Industrie

Höherer Umsatz, aber tieferer Gewinn: ABB bleibt schwer zu fassen

Der ABB-Konzern mit Chef Ulrich Spiesshofer hat am Donnerstag das Ergebnis des vierten Quartals präsentiert. Während der Umsatz gesteigert werden konnte, sank der Gewinn. (Archivbild)

Der ABB-Konzern mit Chef Ulrich Spiesshofer hat am Donnerstag das Ergebnis des vierten Quartals präsentiert. Während der Umsatz gesteigert werden konnte, sank der Gewinn. (Archivbild)

Der Industriekonzern ABB hat im vierten Quartal 2018 Umsatz und Auftragseingang gesteigert, aber weniger Gewinn erzielt als im Vorjahr. Mit den Zahlen gibt das Unternehmen auch ein Update zur Strategie im Anschluss an die Ablösung der Stromnetzsparte. Der Konzern baut seine Divisionen abermals um und provoziert Unmut bei den Investoren.

ABB hat es eilig, mit der Geschichte abzuschliessen. Am 17. Dezember hatte der Elektrotechnikkonzern offiziell mitgeteilt, dass es für das Geschäft mit der Stromübertragung keinen Platz mehr gibt. Man kündigte den Verkauf des ehemaligen Kerngeschäfts an die japanische Hitachi an.

Der Milliarden-Deal ist zwar besiegelt, doch abgeschlossen wird er voraussichtlich erst im kommenden Jahr. An der gestrigen Jahresbilanzpressekonferenz in Zürich war vom einstigen Kerngeschäft aber keine Rede mehr. CEO Ulrich Spiesshofer sprach wie gewohnt schnell und viel, aber nur noch über die neue ABB und deren Aussichten, die eine «erhebliche Wertsteigerung für alle Stakeholder» versprechen.

Einzig in der Erfolgsrechnung findet sich noch ein Eintrag, aus dem sich die letztjährige Leistung der Sparte halbwegs nachvollziehen lässt. 723 Millionen Dollar Gewinn trugen die nicht mehr fortzuführenden Aktivitäten 2018 zum Konzernresultat bei – 123 Millionen Franken oder 15 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Löwenanteil entfällt auf die Stromnetzsparte.

ABB hat in den vergangenen Monaten ungewöhnlich viele Neuaufträge für die Stromnetzsparte hereingeholt. Die entsprechenden Anzahlungen seien dafür noch nicht eingegangen, und zudem seien sogenannte Meilensteinzahlungen, die bei einer Projektabwicklung üblich sind, ausgeblieben. Das alles deutet darauf hin, dass ABB die Division kurz vor dem Verkauf noch mächtig aufpoliert hat, um den Verkaufspreis zu maximieren.

Aber wie gut sieht ABB ohne ihr früheres Herzstück wirklich aus? Die gestrige Präsentation liess offensichtlich viele Investoren einigermassen irritiert zurück. Obschon der Konzern im Berichtsjahr 14 Prozent mehr Bestellungen und 10 Prozent mehr Umsatz verbuchen und das operative Ergebnis (ohne Stromnetze) um 7 Prozent zu steigern wusste.

Und obgleich die Aktionäre eine höhere Dividende erhalten und für die Sonderkosten im Zusammenhang mit dem Hitachi-Deal (die zu einem Gewinnrückgang führten) nicht zur Kasse gebeten werden, sackte der Aktienkurs an der Börse um 2,5 Prozent auf unter 19 Franken ab.

Offensichtlich gibt es im Kreis der Anleger und Finanzanalysten nicht wenige, die an Spiesshofers Versprechen Zweifel hegen. So gibt es zum Beispiel offene Fragen über das wahre Potenzial der Robotik-Sparte, die im vierten Quartal mit einer eindrücklichen Geschäftsausweitung (+11 Prozent verglichen mit +5 Prozent des Gesamtkonzerns) aufwarten konnte.

Doch die Qualität einer Sparte lässt sich nur über einen längeren Zeitraum einigermassen zuverlässig beurteilen. Doch genau das verhindert Spiesshofer, indem er die Sparte genau jetzt umbaut, wo sie den Qualitätstest bestehen müsste. Statt mit den nach dem Verkauf der Stromnetze verbleibenden drei Divisionen weiterzufahren, schafft ABB nun wieder eine vierte Division für die Antriebstechnik, die ein Teil des bisherigen Geschäftes der Robotik-Sparte übernimmt.

Analysten monierten, die unveränderten Leistungsziele der so veränderten Robotik-Sparte sähen auffallend ambitionslos aus. Dahinter verbirgt sich die Befürchtung, dass die gehegten Erwartungen für das Industrieroboter-Geschäft eben doch überzogen waren. Manch einer fragt sich heute, ob man mit Fleiss und Geduld das Stromnetzgeschäft nicht hätte auf Vordermann bringen können, womit der ABB ein strategisch bedeutungsvolles Geschäft mit globaler Ausstrahlung erhalten geblieben wäre.

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