Möbelbranche

Ikea bezahlt zu wenig: Chinesen bauen Hunderte Möbelhäuser

Auffällige Ähnlichkeit mit Ikea: Das Möbelgeschäft Joyme.Felix Lee

Auffällige Ähnlichkeit mit Ikea: Das Möbelgeschäft Joyme.Felix Lee

15 ehemalige Zulieferer des schwedischen Möbelgiganten in China schliessen sich zusammen und gründen ein Konkurrenzunternehmen. Sie sind Ikeas Preisdrückerei leid.

Sie sehen aus wie «Billy», «Pax’» und «Hemnes». Sie lassen sich genauso einfach zusammensetzen. Tatsächlich kommen sie auch aus denselben Fabriken. Und doch sind die ausgestellten Möbel nicht vom berühmten schwedischen Möbelkonzern – sondern von der chinesischen Konkurrenz.

Im Süden Pekings hat vor wenigen Wochen ein Möbelgeschäft eröffnet, das den Einrichtungshäusern von Ikea auffällig ähnelt. Joyme nennt sich die Marke, und bei dem Geschäft in Chinas Hauptstadt handelt es sich bereits um die zweite Filiale. Die erste gibt es seit Jahresbeginn in der Provinz Heilongjiang. Hinter dem Unternehmen stecken ehemalige Ikea-Lieferanten, die nun in China auf eigene Faust ein Konkurrenzunternehmen aufbauen.

«Wir machen nicht nur Ikea nach», beteuert der Filialleiter des Möbelgeschäftes. «Wir haben unser eigenes Design.» Tatsächlich gibt es bei einigen Möbelstücken leichte Variationen.

Die Vitrinentür des «Hemnes»-Schrankes fällt am Scharnier etwa breiter aus. «Molger» fürs Badezimmer gibt es auch in dunkelgrün und das «Expedit»-Regal mit vier und nicht nur wie beim Ikea-Original mit nur zwei Türen. Ansonsten aber ist das Design des schwedischen Möbelgiganten unverkennbar. Selbst die Angestellten tragen gelb-blaue Polohemden.

Jährliche Preissenkungen

Für seine weltweit insgesamt rund 340 Filialen lässt Ikea etwa ein Viertel seiner Waren in China herstellen. Seit Jahren jedoch liefert sich der schwedische Grosskonzern einen heftigen Streit mit seinen chinesischen Zulieferern. Während der Holzpreis in China stetig steigt und die Löhne sich innerhalb von fünf Jahren für die Kleinunternehmen fast verdoppelt haben, versucht Ikea die Preise jedes Jahr aufs Neue zwischen zwei und fünf Prozent zu senken. Dabei sind die durchschnittlichen Löhne in diesen Betrieben von umgerechnet unter 250 Euro im Monat auch für chinesische Verhältnisse weiterhin niedrig.

Einige der mehreren Hundert Lieferanten in China haben ihre Zusammenarbeit mit Ikea bereits aufgekündigt – unter anderem 15 Betriebe, die sich Anfang des Jahres zusammengeschlossen und Joyme gegründet haben. Noch vertreibt das junge Unternehmen seine Waren vorwiegend im Internet über das in China weitverbreitete Einkaufsportal Taobao. 20 Geschäfte befinden sich im Bau.

Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen landesweit zwischen 300 und 500 Filialen hinzukommen. Zum Vergleich: Ikea betreibt in China derzeit elf Einrichtungshäuser, drei weitere Filialen sind für 2013 in Planung. Doch damit nicht genug: 300 weitere Zulieferer drohen, sich von Ikea wegen Preisdrückerei abzuwenden und ähnliche Möbel auf eigenen Wegen zu vertreiben – wie bereits Joyme auch ins Ausland.

Ikea hält sich vorerst zurück

Ikea in Peking hat die Gründung von Joyme durchaus registriert und sie an die Firma Inter Ikea Systems weitergeleitet, die mit Sitz in den Niederlanden Inhaberin der Markenrechte für alle Ikea-Produkte ist. In der Volksrepublik selbst will Ikea China gegen Joyme vorerst nicht markenrechtlich vorgehen. Das könnte auch schwierig werden. Von den insgesamt über 10 000 Ikea-Produkten sollen nach Angaben von Joyme, nur 30 markenrechtlich geschützt sein. Ikea wollte diese Zahlen auf Anfrage nicht bestätigen.

Joyme will es beim blossen Abkupfern nicht belassen, sondern über den Online-Vertrieb auch eigene Akzente setzen. So plant das Unternehmen etwa Strichcodes an jedem Möbelstück. Der Kunde könne die gewünschten Möbel dann bequem per Handy-App bestellen und nach Hause liefern lassen. Und Köttbullar, die bekannten schwedischen Fleischbälle in der Ikea- Kantine, soll es bei Joyme auch nicht geben. Sie kommen bei chinesischen Möbelkäufern eh nicht so gut an.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1