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Herber Dämpfer im Mai: Umsatz von Roche bricht wegen Corona kurzzeitig ein

Roche bereut den Bau des zweiten Bürohochhauses in Basel nicht. Der Platz wird trotz mehr Homeoffice gebraucht, wie Chef Severin Schwan sagt.

Roche bereut den Bau des zweiten Bürohochhauses in Basel nicht. Der Platz wird trotz mehr Homeoffice gebraucht, wie Chef Severin Schwan sagt.

Da viele Menschen nach dem Ausbruch der Pandemie die Spitäler mieden, verkaufte der Basler Pharmakonzern zeitweise deutlich weniger Medikamente.

Das dürfte in der jüngeren Geschichte von Roche einmalig sein: Im Monat Mai brach der Umsatz um ganze 15 Prozent ein. Der Grund: Bis auf Coronapatienten sind in den Spitälern weltweit kaum andere Erkrankte behandelt worden. Da die Medikamente von Roche vor allem in Spitälern gebraucht werden, wirkte sich dies markant auf die Zahlen des Basler Pharmakonzerns aus.

Doch inzwischen hat sich die Situation normalisiert. Bereits im Juni ist der Umsatz wieder um 3 Prozent gestiegen. Die Gesundheitssysteme hätten sich auf die neue Situation eingestellt, nun würden auch Patienten mit anderen Krankheiten als Corona wieder behandelt, sagte Roche-Chef Severin Schwan an einer Telefonkonferenz.

Entsprechend zuversichtlich zeigt er sich für die zweite Jahreshälfte. Schwan rechnet mit einem Wachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich für das gesamte Jahr.

Im ersten Halbjahr verblieb wegen der Coronadelle gerade noch ein Wachstum von einem Prozent. In Franken gerechnet sank der Umsatz jedoch wegen Währungseffekten um vier Prozent auf 29,3 Milliarden. Der Spital-Lockdown im Mai wirkte sich vor allem auf mehrere neuere Medikamente aus, etwa jene gegen Multiple Sklerose oder die Bluterkrankheit.

Hinzu kommt die starke Konkurrenz für die drei altgedienten Krebsmedikamente, die in den besten Zeiten über einen Drittel des Roche-Umsatzes ausmachten.

Hohe Nachfrage nach Coronatests

Einen weit kleineren Beitrag zum Ergebnis steuern die Coronatests des Pharmakonzerns bei. Nach wie vor übersteigt die Nachfrage das Angebot bei Weitem, wie Diagnostik-Chef Thomas Schinecker sagte. «Zwar haben wir die Kapazitäten bereits deutlich hochgefahren, wir werden aber in den kommenden Monaten daran arbeiten, sie noch weiter auszubauen.»

Während der Umsatz mit den Coronatests stark gestiegen ist, ging das Geschäft mit der Routinediagnostik zurück. Viele Patienten haben regelmässige Gesundheitschecks wegen der Pandemie abgesagt oder verschoben. Unter dem Strich verblieb ein Wachstum für die ganze Sparte von drei Prozent in Lokalwährungen.

Auf Seiten der Medikamente testet Roche das Rheumamittel Actemra für den Einsatz bei schwererkrankten Coronapatienten. Resultate der im April gestarteten Studie werden in Kürze erwartet.

Schwan bereut das zweite Hochhaus nicht

Wie bei vielen anderen Unternehmen befinden sich bei Roche weiterhin viele Mitarbeiter im Homeoffice. Konkurrent Novartis fiel diese Woche mit der Ankündigung auf, die Angestellten sollen künftig selber entscheiden, wie, wo und wann sie arbeiten wollten.

Roche will nicht soweit gehen. Zwar ermutige das Unternehmen derzeit seine Mitarbeiter nicht, ins Büro zurückzukehren, sagte Konzernchef Schwan. Ohnehin glaube er, dass Homeoffice beliebter werde. In forschungsgetriebenen Unternehmen wie Roche sei es jedoch sinnvoll, dass sich die Mitarbeiter auch vor Ort austauschten, etwa wenn sie gemeinsam an Projekten arbeiteten.

Schwan bereut es denn auch nicht, dass derzeit in Basel ein weiteres Bürohochhaus entsteht. Natürlich müssten die Abstandsregeln eingehalten werden, was gerade in den Liften nicht so einfach sei. Vor der Coronakrise habe sich abgezeichnet, dass trotz der beiden Hochhäuser auf dem Roche-Areal in Basel nicht genügend Platz für alle Mitarbeiter sei.

Ohne die Pandemie hätte das Unternehmen weiterhin an anderen Orten in der Stadt eingemietet bleiben müssen. Daher sei er glücklich, dass man den zweiten Turm in Angriff genommen habe.

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