Tourismus
Furcht vor zu viel Aufbruchstimmung

Die Hotels verzeichneten letztes Jahr 96 000 Übernachtungen weniger –doch es gibt Gründe für Hoffnung.

Niklaus Vontobel
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Tourismus-Chef Jürg Schmid. Key

Tourismus-Chef Jürg Schmid. Key

KEYSTONE

Es war wohl der Versuch, nach sechs harten Jahren wieder gute Stimmung zu verbreiten. Die Folgen des Frankenschocks seien nun ausgestanden, sagte ein Sprecher von «Schweiz Tourismus» an der gestrigen Jahreskonferenz in Zürich. Doch war dem Direktor der Vermarktungsorganisation dies anscheinend schon zu viel der zur Schau getragenen Zuversicht.

Jürg Schmid relativierte die Einschätzung seines Sprechers: «Wir haben einen Boden erreicht; aber von einem deutlichen Umschwung darf man nicht reden, es ist eine sanfte Erholung.» Und selbst diese vorsichtige Einschätzung sicherte Schmid ab. Diese sanfte Erholung werde sich nur einstellen, wenn der Franken ungefähr auf seinem aktuellen Niveau bleibe.

Zürich und Luzern legen zu

Diese Zurückhaltung dürfte die Lehre aus schweren Jahren gewesen sein. Auch 2016 harzte es. Das zeigen die neuen Jahreszahlen des Bundesamtes für Statistik (BfS), die an der Jahreskonferenz ebenfalls vorgestellt wurden. 2016 nahmen die Logiernächte um 0,3 Prozent ab; oder umgerechnet um 96 000 Übernachtungen. Das BfS sprach von einem «moderaten Rückgang». In der Branche wird solches mittlerweile schon als Lichtblick empfunden, da die Verluste zumindest kleiner ausfielen als in den Vorjahren. Seit 2008 gingen fast zwei Millionen Logiernächte verloren.

Und noch einen Grund für Zuversicht gab es in den Daten: Ab der Jahresmitte hatte die Hotellerie eine kleine Trendwende geschafft. Bis zur Jahresmitte war die Zahl der Übernachtungen noch um ein ganzes Prozent geschrumpft im Vorjahresvergleich; doch danach gab es ein Plus von immerhin 0,4 Prozent. Viel ist das nicht, aber es bedeutet Wachstum.

Nur verteilt sich dieses Wachstum ungleich. In Zeiten der Finanz- und Eurokrise ist es ein bekanntes Muster: den Städten läuft es gut bis sehr gut; die alpinen Regionen leiden. Etwas verkürzt gesagt, haben Zürich und Luzern bisher Rückgänge im europäischen Markt mehr als wettmachen können mit der asiatischen Kundschaft (siehe Artikel links). Graubünden hingegen vermisst die deutschen Gäste schmerzlich.

Gegen das Wegbleiben der deutschen Gäste hat Graubünden noch kein Mittel gefunden. So setzte es auch 2016 insgesamt ein Minus ab; von 1,9 Prozent. Das ist zwar nicht mehr ein Desaster wie im Vorjahr (–6,6 Prozent), aber einen Boden gefunden hat der Kanton noch nicht. Im Wallis (–1,9 Prozent) warten sie genauso noch auf ein Ende des Abwärtstrends.

Preise um 5 Prozent tiefer

Überschwänglicher Optimismus ist also nicht angezeigt. Das zeigt sich auch an den Preisen. Diese konnten von 2011 bis 2014 noch stabil gehalten werden. Preissteigerungen lagen nicht drin, aber Abschläge wurden vermieden. Dann hob die Schweizerische Nationalbank im Januar 2015 den Mindestkurs auf; und die Dämme brachen. Heute liegen die Preise landesweit im Schnitt 5 Prozent tiefer. Ein solches Minus muss eine Branche wegstecken, die ohnehin mit knappen Margen hantiert. Hotellerie-Präsident Andreas Züllig warnte: «Preissenkungen sind gefährlich. Lockt man damit nicht mehr Gäste an, fehlt rasch einmal das Geld für Investitionen.» So müssen Hotels etwa alle paar Jahre ihre Zimmer erneuern.

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