Winterzeit

Gefährliches Caquelon? Fondue ist epidemiologisch zwar ungefährlich – trotzdem birgt der Käseplausch Risiken

Eng um das Caquelons herumstehen? Wegen der Coronapandemie wird es diesen Winter in einigen Beizen längere Fonduegabeln geben.

Eng um das Caquelons herumstehen? Wegen der Coronapandemie wird es diesen Winter in einigen Beizen längere Fonduegabeln geben.

Kurz nach Ausbruch der Pandemie wurde dem Nationalgericht schon das Ende vorausgesagt. Inzwischen weiss man: Im heissen Käse haben Coronaviren wenig Chancen.

«Schluss mit Fondue», «dem geschmolzenen Käse droht das Aus». Zu Beginn der Coronapandemie wurden auf das helvetische Nationalgericht schon vorgezogene Nachrufe geschrieben. Damals wussten wir über das neuartige Virus noch sehr wenig, ob eine Ansteckungsgefahr über Lebensmittel und Gegenstände droht, musste schnell erforscht werden.

Pessimisten sagten dem Fondue keine guten Chancen voraus. Sich Schulter an Schulter um das Caquelon zu drängen und die eigene Gabel samt Restspucke wiederholt in flüssigen Gruyère zu tunken, schien zum damaligen Wissensstand nicht gerade Corona-konform. Die Misere des Fondues könnte dafür Konkurrent Raclette in die Karten spielen, spekulierte im Mai das «SRF»: In den separaten Pfännchen kenne schliesslich jedes Käsestückchen die Regeln von «Social Distancing».

Coronaviren sterben im heissen Käse ab

Jetzt steht die Käsesaison vor der Tür. Und mittlerweile weiss man: Gefährlich ist das gemeinsame Essen aus dem heissen Topf nicht. Erstens können sich Coronaviren in Lebensmitteln und auf Gegenständen laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) nicht vermehren – dafür benötigen sie einen lebenden Wirt. Zweitens sind sie hitzeempfindlich und sterben ab einer Temperatur von ungefähr 45 Grad ab. Im heissen Käsefondue, das zwischen 60 und 70 Grad warm ist, haben die Viren folglich kaum eine Chance. Das gleiche gilt für Fondue chinoise und bourguignonne.

«Fondueabende» im kleinen privaten Rahmen sind laut BAG also weiterhin möglich. «Das Nationalgericht lebt weiter!», dürften sich insbesondere Käseproduzenten freuen. Der Milchverarbeiter Emmi, der etwa die Gerber-Mischung herstellt, bestätigt denn auch, dass es im Absatz keine Verlagerung vom Fondue aufs Raclette gibt. Und auch der Verband Raclette Suisse vermag dies den Fondue-Herstellern zu gönnen: «Wir lieben Schweizer Käse und es ist nicht unser Ziel, davon zu profitieren, wenn wegen dem Coronavirus weniger Fondue gegessen werden sollte», sagt Verbandsleiter Jürg Kriech.

Aktuell ist sogar das Gegenteil der Fall: Aufgrund des kühlen Wetters haben Schweizerinnen und Schweizer Rechaud und Öffeli dieses Jahr sogar schon früher hervorgeholt. Wie die Migros auf Anfrage schreibt, stellt sie momentan eine höhere Nachfrage nach Fondue – und Raclette – fest.

Drängen um das Caquelon birgt Gefahr

Doch bevor Sie jetzt wie Weltmeister drauflos tunken oder Käse braten: Eine grosse Gefahr birgt natürlich der fehlende Sicherheitsabstand. Die Abstandsregeln und Hygienemassnahmen dürfen beim geselligen Fondueabend nicht vergessen gehen, mahnt der Bund. Statt sich mit ihren Freunden wie sonst um den Topf oder Ofen zu drängen, muss die Mahlzeit nunmehr in geordneten Bahnen eingenommen werden – so wie jedes andere Essen auch. Abhilfe schaffen könnten beim Fondue längere Gabeln – laut Medienberichten sollen sich einige Schweizer Beizen bereits damit ausgerüstet haben.

Im Idealfall wird das Fondue gleich auf die Terrasse oder den Balkon verlegt. Die Ansteckungsgefahr ist draussen bekanntlich deutlich geringer. Zahlreiche Restaurants tun dies bereits seit Jahren, trotzdem werden sie es diesen Winter schwer haben. So berichtet die Remimag-Gruppe, die schweizweit fast 30 Restaurants führt, dass zahlreiche Gruppenanlässe bereits storniert wurden. Vor allem Firmen sagen ihre Weihnachtsanlässe reihenweise ab ­– das Fonduezelt beim Schwellenmätteli in Bern wurde deshalb gar nicht erst aufgestellt. Noch schwieriger wird es für Restaurants, die gar keine Aussensitzplätze haben.

Autor

Gabriela Jordan

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