punkte in den Warenhäusern nochmals mit Plexiglas abzusichern.

Gemäss einer repräsentativen Umfrage der Plattform Blackfridaydeals.ch plant so oder so nur jeder vierte Schweizer, in Einkaufszentren nach den besten Schnäppchen zu wühlen. Aufgrund der Coronapandemie will die Mehrheit Menschenansammlungen meiden: 62 Prozent der Befragten wollen an den Aktionstagen nicht in Einkaufszentren gehen. Weitere 12 Prozent sind derzeit noch unschlüssig.

Online-Bestellungen könnten um das Dreifache ansteigen

Noch stärker als in Vorjahren wird die Rabattschlacht voraussichtlich also online ausgetragen. Die Mini-Lockdowns in einigen Kantonen dürften diese Verschiebung noch verstärken. «Wir rechneten ursprünglich mit 50 Prozent mehr Traffic auf unserer Seite in diesem Jahr», sagt Retail-Experte Julian Zrotz von Blackfridaydeals.ch. Über die Seite kann man alle Deals von Schweizer Händler einsehen. Diese Rechnung sei aber unter normalen Bedingungen gemacht worden. Mit den jetzigen Massnahmen und Einschränkungen dürfte der Ansturm um einiges grösser ausfallen. «Vielleicht steigt er sogar um das Dreifache», sagt Zrotz. In diesem Fall sei davon auszugehen, dass viele Onlineshops überlastet sein werden.

Die Händler sehen dem Ansturm aber zuversichtlich entgegen. So hat beispielsweise Manor die Lagerkapazitäten und Abpackstationen für Onlinebestellungen in den Verteilzentralen verdoppelt. Auch die Migros-Tochter Digitec Galaxus hat aufgestockt: Sie hat die Zahl der Mitarbeitenden in der Logistik seit Ende 2019 fast verdoppelt und im April eine weitere Lagerhalle eröffnet. Sollte die Logistik und der Kundendienst wegen des grossen Ansturms doch ans Limit kommen, würden Black Friday und Cyber Monday bei Digitec dieses Jahr kleiner ausfallen. «Die zweite Welle hat uns bereits voll erfasst», sagt ein Sprecher. «Die Nachfrage hat nun noch einmal angezogen.» Und das, obwohl sie sich im Vergleich zum Vorjahr auch so bereits auf einem hohen Niveau befinde.

Onlinehändler Brack.ch wird hingegen gemäss eigenen Angaben mehr Aktionsangebote als im letzten Jahr anbieten und das Personal temporär verstärken. «Ein Vorteil für Konsumenten ist, dass jetzt die Lager der Onlineshops und der Hersteller vermutlich noch gut gefüllt sind», sagt der Brack-Sprecher. Das komme auch der Logistik zugute, da Waren nicht noch extra bestellt werden müssten, sondern direkt ab Lager geliefert werden könnten. Gleichzeitig seien aus demselben Grund aber auch mehr Rabatte nötig, um Kunden zum Kauf zu bewegen.

Erste Angebote haben bereits gestartet

Weil der Kampf um die Aktionen immer erbitterter wird, starten die Händler früher mit ihren Deals. So laufen die «Black November Flash Deals» bei Mediamarkt bereits seit Anfang dieser Woche. Auch Amazon – am Umsatz in der Schweiz gerechnet der drittgrösste Onlinehändler hierzulande – hat bereits mit seinen «Early Bird Black Friday Deals» gestartet. Viele Händler bieten zudem eine ganze Black Friday Woche an. Diese geht vom 23. November bis und mit Cyber Monday.

Und auch danach geht es Schlag auf Schlag weiter. Denn an die Rabatt-Wochen im November schliesst sich nahtlos das Weihnachtsgeschäft an. Auch für dieses erwarten die Händler, dass es in diesem Jahr hauptsächlich online ablaufen wird.